NABU fordert Vorantreiben globaler Agrarwende

,

GAP muss Gelder in Landwirtschaft neu verteilen
GAP muss Gelder in Landwirtschaft neu verteilen

Bereits im November hatte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) umfassende Reformen in der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union gefordert. Zum Start der UN-Konferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt, die gerade in Cancun, Mexico, stattfindet, erneuerte der NABU diese Forderungen. Die EU muss sich an die Spitze einer globalen Agrarwende setzen.

Seit Monaten fordern der NABU und weitere Umweltschutzorganisationen einen sogenannten „Fitness-Check“ der Gemeinsamen Agrarpolitik von der EU-Kommission. Sie soll bis 2018 konkrete Reformpläne vorlegen, die sich ab 2021 umsetzen lassen. Statt der umweltschädlichen EU-Subventionen an Landwirte sollten Gelder von Staat und Verbraucher für die Erbringung von Umweltverbesserungen und höherer Lebensmittelqualität eingesetzt werden.

„Es ist ein Skandal, dass die meisten Staaten, einschließlich der EU, weiterhin die einflussreiche Agrarindustrie mit Steuergeldern zufrieden stellen, anstatt vorrangig diejenigen Bauern zu fördern, die nachhaltige Landwirtschaft betreiben“, so Konstantin Kreiser, Leiter Globale Naturschutzpolitik des NABU, der die Verhandlungen in Cancún begleitet.

Beim Institut für Agrarökologie und Biodiversität (IFAB) hatte der Naturschutzbund eine Studie in Auftrag gegeben. Anhand von konkreten Modellen berechnet diese, wie Agrarsubventionen in Zukunft so verteilt werden können, dass nicht nur Landwirte, sondern auch die Umwelt in gleichen Teilen davon profitieren. Kern des Gutachtens bildet ein Modell, in dem Prämien für nachhaltiges Wirtschaften und Naturschutzmaßnahmen die ineffiziente „Gießkannenförderung“ ersetzen sollen.

Derzeit fließen fast 40 Prozent des gesamten EU-Haushalts in die Landwirtschaft. Das sind jährlich 60 Milliarden Euro. Zum größten Teil besteht diese EU-Förderung aus Flächenprämien, die pauschal und ohne konkrete Gegenleistung verteilt werden. Weder verhindern diese Subventionen allerdings das europaweite Höfesterben, noch werden die erhaltenen Gelder für Umwelt- oder Nachhaltigkeitsmaßnahmen eingesetzt. Diese äußerst ineffiziente Agrarpolitik liefert bloß Anreize zur Intensivierung eigener Bemühungen der einzelnen Landwirte. Nachhaltigkeit und Naturschutz bleiben einigermaßen irrelevant.

„Der Raubbau an unseren natürlichen Lebensgrundlagen nimmt dramatische Ausmaße an. Intensivste Agrarproduktion, Zerstörung von Wäldern, Monokulturen und leergefischte Meere haben einen wesentlichen Anteil daran, dass das Netz des Lebens, die Artenvielfalt, immer größere Löcher aufweist“, äußerte sich NABU-Präsident Olaf Tschimpke zum Auftakt des UN-Gipfels zur biologischen Vielfalt kritisch.

Zwar ist die GAP mit ihrer derzeitigen Förderungspolitik dafür nicht allein-, aber zumindest mitverantwortlich. Dringend erforderlich ist eine Reform, nach der die EU-Gelder umweltfreundlicher und nachhaltiger verteilt werden müssen. Im Agrarbereich sollten Fördermittel nur noch für Leistungen wie die Sicherung und Förderung von Boden, Wasser sowie Biodiversität und Nachhaltigkeit eingesetzt werden.

Das durch den NABU entwickelte Modell ist derart konstruiert, dass es sowohl Natur als auch Landwirten nutzt. Betriebe, die zukünftig zehn Prozent ihres Acker- oder 20 Prozent ihres Grünlandes ökologisch nutzen, sollen mindestens gleichwertig oder besser gestellt werden als bisher. Betriebe, die bloß die Mindeststandards der Umweltgesetze einzuhalten gewillt sind, steht dies zwar frei. Sie sollen dann aber keine Gelder mehr durch die EU erhalten.

„Es ist wichtig, dass weiterhin EU-Gelder bei Bauern und Waldbesitzern ankommen. Diese Gelder müssen aber auf diejenigen konzentriert werden, die wirklich Mehrwert für die Gesellschaft erbringen, und zwar über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus“, so Dr. Rainer Oppermann, Autor der Studie.

Quellen: NABU

 

Leave a Reply