Neue Hoffnung: Plastik-fressendes Bakterium entdeckt

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Cleantech -Plastik-fressendes Bakterium
Cleantech -Plastik-fressendes Bakterium

Japanische Forscher haben das weltweit erste Bakterium entdeckt, dass den Kunststoff PET zersetzen kann. Bisher waren nur einige Pilze mit dieser Eigenschaft bekannt. Das Bakterium könnte einen Hoffnungsschimmer bedeuten im Kampf gegen die extreme Verschmutzung mit Plastikmüll. Allein 2012 wurden rund 56 Millionen Tonnen PET-Kunststoffe hergestellt. Vieles davon landet in der Umwelt. Ob das neue Bakterium  tatsächlich eine Hilfe sein kann, ist jedoch fraglich.

Polyethylenterephtalat, kurz PET ist ein Kunststoff, der aus Erdöl hergestellt wird und uns vor allem durch die bekannten PET-Flaschen ein Begriff ist. PET zersetzt sich nur äußerst langsam. Bis nichts mehr davon übrig ist vergehen viele Jahrhunderte. Wir produzieren dennoch rund 300 Millionen Tonnen Plastik jährlich. Darunter 56 Millionen Tonnen PET – mit entsprechenden Folgen für die Umwelt.

Die Landflächen und vor allem die Meere sind verseucht mit Plastikmüll. Millionen Tonnen davon sammeln sich in großen Plastik-Inseln, denen bereits Namen gegeben werden. So ist der sogenannte „siebte Kontinent“ größer als Indien. Forscher haben bereits Expeditionen auf die unerforschte Ansammlung menschlicher Hinterlassenschaften gestartet. Ein noch größeres Problem ist das sogenannte Mikroplastik. Fische und andere Tiere verschlucken die winzigen Teile und verenden qualvoll daran. Auch in unsere Lebensmittel kann das Plastik auf diese Weise gelangen.

Japanische Forscher vom Kyoto Institute of Technology haben nun vielleicht eine Chance entdeckt, wie zumindest der PET-Kunststoff schneller aus der Umwelt entfernt werden kann. Sie entnahmen an einer Recycling-Anlage für PET-Kunststoffe an verschiedenen Stellen insgesamt 250 Umweltproben. Dann suchten sie im Labor nach Mikroorganismen, die einen dünnen PET-Film zersetzen können. In einer der Proben wurden sie fündig: Sie isolierten ein Bakterium, das die Forscher “Ideonella sakaiensis 201-F6” tauften.

Das neue Bakterium ernährt sich tatsächlich von PET. Bei Untersuchungen zeigte sich, dass Ideonella sogar am Plastik selbst zu finden ist. Es haftete direkt an der Oberfläche des PET-Films. Nach insgesamt 60 Wochen bei 30 Grad Celsius hatten die Bakterien den gesamten Kunststoff aufgefressen. Wie sie das machen, konnten die Forscher bei weiteren Untersuchungen ebenfalls herausfinden. Die Bakterien zersetzen das Plastik mit Hilfe von zwei Enzymen. Am Ende des Prozesses bleiben nur Terephthalsäure und Glykol übrig. Beide Substanzen sind nicht umweltschädlich, betonen die japanischen Wissenschaftler.

Für Begeisterungsstürme wegen der potenziellen Möglichkeit, endlich den PET-Abfall loszuwerden sei es jedoch noch zu früh. Zwar arbeite das Bakterium schneller als vergleichbare Enzyme von Pilzen, dennoch sei der Zersetzungsprozess eher langsam. Allein für den dünnen PET-Film waren bereits 60 Wochen unter optimalen Temperaturen nötig. Ob die Bakterien aktiv genug sind, um große Mengen PET zu vernichten sei noch nicht abzusehen, sagt der Biochemiker Uwe Bornscheuer von der Uni Greifswald. Er verweist außerdem darauf, dass in den Ozeanen ganz andere Bedingungen als im Labor herrschen.

Dennoch sei die Entdeckung der Enzyme bemerkenswert. Beide seien bisher weder bekannt gewesen, noch ähneln sie anderen Enzymen. Möglicherweise hat die Natur sie nur hervorgebracht, um PET zu zersetzen. Es sei spannend zu erfahren, ob die Enzyme erst in den etwa 70 Jahren seit Nutzung der PET-Kunststoffe entstanden seien. Beispiele für eine solch schnelle natürliche Evolution seien rar, aber bekannt, schreibt Bornscheuer.

Quelle: Spektrum.de / Augsburger Allgemeine

 

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