Neue Meeresschutzgebiete in Deutschland

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Neue Verordnungen schützten sechs Gebiete im deutschen Meer
Sechs Gebiete der Nord- und Ostsee sind nun rechtlich geschützt

Mit Natura 2000 existiert in der EU ein Schutzgebietsnetz für gefährdete oder typische Lebensräume und Arten. Dadurch sind die EU-Staaten dazu verpflichtet, die betreffenden Gebiete in ihrem Zuständigkeitsbereich rechtlich zu schützen. Nachdem einige Gebiete der Nord- und Ostsee 2007 Teil von Natura 2000 wurden, kam Deutschland seiner Pflicht nun laut einer neuen Verordnung für sechs Meeresschutzgebiete nach. Neue Vorhaben in diesem Bereich müssen sich ab jetzt zuerst einer Prüfung unterziehen, bevor dort gearbeitet werden darf.

Seit über 20 Jahren gibt es das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000. Es soll dafür sorgen, dass bestimmte Gebiete zur Zweck des Schutzes verschiedener Lebensraumtypen rechtlich gesichert werden. Es setzt sich aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie und denen der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie zusammen. Da unter Natura 2000 mit über 27.000 Schutzgebieten fast 20 Prozent der EU-Fläche geschützt werden, ist es das größte grenzüberschreitende, koordinierte Schutzgebietsnetz weltweit.

Die EU-Staaten sind dazu verpflichtet, ihre betreffenden Gebiete rechtlich zu sichern. Doch Deutschland kam dieser Verpflichtung bisher nicht im erwarteten Maße nach. Aus diesem Grund wurde von der Europäischen Kommission bereits ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Betroffen sind dabei bisher noch ungeschützte Gebiete nicht nur auf dem Festland, sondern auch in Nord- und Ostsee. Denn einige dieser Gebiete gehören zu Deutschlands ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), welche sich auf das deutsche Küstenmeer folgt. Doch nun änderte sich daran etwas, was zumindest die Meeresschutzgebiete betreffend, das Verfahren hinfällig macht.

Sechs Gebiete sind nun geschützt

Im Bundesgesetzblatt wurden diese Woche sechs Verordnungen zum Schutz der Meeresnatur in Nord- und Ostsee verkündet. Die Meeresnaturschutzgebiete „Doggerbank“, „Borkum Riffgrund“ und „Sylter Außenriff – Östliche Deutsche Bucht“ in der Nordsee sowie „Fehmarnbelt“, „Kadetrinne“ und „Pommersche Bucht – Rönnebank“ in der Ostsee sind nun endlich nach nationalen Vorschriften rechtlich geschützt. „Das ist ein wichtiger Fortschritt für den Meeresnaturschutz in Deutschland. Mit den Verordnungen werden wichtige Arten wie Schweinswal, Seehund und Kegelrobbe endlich wirksam geschützt. Auch wertvolle Lebensraumtypen wie Sandbänke oder Riffe werden nun vor Zerstörung oder Beeinträchtigungen bewahrt. Bei der Erarbeitung der Regelungen haben wir selbstverständlich auch die Belange der Nutzerseite einbezogen und insgesamt ein ausgewogenes Schutzniveau erreicht“, so Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Mit diesen neuen Schutzgebieten gibt es nun auf 30 Prozent der Fläche der deutschen AWZ neue Bestimmungen. So dürfen dort jetzt keine Aquakulturen, künstliche Inseln oder Baggergut mehr eingebracht und errichtet werden. Möchte jemand in diesen Gebieten nun Kabel verlegen, Bodenschätze abbauen oder Energie erzeugen, muss davor mit einer Verträglichkeitsprüfung nachgewiesen werden, dass die Meeresumwelt dadurch nicht erheblich beeinträchtigt wird. Um einen Interessenausgleich zwischen Schutz und Nutzen zu schaffen, gibt es für Freizeitfischer ein räumlich und zeitlich abgestuftes Schutzkonzept. Wie es jedoch für die Berufsfischerei aussieht, wird derzeit noch auf Ebene der Europäischen Union ausgearbeitet, da diese für das Fischereimanagement verantwortlich ist.

Quelle: BMUB