VW-Abgas-Skandal: DUH fordert Fahrverbot für Diesel

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Luftverschmutzung- Abgase
Luftverschmutzung- Abgase

Die US-Umweltbehörde EPA erhebt massive Anschuldigungen gegenüber Volkswagen. Demnach habe VW und das Tochterunternehmen Audi bei knapp 500.000 seiner in den USA ausgelieferten Dieselfahrzeuge eine Software eingesetzt, mit der die festgelegte Schadstoffhöchstgrenze bei Abgastests eingehalten werde. Im Normalbetrieb jedoch habe das Programm die Abgaskatalysatoren ausgeschaltet. Damit habe der Autobauer gegen den „Clean Air Act“ verstoßen. Die EPA spricht von massivem Betrug und kündigt wegen bis zu 40-facher Überschreitung der Dieselabgas-Grenzwerte Straf-zahlungen in  Milliardenhöhe an. VW hat die Vorwürfe am Sonntag eingeräumt. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will nun gerichtlich ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in Deutschland erreichen.

Es ist ein besonderer Tiefpunkt für den deutschen Autohersteller Volkswagen: Mit einem Paukenschlag gab die kalifornische Umweltbehörde CAL EPA am vergangenen Freitag bekannt, dass sie VW und Audi bei der rechtswidrigen Manipulation der Abgasreinigung von 482.000 Diesel-PKW in den USA überführt hat. „Die Nutzung von Abschalteinrichtungen in Fahrzeugen um die Luftqualitätsvorschriften zu umgehen ist illegal, und bedroht die Gesundheit der Bürger“, so die kalifornische Behörde. Nun droht dem Volkswagenkonzern eine Rekordstrafe von bis zu 18 Milliarden US-Dollar (16 Milliarden Euro) und ein behördlich angeordneter Rückruf aller betroffenen Fahrzeuge. Zudem kündigte die EPA an, weitere Diesel-Pkw von VW/Audi sowie weiterer Hersteller zu untersuchen.

„Vereinfacht gesagt hatten diese Autos eine Software, welche die Abgaskontrollen beim normalen Fahren ausschaltet und bei Abgastests anschaltet“, so Cynthia Giles von der Environmental Protection Agency EPA. Die Folge dieser Manipulationen sei, dass die Autos die in den USA festgelegten Abgas-Grenzen um das bis zu 40-Fache überschreiten. Die Ermittler konnten dieses Programm bislang bei den Modellen Jetta, Beetle und Golf sowie dem Audi-Modell A3 aus den Baujahren 2009 bis 2015 nachweisen.

Das Problem bestehe damit nicht nur in den USA, sondern in weit größerem Umfang auch in Europa. Neben VW und Audi seien auch andere deutsche Hersteller wie BMW, Mercedes, Ford und Opel betroffen, teilte die DUH am Samstag mit.

Auf die Manipulationen wurde die kalifornische Umweltbehörde durch eine Untersuchung des International Council on Clean Transportation (ICCT) aus dem Herbst 2014 aufmerksam. Auch die DHU hatte VW bereits seit längerem unterstellt, den Schadstoffausstoß ihrer Dieselfahrzeuge zu schönen. Jetzt kritisiert die Organisation auch die Bundesregierung massiv:

„Die gestern bekannt gewordene Überführung von VW und Audi der vorsätzlichen Gesundheitsgefährdung durch im Realbetrieb unwirksame Diesel-Abgaskatalysatoren wird in den USA mit einer Milliarden-Strafe und einem behördlichen Rückruf aller betroffenen knapp 500.000 Fahrzeuge geahndet. In Deutschland hingegen kämpft die Bundesregierung für das Recht der Autobauer auf die Verschmutzung der Atemluft, hintertreibt geplante Kontrollvorschriften der EU-Kommission und verweigert behördliche Nachkontrollen selbst bei Überschreitungen der Stickstoffdioxid-Werte um 2.500 Prozent“, so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH am Wochenende. „Wir werden nun vor den nationalen Gerichten Fahrverbote für Diesel-Pkw erstreiten und in Deutschland widerrechtlich erteilte Typengenehmigungen durch die Zulassungsbehörde Kraftfahrbundesamt anfechten.“

Der motorisierte Straßenverkehr trägt in Deutschland 64 Prozent zur Belastung durch giftiges Stickstoffdioxid (NO2) bei. Insgesamt seien Diesel-PKW für 26 Prozent dieser NO2-Belastung in Städten verantwortlich, schätzt die DUH. Daher müssten Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung insbesondere bei Diesel-PKW ansetzen. Nach einer neuen Studie des Max Planck Institut für Chemie in Mainz ist allein der Feinstaub in Deutschland für jährlich 35.000 Todesfälle verantwortlich. Insgesamt würden weltweit jährlich rund 3,3 Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung sterben.

Das Nachrichtenmagazin Stern berichtete am Sonntag, VW habe die Manipulationen bereits zugegeben. Ein VW-Firmensprecher sagte: „Wir haben das gegenüber der Behörde eingeräumt. Der Sachverhalt trifft zu. Wir arbeiten aktiv mit der Behörde zusammen.“ Konzernchef Martin Winterkorn sagte, er bedauere es zutiefst, das Vertrauen der Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht zu haben.

Quellen: Presseportal / Stern

 

One Response

  1. Ralf

    21. September 2015 18:12

    VW und Audi haben der Umwelt und Gesundheit vieler Menschen Schaden zugefügt. Auch das Image der deutschen Industrie wurde beschädigt. Die Einstellung dieser Unternehmen erinnert an die Skrupellosigkeit der Tabak-Industrie früherer Tage, die ihren wirtschaftlichen Erfolg ebenso über alles andere stellten.

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