Nachhaltigkeit: Baumwolle im Blick

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nachhaltige Kleidung
Der WWF untersuchte 75 großeTextilhersteller, ob sie nachhaltig angebaute Baumwolle verwenden

Wie nachhaltig ist Baumwolle? Das Geschäft mit der Baumwolle ist alles andere als ein sauberes. Die Kulturpflanzen werden oft nur einjährig angebaut, sind anfällig für Krankheiten und Schädlinge und benötigen dabei Unmengen an Süßwasser. Dabei leben gut 99% der Baumwollbauern in Entwicklungsländern und haben mit durch die Pestizide ausgelösten Krankheiten zu kämpfen, während das erworbene Einkommen oft kaum reicht.

Ein weiteres großes Problem ist die Kinderarbeit – sowohl bei der Ernte, als auch bei der Verarbeitung. Deshalb hat sich gerade in den letzten Jahren das Augenmerk von Öffentlichkeit und NGOs immer stärker auf den nachhaltigen Anbau  von Baumwolle gerichtet. Im Rahmen des Baumwoll-Checks 2017 haben der WWF, das britische Pesticide Action Network (PAN) und die Menschenrechtsorganisation Solidaridad Unternehmen hinsichtlich dieser Nachhaltigkeit unter die Lupe genommen.

75 Baumwollunternehmen unter der Lupe

Für den Bericht wurden insgesamt 75 der größten Baumwollverarbeitenden Unternehmen weltweit betrachtet und auf verschiedene Kriterien in den Bereichen Politik, Aufgreifen von Maßnahmen, Rückverfolgbarkeit und Transparenz hin untersucht. Das Ergebnis: Führende internationale Händler wie C&A (Cofra Group), H&M, Marks and Spencer oder Tchibo (Maxingvest AG) konnten sich verbessern und ein Niveau ähnlich dem des Spitzenreiters Ikea erreichen, während bei den meisten jedoch keine großen Fortschritte in der Baumwoll-Nachhaltigkeit zu verzeichnen sind.

„Kleidung hat einen Wert und ist kein Wegwerfprodukt. Hinter einer Jeans oder einem T-Shirt steht eine Lieferkette mit enormen sozialen und ökologischen Auswirkungen“, erklärt Walther-Thoß, WWF-Referentin für Nachhaltige Biomasse. „Gerade im konventionellen Bereich gibt es große Herausforderungen, wie übermäßiger Wasserverbrauch, Pestizideinsatz oder Kinderarbeit. Das sollte dem Verbrauchern bei einer Shoppingtour bewusst sein.“

Eine Alternative: Was ist Viskose?

Eine alternative zur Baumwolle bieten Kleidungsstücke aus Schurwolle. Diese sind jedoch oft deutlich pflegeintensiver und weniger hautfreundlich. Eine andere Möglichkeit bietet Viskose, auch Modal genannt, die zwar zu den Chemiefasern zählt, dabei jedoch aus sogenannter „regenerierter Zellulose“ gewonnen wird und fast ausschließlich aus pflanzlichen Bestandteilen besteht. Diese werden vorrangig aus der Sägespäne von Buchen- oder Fichtenholz, seltener auch aus Pinien- und Eukalyptusholz gewonnen.

Dabei sind Energie- und Wasserverbrauch bei Herstellung und Verarbeitung von Viskose deutlich geringer als bei Baumwolle, Herbizide und Pestizide kommen gar nicht erst zum Einsatz. Auch im Vergleich zu echten Synthetikfasern ist Viskose deutlich umweltfreundlicher, da diese auf Erdöl oder Erdgas basieren, während der Rohstoff von Viskose nachwächst und in vielen Fällen biologisch abbaubar ist.

Was ist Lyocell?

Eine noch nachhaltigere Alternative bildet die Lyocell-Faser, bei deren Herstellungsprozess umweltschonenderen Lösungsmittels verwendet werden und die deshalb als deutlich weniger umweltbelastend gilt. Sie findet jedoch weniger in Reinform und mehr in Verbindung mit anderen Stoffen wie Baumwolle, Viskose und synthetischen Fasern Verwendung.

Weitere Informationen zum Baumwoll-Check 2017 finden Sie hier.

Quellen:
http://www.wwf.de/2017/oktober/von-schmutziger-mode-und-weissen-westen/

http://www.textil-one.de/glossar/viskose