Amsterdam soll Elektroauto-Stadt werden

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Amsterdam; Foto: shutterstock

Auf dem kleinen, aber feinen Automobilmarkt der Niederlande bewegt sich so einiges. Ohne Kompromisse wird die Elektromobilität in einem Land eingeführt, wo Fahrradstaus längst zum Alltagsbild in den größeren Städten gehören und mit typisch holländischer Gelassenheit im Stadtverkehr ertragen werden.

Die niederländische Regierung verfolgt gemeinsam mit den Kfz-Fachverbänden des Landes das Ziel, bis 2020 etwa eine Million Elektroautos (inklusive Hybridmodelle) auf den Straßen zu haben. Dann wäre der Markt für Elektromobilität in den Niederlanden fest etabliert und würde einen Marktanteil von etwa 20 Prozent erreichen. Zum Vergleich: Das ungleich größere Deutschland strebt bis zum selben Zeitpunkt die gleiche Anzahl an Stromern auf deutschen Straßen an.

Direkte Zuschüsse zu den Kaufpreisen

Zentral sind dabei direkte Zuschüsse zu den Kaufpreisen von E-Mobilen sowie steuerliche Vergünstigungen bei Beschaffung und Betrieb: Bis 2018 werden neue E-Mobile vollständig von der Kaufsteuer und im laufenden Betrieb von der Kfz-Steuer befreit. Die Stadt Amsterdam ist dabei Vorreiter mit dem Ziel, bis 2040 die vollständige Umstellung auf Elektromobilität aller privat und geschäftlich genutzten Kfz im Zentrum der Metropole zu realisieren.

Dafür werden auf kommunaler Ebene einig Maßnahmen umgesetzt: Bis zu 15.000 Euro Zuschuss beim Kaufpreis eines Elektro-Pkw zusätzlich zu den steuerlichen Maßnahmen des Staates. Zehntausende von Ladesäulen, die mit kommunalen Fördermitteln erreichtet werden und deren dort gezapfter Strom bis auf Weiteres kostenlos ist. Die Käufer der E-Mobile sind frei bei der Wahl von Marken und Händlern. Die Stadt hat bereits ein Abkommen mit dem französischen Automobilkonzern Renault-Nissan geschlossen, der 2011 mit dem Verkauf des kompakten E-Modells „Leaf“ in Holland beginnen will.

Erste grenzüberschreitende Elektromobilität in Europa

Auch ein deutscher Stromversorger will in den Niederlanden direkt beim Aufbau der Infrastruktur für das E-Autonetz mitmischen und sich 2011 an entsprechenden Ausschreibungen in Amsterdam beteiligen: Die RWE-Tochter RWE Effizienz GmbH. Dabei geht es um den Export des hauseigenen Ladesäulen-Konzepts RWE-Autostrom.

Deutsche und niederländische Netzbetreiber haben Ende 2010 ein Abkommen zur grenzüberschreitenden Elektromobilität geschlossen, welches das erste seiner Art in Europa ist. Es wird gegenseitig ein sogenanntes „Strom-Roaming“ eingeräumt, die Verbraucher können damit im jeweils anderen Land die Ladung ihres E-Mobils bargeldlos bezahlen. Die Säulen werden mit einer gemeinsamen Steckertechnologie und Smartcard für die Bezahlung ausgerüstet. Partner sind eine Kooperation deutscher Stadtwerke und niederländischer Verteilnetzbetreiber.

Daniel Seemann

 

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