Künftige Versorgung durch Erneuerbare gesichert?

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Laut der AEE ist die Versorgungssicherheit Deutschlands trotz des Atomausstiegs künftig mit Ökostrom gewährleistet.
Laut der AEE ist die Versorgungssicherheit Deutschlands trotz des Atomausstiegs künftig mit Ökostrom gewährleistet.

Am Samstag wurde das – nach dem Reaktor Isar I – bislang zweite bayerische Atomkraftwerk vom Netz genommen: Nach 33 Jahren schaltete Betreiber E.on das AKW Grafenrheinfeld ab – der Rückbau wird sich allerdings noch über Jahrzehnte hinziehen. Bis 2022 sollen die übrigen deutschen Meiler folgen und der deutsche Atomausstieg endgültig Realität werden. Doch wie sieht es mit der Versorgungssicherheit der Bundesrepublik aus, wenn der Atomstrom ab 2022 nicht mehr fließt? Haben wir einen Engpass zu befürchten oder deutlich teurere Strompreise? Nein, sagt die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE). Zumindest wenn alle Bundesländer künftig an einem Strang ziehen und die Erneuerbaren weiter vorangetrieben werden.

Der AEE zufolge können die Erneuerbaren Energien die noch folgenden Stilllegungen der übrigen deutschen Atomkraftwerke und den damit einhergehenden Kapazitätsverlust weitgehend kompensieren. „Der deutsche Atomausstieg bis 2022 wird durch das verlässliche Wachstum Erneuerbarer Energien und eine verbesserte Energieeffizienz ermöglicht“, sagte Philipp Vohrer, Geschäftsführer der AEE dazu. Das zeigen auch aktuelle Zahlen. Demnach hat die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien 2014 im Vergleich zu 2010 um rund 50 Prozent auf mehr als 160 Milliarden Kilowattstunden zugelegt. Dies konnte den Rückgang bei der Kernkraft um über 30 Prozent auf knapp 97 Milliarden Kilowattstunden mehr als ausgleichen.

Bundesländer müssen sich gegenseitig helfen

Der Blick auf die Zahlen der einzelnen Bundesländer zeigt allerdings: Bundesländer, die in der Vergangenheit den Großteil ihres Stroms mit Atomkraft erzeugt haben, können den Ausstieg nicht allein ausgleichen, sondern sind künftig auf Ökostrom-Importe aus anderen Bundesländern angewiesen. In Baden-Württemberg beispielsweise wurde die Atomstrommenge am stärksten reduziert. Während sie 2010 noch fast 32.000 Gigawattstunden betrug, waren es 2013 nur noch rund 20.000 Gigawattstunden. Allerdings hat der Ausbau von Erneuerbare-Energien-Stromanlagen in Baden-Württemberg weniger Fahrt aufgenommen als zum Beispiel in den neuen Bundesländern. Erneuerbare Energien trugen dort 2013 mit rund 14.700 Gigawattstunden zur Stromproduktion bei, so dass der hier erzeugte Ökostrom nur einen Teil der Stromproduktion der abgeschalteten Atommeiler ersetzt. Der restliche Teil wird durch Strom aus anderen Bundesländern kompensiert.

Bayern hingegen hat bei der Erzeugung von Ökostrom in den vergangenen Jahren einen großen Sprung nach vorne gemacht (Strom aus Erneuerbaren in Bayern 2013: 31.634 Gigawattstunden) und kann die bislang reduzierten Atomstrommengen dadurch kompensieren. Im Freistaat ist der Atomstromanteil allerdings bisher auch am wenigsten zurückgefahren worden. Das Kraftwerk Grafenrheinfeld (Stromproduktion 2014: 6.928 Gigawattstunden) ist erst das zweite, das in Bayern abgeschaltet wird. Atomkraft aus den Reaktoren Isar2 und Gundremmingen macht immer noch fast die Hälfte der gesamten bayerischen Erzeugung aus (Atomstrom in Bayern 2013: 42.941 Gigawattstunden). Wenn gemäß dem Atomausstiegsbeschluss alle bayerischen Atomkraftwerke bis 2022 vom Netz gehen werden, werden sie bis dahin kaum allein durch bayerische Erneuerbare-Energien-Anlagen kompensiert werden können. Dafür ist künftig der Import erheblicher Mengen Ökostroms aus anderen Bundesländern notwendig. Hier müssen die einzelen Bundesländer sich gegenseitig unter die Arme greifen – nur dann kann der Atomausstieg erfolgreich durch regenerative Energien ersetzt werden.

Atomausstieg und Energiewende vermindern Kosten

Der Umstieg auf Erneuerbare hat außerdem den Vorteil, das versteckte Folgekosten aus der Atomkraft künftig vermieden werden, so die AEE. „Mit dem Wechsel von Atom- auf Ökostrom verabschiedet sich Deutschland von einem Energieträger mit sehr hohen Voll- und Folgekosten für Steuerzahler und Gesellschaft, wie nicht erst in der aktuellen Endlager-Debatte deutlich wird“, sagte Vohrer. Die konventionellen Energieträger Atomenergie, Steinkohle und Braunkohle profitieren seit Jahrzehnten in großem Umfang von staatlichen Förderungen in Form von Finanzhilfen, Steuervergünstigungen und der Umwälzung von versteckten Folgekosten auf die Steuerzahler bzw. auf künftige Generationen.

Während sich die Gesamtkosten für Strom aus Atomkraft 2014 auf mindestens 14,3 Cent je Kilowattstunde beliefen, trug die Gesellschaft für eine Kilowattstunde Windstrom umgerechnet Kosten von nur 9,2 Cent. Der Kostenvorteil der Erneuerbaren für Deutschland wird noch deutlicher, wenn man die Vollkosten neuer Anlagen miteinander vergleicht: Nach Berechnungen des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) kostet zum Beispiel eine Kilowattstunde Windstrom aus neuen Anlagen 5,1 bis 8,7 Cent. Bei der Atomenergie liegen die Vollkosten mit 18,5 bis 49,8 Cent pro Kilowattstunde um ein Vielfaches höher.

Quelle: AEE

 

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