Noch immer keine Lösung für das Atommüll-Problem

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Die Bundesregierung steht vor einem Problem

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat einen Vorschlag zur Lagerung des im Ausland aufbereiteten deutschen Atommülls unterbreitet. Ihr Plan ist es, den radioaktiven Abfall zu gleichen Teilen über alle Bundesländer zu verteilen. Doch bislang zeigten sich nur Schleswig Holstein und Baden-Württemberg kooperativ und wollen Teile des Atommülls bei sich aufnehmen. Um alle Castorbehälter lagern zu können, wird jedoch mindestens ein drittes Bundesland benötigt. Dabei stößt Hendricks allerdings bislang auf taube Ohren. Für das Lager – Problem scheint es deshalb auch weiterhin keine Lösung zu geben. Nun hat die Umweltministerin ein Machtwort gesprochen.

26 Castorbehälter mit aufbereitetem hochradioaktiven Abfall stehen bereits seit anderthalb Jahren in Frankreich und Großbritannien und warten darauf, wieder in die Bundesrepublik zurücktransportiert zu werden. Doch allem Anschein nach wird das noch eine ganze Zeit lang dauern, denn für die abgeklungenen Brennstäbe findet sich bislang kein geeigneter Ort für die Lagerung. Erschwerend kommt hinzu, dass dem Zwischenlager am Atomkraftwerk Brunsbüttel seine Betriebsgenehmigung entzogen wurde (cleanenergy-project.de berichtete) und nun auch dort kein Atommüll mehr zwischengelagert werden darf. Der Standort sollte ursprünglich zumindest einen Teil der Castorbehälter aufnehmen.

Auch die einzelnen Bundesländer scheinen sich nicht auf eine Lösung verständigen zu können. Nur Baden-Württemberg und Schleswig-Hostein sind bislang einverstanden, einen Teil der Behälter aufzunehmen, schrieb das Nachrichtenmagazin „Zeit“ am Montag online. Doch sonst will keiner den hochradioaktiven Abfall und jede Landesregierung findet einen Grund dafür, warum ihr Land für die Lagerung nicht in Frage kommt. Bayern beispielsweise gab an, der Transportweg von Großbritannien in den Freistaat sei einfach zu lang, die Gefahren dabei zu groß. Hendricks kritisierte die bayerische Landesregierung für ihre Weigerung und verwies darauf, dass Bayern als jahrzehntelanger Befürworter der Atomkraft eine besondere Verantwortung bei der Endlager-Frage habe.

Nun hat die Umweltministerin ein Machtwort gesprochen. Die Verhältnisse seien nicht mehr hinnehmbar und deshalb müsse jetzt eine Lösung her. Ihr Ansatz: Der Atommüll soll in ganz Deutschland gelagert und somit die Verantwortung gerecht unter den Bundesländern aufgeteilt werden. Sollten die einzelnen Landesregierungen dies nicht akzeptieren, läge es an den Unternehmen (der Atomindustrie) zu entscheiden, wo der giftige Atommüll gelagert werden soll, sagte Hendricks. Dazu müssten sie baldmöglichst entsprechende Anträge stellen. Die Konzerne haben vor allem den Standort Gorleben im Auge. E.on will sogar per Klage sicherstellen, dass die Castorbehälter dorthin transportiert werden.

Doch auch wenn eine Lösung für die 26 im Ausland stehenden Castorbehälter gefunden wird; das Problem Endlagerung bleibt bestehen. Die Bundesregierung gab letztes Jahr bekannt, im Zuge des Atomausstiegs müsste weit mehr Atommüll endgelagert werden als bislang angenommen. Demnach werde sich die benötigte Kapazität für die Lagerung schwach bis mäßig radioaktiven Mülls verdoppeln, aber auch Abfälle aus einer Urananreicherungsanlage in Gronau, die bisher als „Wertstoffe“ aufgeführt wurden, rechnet der Bund in diese Schätzung mit ein. Der Betreiber Urenco lagert dort momentan 13.000 Tonnen nuklearer Abfallprodukte. Insgesamt müssen rund 600.000 Kubikmeter radioaktives Material in Deutschland endgelagert werden, schätzt die Bundesregierung. Die große Frage lautet: Wohin mit dieser riesigen Menge Atommüll? Bislang scheint dafür noch keine Lösung in Sicht zu sein.

 

 

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