Monsanto-Übernahme – Megadeal auf Kosten der Umwelt?

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Bayer und Monsanto unterzeichneten am Mittwoch eine bindende Fusionsvereinbarung – NGOs zeigen sich besorgt © Bayer AG
Bayer und Monsanto unterzeichneten am Mittwoch eine bindende Fusionsvereinbarung – NGOs zeigen sich besorgt © Bayer AG

Monsanto erfreut sich nicht gerade eines guten Rufes. Insbesondere wegen seiner Vormachtstellung auf dem Saatgut-Markt und seiner Rolle bei der Entwicklung genmanipulierter Pflanzen und der Herstellung von Pestiziden hat das Unternehmen weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt hat Bayer angekündigt, das Unternehmen für fast 59 Milliarden Dollar zu übernehmen. Diese Meldung hat insbesondere von Seiten der Umweltschützer große Kritik ausgelöst. Sie warnen vor möglichen Negativfolgen für die globale Agrarwirtschaft.

„Die Übernahme von Monsanto durch Bayer wird die weltweite Abhängigkeit der Landwirte von multinationalen Konzernen verstärken, den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut und gefährlichen Chemikalien befördern und der Ausbreitung umweltschädlicher Monokulturen Vorschub leisten“, erklärte beispielsweise Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland „Verlierer werden die Kleinbauern und die Umwelt sein. Mit gentechnisch verändertem Saatgut und Agrarchemie wird ein weiterer Rückgang von Biodiversität vorprogrammiert. Wenn Bundesregierung und EU wirklich eine nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft im Sinne der Sustainable Development Goals (SDG) wollen, müssen sie diesen Deal stoppen. Nun gilt es kartellrechtliche Fragen intensiv zu prüfen und gegenzusteuern. Bei einer der entscheidenden Zukunftsfragen, der globalen Ernährungssicherheit, darf sich nicht zu viel Marktmacht bei einzelnen Unternehmen ballen. Durch derartige Übernahmen entstehen Giganten die ihre ungeheure Marktmacht bereits in der Vergangenheit oft zulasten von Kleinbauern ausgespielt haben. Und das, obwohl die Bevölkerung in den meisten Ländern bei ihrer Versorgung mit Lebensmittel auf Kleinbauern angewiesen ist.“

Auch Vertreter und Vertreterinnen der entwicklungspolitischen Organisationen MISEREOR, FIAN Deutschland, INKOTA und Brot für die Welt äußerten sich in einer Pressemitteilung auf der FIAN-Website zu dem Megadeal.

„Unsere internationalen Partnerorganisationen haben sofort nach den ersten Übernahmegerüchten angekündigt, in ihren Ländern alle juristischen Mittel auszuschöpfen, um einen neuen Mega-Konzern Bayer-Monsanto zu verhindern“, so Stig Tanzmann, Agrarexperte von Brot für die Welt. „Es sollte jedem klar sein: Fusionen und Übernahmen müssen refinanziert werden. Die Kosten werden die Bäuerinnen und Bauern und Konsumentinnen und Konsumenten weltweit zu tragen haben. Deshalb müssen solche Megazusammenschlüsse unbedingt unterbunden werden.“

„Mit Saatgut von Bayer und Monsanto lässt sich keine zukunftsfähige Landwirtschaft betreiben. Beide Konzerne produzieren genmanipuliertes Saatgut und die korrespondierenden Pestizide, die sie dann im „Kombi-Pack“ verkaufen“, so Roman Herre, Agrar-Referent bei FIAN Deutschland. „Wir dürfen die Welternährung nicht in die Hände eines Agro-Oligopols legen und damit das Menschenrecht auf Nahrung in Gefahr bringen.“ Stattdessen müssten politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Bauern und Bäuerinnen erlauben, frei und unabhängig über ihr Saatgut zu bestimmen.

Angesichts der Folgen, welche die Wirtschaftsstrategien der beiden Konzerne bisher für den Agrarmarkt und insbesondere für die Menschen dieses Sektors hatten, erscheint diese Übernahme wahrlich wie eine Unheil verheißende Allianz. Insbesondere da auch die Unternehmen DuPont und Dow sowie ChemChina und Syngenta ihre Zusammenschlüsse planen, womit sich die Kontrolle von Saatgut und damit die Lebensgrundlagen für die Ernährung der Menschheit auf lediglich drei Saatgutkonzerne konzentrieren würde. Auch die Auswirkungen für die Umwelt und die Artenvielfalt erscheinen da in einem recht düsteren Licht. Es bleibt zu hoffen, dass entsprechende Regularien entweder den Zusammenschluss, oder aber zumindest den Missbrauch einer solchen Machtposition verhindern mögen.

Quellen:
http://www.wwf.de/2016/september/wwf-warnt-vor-folgen-des-monsanto-deals/
https://www.fian.de/artikelansicht/2016-09-14-pressemitteilung-fusion-bayer-monsanto-stoppen/

 

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