Mit dem “Side Track” zum erhofften Erfolg

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©Enex/oh
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Vor 4 Jahren sollte das damals tiefste Geothermieloch Europas in Gelting in Betrieb genommen werden. Doch damals setzte das trockene Gestein dem Projekt ein Ende. Vorerst! Den seit kurzem wird wieder gebohrt. Nach weiteren Untersuchungen wird der Bohrer nun tief unter der Erde zur Seite ausschwenken und eine Gesteinsschicht anpeilen, die für solche Zwecke bisher noch völlig unbekannt ist, weshalb das Projekt von nun an von wissenschaftlicher Seite unterstützt wird.

Im Sommer 2013 musste das Geothermieprojekt in Gelting (bei  Geretsried) einen herben Rückschlag verkraften: Damals gab Robert Straubinger, Geschäftsführer der Enex Power Germany GmbH, bekannt, dass aus dem gebohrten Loch bei Weitem nicht so viel Wasser zu gewinnen sei, wie erhofft. Erwartet wurden ursprünglich 100-120 Liter pro Sekunde, als die Arbeit aber endgültig aufgenommen wurde, gab es lediglich weniger als 10 Liter pro Sekunde.

Ganz zu Ende war es damals jedoch nicht. Nachdem das Projekt bis zu diesem Zeitpunkt 35 Millionen Euro verschlungen hatte, um auf die Tiefe von 6036 Metern zu kommen, war man zuversichtlich. Es wurde davon ausgegangen, dass man nach Auswertung der neuen Daten und mit weiteren Finanzierungsmöglichkeiten das Projekt in gegebener Zeit fortsetzen könne.

Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen. Seit wenigen Wochen wird in Gelting wieder gebohrt. Bei der letzten Bohrung stieß das Loch auf eine dichte Gesteinsstruktur, in der sich auf Grund des hohen Drucks vermutlich Magnesium im Kalziumgestein eingelagert hatte. Dadurch wurde der Boden zu trocken und der erste Anlauf scheiterte. Bei dem erneuten Versuch wird deshalb der Bohrer in einer Tiefe von 4200 zur Seite ausscheren, was in der Fachsprache als „Side Track“ bezeichnet wird. Enex hofft bei 4852 Metern auf eine Kluftstruktur zu treffen, die ihnen mindestens 60 Liter heißes Wasser pro Sekunde liefert, denn „dann ist es ein wirtschaftlicher Erfolg“, so Andreas Gahr, ebenfalls Geschäftsführer der Enex Power Germany GmbH.

„Dass wir damals nicht fündig wurden, hat der europaweiten Geothermie einen Schlag versetzt und Investoren wie Versicherungen verunsichert“, erklärt Andreas Tönies, Vorstandsmitglied von Daldrup & Söhne, welche das Projekt mit der Bohrtechnik versorgen. Dieses Problem gestaltete die Investorensuche daher als sehr schwierig, v.a. da der neue Anlauf 50 bis 60 Millionen Euro beanspruchen wird. Ein entscheidender Punkt dabei war, dass die Suche in solchen Gesteinsschichten noch völlig neu ist. Aus diesem Grund wird dieses Projekt seitdem zusätzlich von der Technischen Universität München, dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik aus Hannover und erfahrenen Ingenieurbüros wissenschaftlich unterstützt.

Erste Ergebnisse der neuen Bohrung werden vermutlich im Juli bzw. August vorliegen. Die beiden Geschäftsführer von Enex sind jedoch sehr zuversichtlich, dass diese Bohrung das erhoffte Wasser bringen wird.

Quellen: Süddeutsche (1), Süddeutsche (2)