Neuer Lebensraum in Offshore-Windparks

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© Michael Rosskothen / Fotolia.com
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Offshore-Windparks standen lange Zeit in der Kritik, sie würden die Lebensräume von Meereslebewesen zerstören. Doch schon im Jahr 2013 konnten Wissenschaftler feststellen, dass entgegen der Erwartungen die Artenvielfalt in diesen Gebieten sogar wieder anstieg. Dies nahmen sich Forscher zum Anlass, einen Versuch zu starten, indem sie mit Hilfe dieser neuen Lebensräume die Hummerpopulation wieder wachsen lassen wollten. Bereits kurze Zeit nachdem die jungen Tiere ausgewildert wurden konnten die Wissenschaftler erste Erfolge feststellen.

Offshore-Windparks zerstören den Lebensraum der Meerestiere und vermindern die dortige Artenvielfalt. Das war lange das Hauptargument der Protestbewegung gegen die Entstehung neuer Windparks in Nord- und Ostsee. Doch schon sehr bald stellte sich heraus, dass das Gegenteil zutrifft: bereits 2013 zeigten Studien, dass die Meeresbewohner kurz nach Bauende der Windräder zurückkamen. Und nicht nur das, „die lokale Biodiversität nimmt zu“, erklärte Meeresbiologin Jennifer Dannheim vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) damals. Grund dafür seien die großen Steinbrocken und der Kies am Grund eines Windrades, die ein künstliches Riff bilden, an welchem sich die verschiedenen Arten ansiedeln können. Außerdem ist der Bereich um einen Windpark für die Schifffahrt und die Fischerei gesperrt, sodass sich die Bewohner des Riffs in alles Ruhe entwickeln und vermehren können und die Artenvielfalt in diesen Gebieten sogar wieder zugenommen hat.

Diese Entdeckung brachte ein Team aus Wissenschaftlern der Biologischen Anstalt Helgoland und des AWI dazu, 2400 einjährige Hummer an vier Steinfelndern im Offshore-Windpark „Riffgat“ vor der Insel Borkum auszusetzen. Denn der europäische Hummer ist ein Riffbewohner und fühlt sich hauptsächlich auf dem Felsriff Helgolands wohl. Doch hier gibt es nur wenige felsige Gebiete. Außerdem konnte sich die Hummerpopulation seit den Bombardements im zweiten Weltkrieg und der starken Fischerei nie wieder richtig erholen. Das AWI versucht deshalb bereits seit zwei Jahrzehnten die Bestände wieder zu vergrößern.

Als die Forscher nach einem Jahr wieder an die Steinfelder zurückkamen, konnten sie erfreulicher Weise feststellen, dass tatsächlich ein Teil des ausgewilderten Bestandes an diesen künstlichen Riffen verblieben ist. Die Wissenschaftler hatten sich zwar erhofft, dort mehr Hummer zu finden, sind aber im Gesamtergebnis zufrieden. 3% der ausgesetzten Tiere konnten an den vier Stellen wiedergefunden werden. „Das klingt erst einmal sehr wenig“ muss der Meeresbiologe Roland Krone des AWI zugeben, doch diese Zahl entspreche auch der Ansiedlung auf natürlichen Riffen wie vor Helgoland. Ein weiterer positiver Befund ist die Größe der Tiere. Denn dass die Hummer an den Windparks schneller wachsen als in Zucht weist darauf hin, dass die Lebensbedingungen an diesem Ort sehr gut seien.

Ein weiterer Grund dafür, dass nur so wenige Hummer aufzufinden waren, könnte auch die Größe der Steinfelder sein. Denn diese sind im Vergleich zu natürlichen Felsformationen viel kleiner. „Es ist wahrscheinlich, dass sich ein bedeutender Anteil auf die übrigen Fundamente im Windpark verteilt hat“, betont Krone. Um diese Theorie überprüfen zu können möchte der Biologe nicht nur an vier, sondern an 17 der 30 Windanlagen nach Hummern suchen, denn „So könnte man einen verlässlichen Überblick über die Hummer und auch die Entwicklung der übrigen Riffbewohner gewinnen.“ Für dieses Vorhaben fehlt im Moment jedoch noch die nötige Finanzierung.

Eines lässt sich laut Krone allerdings festhalten: „Es gibt starke Hinweise, dass der Lebensraum geeignet ist für Hummer“.

Quellen: Die Zeit, WirtschaftsWoche