Merkel versucht Japan vom Atomausstieg zu überzeugen

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Seit gestern ist Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Besuch in Japan. Ziel der Reise ist vor allem die Vorbereitung auf das anstehende G7-Gipfeltreffen diesen Juni in den bayerischen Alpen. Bei den Gesprächen mit japanischen Delegierten, dem Ministerpräsidenten Shinzo Abe und dem japanischen Kaiser Akihito geht es neben dem Klimaschutz auch um den deutschen Atomausstieg. Ein heikles Thema, denn Japan plant in kürze erstmals seit Fukushima die ersten Atomkraftwerke des Landes wieder in Betrieb zu nehmen. Das Gros der Bevölkerung lehnt dies jedoch ab.

Auch Merkel hält diesen Weg für falsch, kritisierte jedoch das Vorhaben der japanischen Regierung nicht direkt, sondern versuchte es mit diplomatischem Geschick und Höflichkeit. So erklärte sie während einer Diskussionsrunde mit japanischen Studenten, warum sie am deutschen Atomausstieg festhält:

Sie selbst sei lange, möglicherweise zu lange, ein klarer Befürworter der Atomenergie gewesen. Das einschneidende Erlebnis, das sie letztendlich zum Umdenken bewogen habe, sei Fukushima gewesen. Eine derartige Katastrophe in einem technisch so hochentwickelten Land wie Japan zeige, dass die Atomkraft die unwahrscheinlichsten Risiken berge, so Merkel gestern.

Japans Ministerpräsident Abe jedoch scheint überzeugt davon trotz Fukushima weiter auf Atomenergie zu setzen. Während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Bundeskanzlerin sagte er am Abend, Japan habe vor Fukushima ein Drittel seines Strombedafs mit Atomenergie gedeckt. Nach dem plötzlichen Stillstand der Atomkraftwerke sei Japan abhängig von Gas, Erdöl und anderen fossilen Kraftstoffen. Das Land sei noch nicht so weit, mit der regenerativen Energie den Gesamtbedarf des Landes decken zu können, bemühe sich aber um den größtmöglichen Ausbau der Erneuerbaren Energie.

Man müsse aber auch an die Verantwortung (der Regierung) gegenüber der Bevölkerung denken, eine stabile Versorgung der Energieversorgung zu gewährleisten. Und man müsse an den Klimawandel denken und den CO2-Ausstoß verringern. Japan habe einen strengen Ausschuss, der die Atomkraftwerke und deren Sicherheit überprüfe. Aus diesen Gründen sei eine Wiederaufnahme der Atomkraftwerke beschlossen worden.

Merkel scheint demnach Ministerpräsident Abe nicht wirklich vom „deutschen Weg“ überzeugt zu haben. Das Treffen mit Kaiser Akihito sei besser verlaufen, schrieb gestern sie Süddeutsche Zeitung. Der Kaiser hätte Merkel mehr seiner Zeit geschenkt als ursprünglich geplant gewesen sei. Bei den Gesprächen ging es unter anderem um den Klima- und Meeresschutz. Zwei Themen für die sich der Kaiser sehr interessiere und die auch bei dem G7-Gipfeltreffen im Juni auf dem Programm stehen werden.

 

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