Lauter tickende Zeitbomben

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Zeitbomben Endlager

Laufzeitverlängerung, keine 100 prozentige Absicherung gegen Terroranschläge, das Problem der Endlagerung nicht gelöst – beim täglichen Lesen der Nachrichten wird einem ganz anders zumute. Und jetzt auch noch die zerstörerischen Brände in Russland, nur 80 Kilometer vom Atommüllaufbereitungs- und Lagerungszentrum Majak, in dem noch zwei von insgesamt zehn Kernreaktoren tätig sind, entfernt.

Schon 1989 geriet Majak in Zusammenhang mit dem Nuklearunfall in Kyschtym aus dem Jahr 1957 in die Schlagzeilen, allerdings war das Geschehene zu dem Zeitpunkt bereits 32 Jahre her und wurde bis zum Tschernobyl Unfall von 1986 recht erfolgreich verschwiegen.

Auf den ersten Blick sind 80 Kilometer kein Grund zur Beunruhigung und ein Übergriff auf die Atomanlage wird nicht vermutet. Problematisch ist jedoch die Tatsache, dass in der Umgebung von Majak reichlich radioaktives Material im Erdboden schlummert. Seinerzeit wurden flüssige radioaktive Abfälle nämlich einfach in den Fluß Tetscha abgeleitet.

Nach massiven Umweltbelastungen entlang des Flusslaufes – ein Teil der rund 120.000 Bewohner der Region bezogen hieraus ihr Trinkwasser – entschied man sich dann, die Abfälle in den Karatschai-See umzuleiten. Auch das erwies sich als keine gute Idee, denn in den 60ern trockneten Teile des Sees aus und trugen radioaktiven Staub weg, der fast 500.000 Menschen und eine Fläche von 1.800 Quadratkilometern belastete. Noch im Jahr 1991 war die Strahlenbelastung am Ufer des Karatschai so hoch, dass ein Mensch dort ungeschützt innerhalb von einer Stunde dem Tode geweiht gewesen wäre. Nicht umsonst gilt die Gegend um Majak zu den gefährlichsten und am höchsten radioaktiv belasteten Orten der Welt.

Plötzlich ist das Feuer, auch wenn es noch in 80 Kilometer Entfernung wütet, eine tickende Zeitbombe, deren Auswirkungen nicht kalkulierbar sind und die ich mir lieber nicht wage vorzustellen. Liebe Politiker, Regierungen und Staatsmänner, es wird Zeit, die Diskussionen um die Kernkraft zum Ende zu bringen und endlich den Erneuerbaren ihre verdiente Chance zu geben. Der Brand eines Windparks ist schließlich weitaus ungefährlicher, als ein in Flammen stehendes, kontaminiertes Gebiet.

Judith Schomaker

 

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