Bio-Bean will Londons rote Busse mit Kaffee betreiben

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Start-up bio-bean betreibt Fahrzeuge mit Kaffee

Wie sieht die Zukunft der nachhaltigen Mobilität in Großstädten aus? Können wir durch das Recyclen unserer Abfälle eine umweltfreundlichere Mobilität schaffen? Der Entrepreneur Arthur Kay hat sich eben diese Fragen gestellt und als Antwort darauf im Jahr 2013 das Unternehmen bio-bean gegründet. Dies ist die weltweit erste Firma, die den Prozess industrialisiert, Kaffeesatz zu recyclen und ihn in Biokraftstoffe umzuwandeln.

Großbritannien produziert rund 500.000 Tonnen Kaffeesatz jährlich, wobei das meiste davon in der Mülldeponie landet und Methan emittiert. Methan ist knapp 30-mal klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxide, was die Vermeidung dieser Abgase besonders wichtig macht.

Das Start-up bio-bean wurde daher unter der Prämisse gegründet, dass Abfall nicht existiert. Es gibt lediglich falsche Ressourcen am falschen Ort. Kaffeesatz hat beispielsweise eine äußerst wärmeerzeugende Wirkung und enthält viele wertvolle Stoffe, die ein ideales Ausgangsmaterial für Biokraftstoffe darstellen.

CEO Kay äußert sich dazu: „As cities expand we have the chance to reimagine in which way food, technology, energy and waste shape our lives and our built environment. We are going through a period of energy divergence where we are moving from a fossil-fuel based society to one that is increasingly diversified. Bio-fuel will be crucial to that.“

Durch die Methode der Ölextraktion können laut Kay zwischen 15 und 20 Prozent Öl gewonnen werden. Die übrige Masse könne in sogenannte Biomasse-Pellets umgewandelt werden, die als Brennstoff genutzt werden. Weiterhin werde das Angebot von Kaffeesatz für die Umwandlung in Biokraftstoffe nicht ausgehen. Denn so lange die Menschen Kaffee tränken, gebe es auch Kaffeesatz. Das Ziel Kays ist es, alle roten Busse Londons mit Kaffee-Treibstoffen zu betreiben. Der erste rote Bus wird bereits in einigen Wochen auf Londons Straßen fahren.

Inzwischen gibt es auch einige andere Länder, die auf die waste-to-fuel Strategie setzen. Schweden beispielsweise weist eine lange Geschichte der Biokraftstoffnutzung auf und kann in der Hauptstadt Stockholm 15.000 Autos und 300 Busse vorzeigen, die mit Biogas betrieben werden. Gustaf Landahl, Leiter des Stockholmer Smart Cities Project’s, erklärt, dass Schweden immer mehr Wege untersucht, um Biogas aus Lebensmittelabfällen herzustellen. „Unsere Luftqualität in der Stadt ist bereits wesentlich besser geworden, auch wenn manche Straßen und Stadtteile immer noch erhöhte Emissionswerte aufweisen“, so Landahl.

Dennoch besteht Kritik an manchen waste-to-fuel Methoden. Denn nur weil man Abfall wiederverwertet, heißt das noch nicht, dass auch der Prozess der Konvertierung umweltfreundlich abläuft. Letztendlich muss jede Produktionskette überprüft werden, um feststellen zu können, ob die Biokraftstoffproduktion aus Abfallprodukten wirklich sinnvoll und klimafreundlich ist. Einige Experten gehen davon aus, dass Biokraftstoffe nur einen geringfügigen Teil zu unserer Energiewende betragen können. Dennoch müssen die verschiedenen Methoden überprüft werden. – Unterdessen setzen viele andere Unternehmen verstärkt auf die Elektromobilität.