Ein Dorf wehrt sich gegen Pestizide

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Pestizid-Verbot notwendig?
Die große Mehrheit in- Mals will ein Pestizid Verbot, um Abdrift zu vermeiden und natürlichen Anbau wieder möglich zu machen

Das Leben ist eine Reise und als solche voller Überraschungen. Das sagte der Fotograf Gianni Bodini zu Alexander Schiebel. Beide waren im Oktober 2014 im Auftrag der Südtiroler Werbung unterwegs, um einen Film über die alte Römerstraße “Via Claudio Augusta” zu drehen. Im Oberen Vinschgau in Südtirol filmt Schiebel die über jahrhunderte gewachsene Natur. Eine Natur, wie sie nicht mehr lange sein wird. Ganz in der Nähe entstand das größte Apfelanbaugebiet Europas und die Apfel-Monokulturen breiten sich wie eine Dampfwalze weiter aus.

Ein biologischer Anbau ist, durch den Abdrift der Pestizide, insbesondere im Talkessel des Dorfes “Mals”, fast unmöglich geworden, Abdrift ist hier nicht zu vermeiden. Der “natürlichere” Anbau wird immer unnatürlicher, denn von Pestiziden unbelastete Kräuter kann ein ansässiger Landwirt nun nur noch unter dem Schutz von Gewächshäusern erzeugen. Beeindruckende Bilder aus der Perspektive einer Drohne zeigen Reihen über Reihen von Apfelbäumen, die Bilder erinnern an die “Plastikmeere” der Gewächshäuser von Almeria. Langsam regt sich Widerstand und die Malser Bevölkerung wehrt sich. Es bildet sich eine Umweltschutzgruppe, ein runder Tisch findet statt und in zähen Verhandlungen wird ein Leitfaden erarbeitet. Doch der Leitfaden ist nicht bindend und hat daher kaum Wirkung. Was also tun? Eine Volksabstimmung muss her!

Trotz bürokratischer Widerstände wird die Volksabstimmung durchgeführt und das Malser Wahlvolk spricht. Eine Mehrheit von 75,68 % spricht sich für ein Pestizid-Verbot aus. Dieser Wunsch wird von der Gemeinde umgesetzt – und noch mehr: gemeindeeigene Großküchen, wie Kindergarten- und Schulmensa, werden auf Bioprodukte umgestellt und die biologische Landwirtschaft wird noch stärker gefördert. Die Abstimmung, aus der das Verbot resultierte, wird zwar Mitte 2016 vom Bozener Landesgericht als ungültig erklärt, doch das Pestizid-Verbot bleibt, da dieses von der Gemeinde nicht direkt auf der Abstimmung aufgebaut wurde.

Um auf diese Bewegung und den Widerstand der Bevölkerung von Mals aufmerksam zu machen, entschied sich Alexander Schiebel einen Film zu drehen und über Crowdfunding zu finanzieren. Seit September 2016 ist eine Teil-Vorab-Version des Films “Das Wunder von Mals” auf der Webseite des Filmemachers veröffentlicht.

Malchus Kern schreibt als Freier Autor über Nachhaltigkeit, insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und digitale Innovationen. Auf seinem Balkon versucht er sich an Selbstversorgung.

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