Nahrungsmittelknappheit: Die Erde verliert an Boden

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Das weltweit rasant fortschreitende Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Bebauung von Bodenflächen sowie die steigende Nutzung von Anbaufläche zur Agrarwirtschaft führt weltweit zu immer größerer Bodenknappheit. Auch durch Erosion, oft ausgelöst durch zu intensive landwirtschaftliche Nutzung, schwinden die Bodenflächen. Allein in Deutschland wird täglich eine Fläche von der Größe von 100 Fussballfeldern neu bebaut. Die Menschen haben auf der ganzen Welt immer weniger Platz zur Verfügung.
Welche Auswirkungen diese Problematik auf Umwelt und Bevölkerung der Erde hat, zeigt nun der neue Bodenatlas, der gestern in Berlin von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem BUND und dem Potsdamer Nachhaltigkeitsinstitut (IASS) vorgestellt wurde.
Vor allem Europa ist aufgrund massiver Nahrungsmittelimporte dafür verantwortlich, dass in anderen Teilen der Erde immer mehr Mangel an Fläche zur Eigennutzung herrscht. Rund 640 Millionen Hektar Land benötigt die Europäische Union jährlich, um die Lebensmittelversorgung zu gewährleisten. Doch soviel Anbaufläche gibt es in der EU nicht. Alleine Deutschland muss deshalb mit rund 80 Millionen Hektar Produktionsfläche – mehr als doppelt soviel wie in unserem Land zur Verfügung steht – auf andere, meist ärmere Länder ausweichen.
Darunter leiden besonders die Einheimischen dieser Länder, denn dort fehlt es dann natürlich an Agrarfläche für die eigene Grundversorgung. Doch die großen Konzerne schert das wenig. Kleinbauern werden schlichtweg verdrängt. Die Folge ist vor allem eins: Nahrungsmittelknappheit. Allein in Paraguay leiden 22 Prozent der Bevölkerung an Unterernährung. Weltweit haben rund 900 Millionen Menschen nicht genug zu essen.
Dabei könnten eigentlich alle Menschen dieses Planeten mehr als ausreichend mit Nahrung versorgt werden. Die jährlich produzierte Menge an Lebensmitteln würde ausreichen, um mehr als dreimal so viele Menschen mit Nahrung zu versorgen, als momentan auf dem Planeten leben. Doch wir Einwohner der reichen Industrienationen leben in einer Wegwerfgesellschaft. Wahnsinnige 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel werden weltweit pro Jahr verschwendet.
Fakt ist, dass die reichen Nationen im Überfluss leben, den armen Ländern die Böden wegnehmen und diese damit zu noch mehr Hunger und Armut verdammen. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weigert fordert daher nun von der Bundesregierung, dass wenigstens Deutschland den Landraub künftig so weit wie möglich einschränken sollte.
 

3 Responses

  1. ralfihere

    9. Januar 2015 14:55

    2011 landeten alleine in Deutschland über 3 Millionen Tonnen an Obst und Gemüse im Müll. Auch Fleisch, Fisch, Brot, Milch etc. wird hierzulande tonnenweise weggeworfen – jeden Tag!

  2. Wolfgang Hartmann

    12. Januar 2015 11:28

    gern möchte ich die karten des Atlas allein für Deutschland einmal sehen, wenn sie zu folgendem Thema bereinigt sind:
    Wie viel mehr Anbaufläche ist verfügbar, wenn wir nicht so viel Anbaufläche für Energieerzeugung aus Biogas Anlagen bräuchten?
    Wenn gebaut wird, so sind es nicht nur Häuser, in denen Familien wohnen, sondern auch Straßen, damit die Häuser und Siedlungen erreicht werden können.
    Ich denke wir benötigen in Kürze generell neue Konzepte.

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