Mit Klimawandel droht Grönland komplette Eisschmelze

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Grönland Eisschmelze

Klimawandel Forscher erklären die Eismassen Grönlands einhellig für hochgradig gefährdet. Ein deutsch-spanisches Forscherteam hat nun herausgefunden, dass die Erderwärmung dem Eispanzer noch erheblich mehr zusetzt, als bisher angenommen. Selbst mit der globalen Zielvorgabe von zwei Grad Celsius droht Grönlands Eis kein geringeres Schicksal als die komplette Schmelze.

In diesem Fall dauert es laut den Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der spanischen Universidad Complutense de Madrid zwar rund 50.000 Jahre bis die Insel komplett eisfrei ist, aber stoppen lässt sich der Prozess dadurch nicht. Als Grenze für das völlige Abschmelzen des Grönland-Eises errechneten die Forscher in ihrer Studie den Bereich zwischen 0,8 und 3,2 Grad Celsius globaler Erwärmung. Das entspricht fast einer Halbierung der bisherigen Schätzwerte und soll der Realität deutlich näher kommen, als bisherige Angaben.

Neben der Berechnung möglicher Zukunftsmodelle konnte sich die Methode der Wissenschaftler nämlich auch in längst vergangenen Eiszeit-Zyklen der Erdgeschichte bewähren. Das wirklich Entscheidende an der Studie ist laut Stefan Rahmstorf, Abteilungsleiter am PIK, aber die Erkenntnis „ab welcher Grenze es tatsächlich gefährlich wird für den grönländischen Eispanzer“.

Eisfrei in zwei Jahrtausenden

Und da schrillen bei dem Ozeanographen bereits bei den aktuell laut PIK beobachteten 0,8 Grad Celsius globaler Erwärmung die Alarmglocken: „Wenn unsere Kohlendioxid-Emissionen weiter wachsen wie bisher, droht ein kompletter Verlust des grönländischen Eisschildes.“ In diesem Fall würde eine langfristige globale Erderwärmung von acht Grad Celsius bereits in 500 Jahren ein Fünftel des Grönland-Eises abgeschmolzen haben und nach 2.000 Jahren wäre die Insel komplett eisfrei.

Was auf den ersten Blick nach einem relativ langen Zeitraum klingt, ist laut Studien-Hauptautor Alexander Robinson „rasch, wenn man es mit dem vergleicht, was bislang in der Erdgeschichte passiert ist.“ Der Wissenschaftler vermutet, dass wir uns bereits jetzt einer kritischen Grenze für den Fortbestand der Eisdecke nähern. Wie lange es jedoch tatsächlich dauert, bis die Eismassen von Grönland verschwunden sind, hängt in erster Linie vom tatsächlichen Ausmaß der Erwärmung ab. Für eine Umkehr der Eisschmelze würden jedoch laut Robinson „selbst Null-Emissionen nicht reichen, man müsste aktiv CO2 aus der Atmosphäre entfernen“ – eine bislang utopische Zukunftsvision.

Dramatische Folgen

Sollte der bis zu 3.400 Meter dicke Eispanzer Grönlands – wie in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlichten Studie prophezeit – tatsächlich vollends abschmelzen, hätte das für die Lebensbedingungen vieler Menschen verheerende Auswirkungen. Die im Eis gespeicherten Wassermassen würden den Meeresspiegel unseres Planeten um sechs bis sieben Meter ansteigen lassen und die von der Last des Eises befreite Insel Grönland um bis zu 600 Meter ansteigen. „Damit würden wir das Leben vieler Generationen unwiderruflich verändern“, warnt der PIK-Ozeanograph Rahmstorf, der auch einer der Leitautoren des Vierten Sachstandsberichtes des UN-Weltklimarates (IPCC) aus dem Jahr 2007 ist.

Matthias Schaffer

 

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