Officina Roma, ein Haus aus Müll

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OFFICINA ROMA

Gemeinhin ist die Kombination aus Wohnen und Müll zwar eine alltägliche, aber doch eher ungewollte. Jeglicher Unrat wird möglichst schnell aus dem Heim entfernt und trägt meist nur noch zum weiteren Anwachsen der ohnehin schon gigantischen Müllberge bei. Das Berliner Architekturbüro Raumlabor zeigt in einem einzigartigen Bau- und Kunstprojekt, dass das auch anders geht und hat eine Villa komplett aus Müll gebaut.

Das experimentelle Vorhaben mit dem Namen „Officina Roma“ wurde gemeinsam mit 24 Schülern aus ganz Italien für die Ausstellung Re-Cycle im römischen Nationalen Museum der Künste des XXI. Jahrhunderts (MAXXI) umgesetzt und zeigt das große Potential von Recycling beim Bau von Gebäuden.

Insgesamt hat die spannende Optik der Villa deutliche Ähnlichkeit mit einer Kollage: Die Wände des Schlafzimmers bestehen aus Bauholz und ausrangierten Autotüren, die Küche aus alten Flaschen und das Hauptdach wurde mit gebrauchten Ölfässern und Trockenbauprofilen gedeckt. Statt einem Wohnzimmer gibt es eine Werkstatt aus alten Fenstern und Türen, die gleichermaßen als Arbeits- und Gemeinschaftsraum gedacht ist.

Konsumwahn versus Nachhaltigkeit

Mit ihrer einzigartigen Villa aus Müll wollen die Erbauer darauf hinweisen, dass es höchste Zeit ist „unseren Lebensstil, der auf Individualisierung, Wettbewerb, Wachstum und Ausbeutung natürlicher Ressourcen basiert, zu hinterfragen“. Doch „Officina Roma“ ist nicht nur ein reines Schauprojekt. In dem Haus finden seit 1. Dezember 2011 immer wieder Workshops und Diskussionen zu alternativen Lebenskonzepten, Recycling Design und experimenteller Baupraxis statt.

Wer also demnächst zufällig in Rom ist und Officina Roma des Berliner Architekturbüros Raumlabor auf der Re-Cycle-Ausstellung im MAXXI, dem Nationalen Museum der Künste des XXI. Jahrhunderts, in Natura sehen möchte, hat noch bis 29. April 2012 die Möglichkeit dazu. Und wen es vielleicht gar bis nach Amerika verschlägt, der kann sich alternativ auch die äußerst kreative Arbeit von Dan Philipps ansehen, der unter anderem im texanischen Huntsville ebenfalls ein Haus komplett aus Abfall gebaut hat.

Matthias Schaffer

 

2 Responses

  1. Eckhard Rimpel

    6. März 2012 11:22

    Heute gibt es schon große Aufregung, wenn als Abfall deklarierte Sekundärrohstoffe in Baustoffen verwendet werden. Meist werden diese sogar keramisch eingebunden und sind absolut immobil. Wer soll dann denn bitte in Müll wohnen wollen.
    MfG ER

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