Mehr Starkregen eine Folge des Klimawandels?

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Wetterextreme Klimawandel
Wetterextreme Klimawandel

Die anhaltenden Unwetter und die starken Regenfälle halten die Menschen in Süddeutschland weiter in Atem. Vielerorts wurde sogar Katastrophenalarm ausgelöst. Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) befürchten, dass solche Wetterextreme künftig weit häufiger stattfinden werden. Die Erderwärmung führt möglicherweise dazu, dass sich große Luftströme verlangsamen. Wettersysteme hängen dann tagelang über einer Region – wie aktuell im Süden Deutschlands.

Süddeutschland versinkt in diesen Tagen buchstäblich im Wasser. Anhaltend Regenfälle und Unwetter haben in vielen Ortschaften Überschwemmungen und Schlammlawinen ver-ursacht. Im Landkreis Weilheim wurde am Wochenende Katastrophenalarm ausgelöst, Bahnstrecken mussten gesperrt und Menschen evakuiert werden. Das Open Air Festival „Rock am Ring“ wurde aufgrund schwerer Unwetter vorzeitig abgebrochen. 80 Besucher wurden bei einem Blitzeinschlag verletzt. 

Immer mehr Menschen sehen hinter der zunehmenden Zahl von extremen Wetterereignissen klare Indizien für den stattfindenden Klimawandel. Tatsächlich ereignen sich heute deutlich mehr Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen als noch vor einigen Jahrzehnten – in Deutschland, aber auch in vielen anderen Regionen der Erde. Wie groß der Einfluss der globalen Erwärmung daran ist, darüber streiten sich derzeit Meteorologen und Klimaexperten. Dass die Erderwärmung eine Rolle spielt, bezweifeln jedoch nur noch die wenigsten.

Forscher des PIK haben nun eine Studie veröffentlicht, die möglicherweise den Grund für die häufigeren Wetterextreme erklärt. Den Wissenschaftlern zufolge sei die Rekordflut am Balkan vor zwei Jahren durch die zeitweise Verlangsamung riesiger Luftströme in der Atmosphäre verursacht worden. Damals überflutete der Zyklon Yvette ganze Ortschaften – die Fluten haben Berichten zufolge zu mehreren Dutzend Todesfällen und Schäden in Höhe von 3,5 Milliarden Euro geführt.

Die Luftströme – auch Jetstreams genannt – bewegen sich normalerweise zwischen Äquator und Nordpol hin und her – ziehen also ständig weiter. Im Falle der Balkanflut allerdings kam diese Bewegung ins Stocken, wie die Leitautorin der Studie Lisa Stadtherr erklärt: „Wir waren überrascht, als wir sahen, wie lang das für die Fluten ursächliche Wettersystem über der Region verharrte – der Zyklon Yvette war dort wie gefangen. Tag für Tag hat der Regen die Erde durchnässt, bis sie völlig vollgesogen war und keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen konnte“.

Im Rahmen der Studie konnten die Forscher darüber hinaus ermitteln, dass sich die Häufigkeit solcher Extreme im Balkan in den vergangenen 60 Jahren verdoppelt hat. „Das ist beunruhigend, um so mehr, weil wir eine Zunahme extremer Regenfälle an vielen Orten der Erde beobachten“, sagt Co-Autor und PIK-Projektleiter Dim Coumou. „Die Veränderungen über dem Balkan sind erheblich größer als das, was aufgrund der einfachen Erwärmung der Luft zu erwarten wäre.“

In der Region wurde es seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts rund ein Grad wärmer, schreiben die Autoren. Die wärmere Luft lasse die mögliche Regenmenge um sieben Prozent zunehmen. „Die beobachteten Veränderungen der Regenfälle im Balkan sind aber etwa fünfmal so stark – es müssen also andere Faktoren ins Spiel gekommen sein“, so Coumou.

Die Wissenschaftler entdeckten, dass während das Tiefdruckgebiet über dem Balkan fest hing, auch der Jetstream fast auf der Stelle stehen blieb. Eine ganz ähnliche Situation habe auch 1997 mit dem Zyklon ‚Zoe‘ stattgefunden. Damals hatte das Tiefdruckgebiet eben-falls lange auf der Stelle gestanden. Das verursachte die Jahrhundertflut an der Oder. Auch aktuell in Süddeutschland hängt das Tiefdruckgebiet „Elvira“ wie festgenagelt an Ort und Stelle. Die Forscher vermuten, dass der Grund dafür ebenfalls der stark verlangsamte Jetstream ist.

Co-Autor Stefan Rahmstorf, Leiter des PIK-Forschungsbereichs Erdsystemanalyse befürchtet, dass das Phänomen mit zunehmender Klimaerwärmung weit häufiger stattfinden wird. „Ich mache mir Sorgen, dass der laufende Klimawandel günstigere Bedingungen für diese Art von Resonanzereignissen schafft.“ Sollte sich diese Befürchtung bewahrheiten, können wir uns in Europa wohl auf deutlich mehr Regen und schlimmere Unwetter einstellen.

Quelle: PIK

 

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