Leben im Jahr 2053

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Das Projekt Shaping Future soll Bedürfnisse der Bürger an technische Zukunftslösungen ermitteln und den Austausch mit Wissenschaftlern fördern © Foto Fraunhofer IAO
Das Projekt Shaping Future soll Bedürfnisse der Bürger an technische Zukunftslösungen ermitteln und den Austausch mit Wissenschaftlern fördern © Foto Fraunhofer IAO

Fraunhofer-Forscher haben mit »Shaping Future« ein Modell entwickelt, mit dem Bürger ihre Erwartungen und Ansprüche an Zukunftstechnologien beschreiben und mit Wissenschaftlern teilen können. Erste Ergebnisse zeigen: Die Menschen wünschen sich Technik, die ihre geistige und körperliche Leistungskraft verbessert, die Privatsphäre schützt sowie sicheren, bequemen und umweltfreundlichen Transport ermöglicht.

Nachdem sich die Forscher des Fraunhofer Instituts ja bereits ausführlich mit dem Thema „Stadt der Zukunft“ auseinandergesetzt haben, streben sie nun einen Dialog zwischen Bürgern und Wissenschaftlern an, damit die Technologieentwicklung nicht an den Bedürfnissen und Wünschen der Bürger vorbei geschieht. Für den Erfolg von Innovationen ist es entscheidend, wie Nutzer diese akzeptieren. Doch bislang fehlten Methoden, durch die Bürger sich mit Forschern dazu austauschen können.

Im Projekt »Shaping Future« hat das Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO ein Vorgehensmodell entwickelt, das genau das ermöglicht: Menschen können ihre Wünsche und Anliegen an technische Zukunftslösungen – zum Beispiel für das Jahr 2053 – artikulieren, Technologiebedarfe beschreiben und diese mit Experten der Fraunhofer-Gesellschaft austauschen. Diese haben die Möglichkeit, Ideen aufzunehmen, weiterzuentwickeln und für zukünftige Forschungsarbeiten zu nutzen.

In Roadmaps zeigen die Wissenschaftler, welche technologischen Schritte erreicht und welche sozialen und juristischen Bedingungen erfüllt sein müssen, um die Ideen zu realisieren. Designer haben aus besonders vielversprechenden Ideen spekulative Prototypen gefertigt, um sie als interaktive Exponate in einer Ausstellung sowohl einem Fachpublikum als auch der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Diese sind vom 30. Juli bis zum 26. Oktober 2016 im JOSEPHS® zu sehen, einem interaktiven Ausstellungsort in der Nürnberger Innenstadt, betrieben vom Fraunhofer und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Wie soll die Technik der Zukunft aussehen?

Viele der bisherigen Projektteilnehmer wünschen sich möglichst unsichtbare, weiche technische Lösungen, die sich auch gut am Körper tragen lassen. Beim Thema Gesundheit sind Technologien gefragt, die Menschen befähigen, sich selbst zu diagnostizieren und zu heilen. Gefragt waren auch Technologien, die helfen, die eigene geistige und körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Eine weitere Rolle spielten Raummodelle, die es flexibel erlauben, sich je nach Bedarf individuell zurückzuziehen oder mit anderen Menschen zu interagieren. Eine Idee war beispielsweise Schutzkapseln für öffentliche Verkehrsmittel, die in Bussen oder Straßenbahnen angebracht sind, und die man sich flexibel über Kopf und Rumpf ziehen kann, sobald man ungestört für sich sein will.

»Die Methode sieht vor, dass sich unterschiedliche Menschen austauschen: Einerseits hatten wir eine sehr heterogene Gruppe an Teilnehmenden, andererseits ein interdisziplinäres Projektteam, in dem Forschende an der Schnittstelle von Design und Sozialwissenschaft neue Methoden entwickeln«, berichtet Marie Heidingsfelder, verantwortlich für das Projekt am Fraunhofer CeRRI.

Experten aus den Bereichen Mikroelektronik, Optik, Werkstoffe, Logistik, Informatik, Produktion, Arbeitswirtschaft und Medizin nahmen die von den Bürgerinnen und Bürgern entwickelten prototypischen Objekte unter die Lupe. Sie identifizierten diejenigen, die sie für besonders interessant, innovativ oder zukunftsfähig hielten und machten sich Gedanken, wie eine technologische Lösung aussehen könnte. Aus den Impulsen der Projektteilnehmer entwickelten Expertinnen und Experten der Fraunhofer-Institute FIT, IAIS, IAO, IAP, IFF, IML, IOF, IPA, IZM und MEVIS insgesamt acht Technologie-Roadmaps.

Blaupausen für neue Forschungsprojekte oder Produktinnovationen:

  • Mobility Cocoon: Individuell ausprägbare Transportkapseln, die untereinander konfigurierbar sind und eine Tür-zu-Tür-Lösung ermöglichen.
  • Modulares Enhancement Set: Modulares Exoskelett, das Menschen in Alltagssituationen unterstützt, wenn besondere, körperlich anstrengende Herausforderungen bewältigt werden müssen.
  • Muscle to Go: Ein Gel, das die Rekonstruktion des eigenen Körpers nach Unfällen, schweren Krankheiten oder Tumoren ermöglicht. Denkbar ist auch der Einsatz im Bereich Enhancement, beispielsweise der kosmetischen Chirurgie.
  • Soziale Firewall: Lernfähige Technologie, die eine Fokussierung auf »wichtige« Dinge ermöglicht.
  • Diagnose-Behandlungs-Tool: Körpernahe Technologie, die Krankheiten erkennt und passende Ärzte, Therapien und Medikationen empfiehlt.
  • Smart-Buddy: Lernendes KI-System, das je nach Stimmung priorisierte Handlungsempfehlungen gibt und Kontakte im Umfeld nach individuellen Interessen filtert und anbahnt.
  • Mentor-Earable: Sensorbasierte In-Ear-Variante der sozialen Firewall.
  • Emo-Lens: Kontaktlinse, die anzeigt, in welcher emotionalen Verfassung das Gegenüber ist.

Das Projekt »Shaping Future« wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF gefördert.

Quellen und weitere Informationen:
Shaping FutureShaping Future
Themen-Website Mensch im Mittelpunkt

 

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