La Réunion produziert Biotreibstoff aus Mikroalgen

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La Réunion ist aufgrund ihrer einzigartigen landschaftlichen Schönheit ein beliebtes Reiseziel

La Réunion ist ein französisches Überseedepartment, das vor Madagaskar im indischen Ozean liegt. Bis 2025 will die Insel vollkommen energieautark werden. Von diesen Anstrengungen zeugt das neueste Projekt, eine Anlage zur Herstellung von Biotreibstoff aus Mikroalgen. Die Pilotanlage wurde von der brandenburgischen Firma IGV GmbH aus Nuthetal gemeinsam mit dem Start-up Bioalgostral SAS (BAO) installiert und bereits im Herbst letzten Jahres in Betrieb genommen.

Algen als Energieträger sind seit längerem im Gespräch. Die meisten Algen leben im Wasser und haben damit keinen Landbedarf beziehungsweise stehen nicht in Konkurrenz zu Lebensmitteln. Zudem haben Algen hohe und schnelle Wachstumsraten. Während sich Makroalgen zur Herstellung von Biodiesel eignen, lassen sich Mikroalgen sehr gut durch Vergärung oder Vergasung in Biogas umwandeln. Die Zucht von Algen erfolgt entweder in offenen Becken oder in speziellen Photobioreaktoren. Die IGV GmbH hat gemeinsam mit Bioalgostral SAS auf La Réunion eine Photobioreaktoranlage installiert. Die Pilotanlage soll Biokraftstoff aus Mikroalgen mit einem Gesamtvolumen von 82.000 Litern im Jahr liefern.

Im Photobioreaktor werden in einem geschlossenen Kreislauf Algen in einer Nährlösung gezüchtet. Die tropischen Temperaturen sorgen für optimale Wachstumsbedingungen bei den Algen. Innerhalb von zwei bis drei Tagen kann die Biomasse geerntet und verarbeitet werden, erklärt Otto Pulz, Bereichsleiter Mikroalgenforschung bei IGV. Der Biomasse wird die Feuchtigkeit entzogen, anschließend werden die Algen in verschiedenen Verfahrensschritten extrahiert. Auch der Abfall kann noch zur Biogasherstellung genutzt werden, so Pulz weiter. Er hebt insbesondere den geringen Flächenbedarf der Technologie hervor. Dieser liege bei nur einem Dreißigstel jenes von herkömmlichen Biotreibstoffpflanzen.

In der Pilotanlage kommt die sogenannte MUTL-Technologie zum Einsatz, die von IGV entwickelt wurde. Damit sei es gelungen, die Wachstumsraten gegenüber Glas-Photoreaktoren zu verdoppeln bei gleichzeitiger Senkung der Investitionskosten um 60 Prozent. Zwischen 2011 und 2014 sollen verschiedene Glas-Photobioreaktoren auf La Réunion installiert und die ersten Teilprojekte direkt auf der Insel umgesetzt werden. Der Treibstoff soll für die Fahrzeugflotte der Insel genutzt sowie potentiellen Biotreibstoffabnehmern zur Verfügung gestellt werden. Weiter ist die Lieferung eines 1.000-Quadratmeter-MUTL-Bioreaktors geplant, die Basiseinheit großtechnischer Anlagen, die zu Forschungszwecken und der Anpassung an tropische Bedingungen eingesetzt wird.

In einer zweiten Projektphase zwischen 2014 und 2017 werden die Photobioreaktoren zur Herstellung von Hochwertprodukten (etwa Kosmetika oder Pharmazeutika) sowie zur Herstellung notwendigen Anstellguts zum Betrieb der großtechnischen MUTL-Anlage genutzt. Ziel ist es, über mehrere Ausbaustufen von ein bis fünf Hektar die wirtschaftliche und technische Machbarkeit des Projekts nachzuweisen. Nach Abschluss des Projektes wollen die beiden beteiligten Unternehmen in enger Zusammenarbeit großtechnische Anlagen im 100 Hektar Bereich sowie Co-Produkte vertreiben.

Josephin Lehnert

 

2 Responses

  1. Energieausweis Bremen

    19. März 2012 6:26

    Besten Dank für diesen interessanten Artikel zum Thema Biotreibstoff aus Algen. Ein Thema, das uns schon länger fesselt, ist es doch unheimlich spannend und biete tolle Möglichkeiten. Meiner Meinung ist auch die Biogasgewinnung durch Algen um ein Vielfaches besser, als die Gasgewinnung durch normale Biomasse (da hierfür extra Pflanzen angebaut werden und hier eine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion besteht). Inseln, die sich autark versorgen sind ein tolles Vorbild und auf Inseln macht es auch wirklich am meisten Sinn.
    Beste Grüße aus Bremen sendet die Bremer Energieberatung enerpremium

  2. AlgaeObserver

    26. April 2012 14:26

    Ein ausgesprochen interessantes Projekt, das Hand in Hand mit weiteren Aktivitäten in Deutschland unf Frankreich geht. Mit solchen Projekten haben wir die Chance im Wettbewerb mit den USA wieder ein bisschen Boden gut zu machen…

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