Nahrungsmittelproduktion und Energieerzeugung verknüpfen

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Die Agrophotovoltaik möchte vormachen wie Solarstromerzeugung und Nahrungsmittelproduktion Hand in Hand gehen können.
Die Agrophotovoltaik möchte vormachen wie Solarstromerzeugung und Nahrungsmittelproduktion Hand in Hand gehen können.

Die Biomassenutzung von Agrarflächen zur Energieerzeugung ist umstritten und Solarparks auf guten Ackerflächen werden nicht nach dem EEG vergütet. Die sogenannte Agrophotovoltaik möchte nun vormachen, dass eine ökologische und ressourceneffiziente Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen möglich ist. Besondere Bedeutung hat dies in ariden Zonen.

In einem mehrjährigen Projekt entwickeln und erproben Forscher des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme – ISE derzeit zusammen mit Praktikern die neue Technik. Hierbei werden sogenannte bifaciale Solarmodule, die das Licht auf beiden Seiten auffangen, mit einer speziellen Unterkonstruktion in fünf bis sechs Metern Höhe über Gemüsefeldern, Ackern oder Obst-und Hopfenplantagen aufgeständert.

Dabei sind die Module nicht nach Süden, sondern nach Südosten und Südwesten ausgerichtet, um das Sonnenlicht möglichst gleichmäßig auf die schattenverträglichen Kulturen darunter durchzulassen. „Zudem ist der Abstand zwischen den Modulreihen um 30 Prozent größer als bei herkömmlichen PV-Anlagen, damit ausreichend Sonnenstrahlung durchkommt“, erklärt ISE-Forscher Stephan Schindele. Das Verfahren wurde mittlerweile patentiert.

Auf der Demeter Hofgemeinschaft Heggelbach in Herdwangen-Schönach im Hinterland des Bodensee findet nun ab diesem Sommer ein erster Praxistest statt. Dabei werden Solarmodule mit einer Leistung von 195 Kilowatt über Gemüsefeldern montiert. Derzeit werden die Montagegestelle noch beim österreichischen Hersteller Hilber Solar auf Windlasten getestet.

Das bundesweite Potenzial beziffert Schindele auf gut 50 Gigawatt, dies entspricht einem knappen Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Doch vor allem in den ariden Regionen des Nahen und Mittleren Ostens besteht nach Einschätzung von Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group, ein imnenses Potenzial für die neue Systemtechnik. „Die Agrophotovoltaik kann mit dem Schaffen neuer landwirtschaftlicher Flächen einen wichtigen Beitrag zur Armutsbekämpfung und damit zur Verringerung der Flüchtlingsströme leisten“, sagt der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete.

Das Interesse ist groß. So habe beispielsweise die türkische Regierung bereits Interesse geäußert, entsprechende Modellanlagen zu errichten, berichtet Schindele. Auf der ICCI 2016 – der 22. Internationalen Energie- und Umweltmesse und Konferenz, die vom 27. bis 29. April in Istanbul stattfindet, soll nun die neue Technik im Rahmen einer Fachkonferenz vorgestellt werden.

 

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