Luftverschmutzung macht Allergene aggressiver

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Umweltforschung

Immer mehr Menschen leiden unter Heuschnupfen, bei vielen werden die Symptome von Jahr zu Jahr schlimmer. Deutsche Forscher haben jetzt anhand einer Studie herausgefunden, was ein Grund dafür sein könnte. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass bestimmte Luftschadstoffe Allergie-auslösende Proteine auf Blütenpollen chemisch verändern und aggressiver machen können. Nachgewiesen haben sie das bei Stickstoffdioxid, einem Schadstoff, der bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe entsteht und bodennahem Ozon, das in Verkehrsabgasen enthalten ist.

Das Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz hat mit Laborversuchen und Computersimulationen untersucht, wie Ozon und Stickstoffdioxid auf die Allergie-auslösenden Proteine (sogenannte Allergene) von Birkenpollen wirken. Vergangenen Sonntag berichteten sie bei der Jahreskonferenz der American Chemical Society (ACS) in Denver über ihre dabei erzielten Ergebnisse.

Demnach hätten sich die Allergene der Birkenpollen durch die Schadstoffeinwirkung chemisch verändert und seien potenter und damit aggressiver geworden. Studienleiter Ulrich Pöschl vom Max Planck Institut, sagte dazu, viele Wissenschaftler hätten seit längerem vermutet, dass die Luftverschmutzung und der Klimawandel mit den überall auf der Welt zunehmenden Fällen von Allergien zusammenhängen würden. Die Forschungen (des Teams) hätten erstmals gezeigt, auf welche Weise chemische Veränderungen in Allergenen auftreten und wie diese sich auf die Allergenität auswirken.

Auswirkungen der Luftschadstoffe auf die Allergene
Ozon – ein Hauptbestandteil von Smog, der vor allem durch Verkehrsabgase entsteht – modifiziert die Allergene so, dass sie verklumpen können. Dadurch verändert sich deren chemische Struktur und die Allergie-auslösende Wirkung wird verstärkt. Der zweite untersuchte Schadstoff, Stickstoffdioxid, ein Treibhausgas, dass beispielsweise durch die Verbrennung fossiler Ressourcen entsteht, verändert die Polarität und die Bindungsfähigkeit der entsprechenden Proteine. Diese Tatsache, in Verbindung mit der Wirkung des Ozons, könnte die Immunreaktion des Körpers auf die Allergene verstärken, besonders in feuchten Gegenden mit viel Smog, erklären die Autoren der Studie.

Christopher Kampf, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, sagte dazu: „ Unsere Forschungen zeigen, dass chemische Modifikationen von allergenen Proteinen maßgeblich daran beteiligt sein können, dass die Fälle von Allergien weltweit immer mehr zunehmen. Durch die steigende Konzentration der betreffenden Luftschadstoffe wird es künftig zu immer mehr solcher chemischen Veränderungen kommen“.

Die Wissenschaftler planen nun, auch andere veränderte allergene Proteine in der Umwelt zu identifizieren und in Zusammenarbeit mit biomedizinischen Forschern die Auswirkungen dieser Proteine auf das menschliche Immunsystem zu studieren und so besser zu verstehen.

Allein in Deutschland gibt es mittlerweile etwa 30 Millionen Allergiker, bei vielen werden die Symptome von Jahr zu Jahr schlimmer. Die Studie der Max-Planck-Forscher bietet jetzt eine plausible Erklärung dafür. Ohne eine deutliche Verringerung der betreffende Luftschadstoffe ist für die Betroffenen wohl auch langfristig nicht mit einer Besserung zu rechnen.

 

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