„Blue Crude“ – Synthetischer Diesel aus Kohlendioxid

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Bundesforschungsministerin Johanna Wanka beim Einfüllen des neuartigen erdölfreien Dieselkraftstoffs. © Sunfire GmbH

Die Firma Sunfire hat einen Treibstoff entwickelt, der nicht auf Erdöl, sondern auf Kohlendioxid basiert. Damit, so hofft auch die Bundesregierung, könnte der „Klimakiller Nummer Eins“ bald erstmals dazu beitragen, die globale Erwärmung aufzuhalten, anstatt sie weiter voranzutreiben.

{module Jobs}„Blue Crude“, so der Name des neuartigen Dieselkraftstoffs, ist das Ergebnis jahrelanger Forschung. Dabei ist es dem Team des Dresdener Unternehmens Sunfire gelungen, einen kohlenwasserstoffbasierten Kraftstoff ohne den bislang benötigten fossilen Energieträger Erdöl herzustellen, der dabei jedoch genauso leistungsstark wie herkömmlicher Diesel sein soll und demgegenüber sogar einige Vorteile besitzt.

Blue Crude ist ein rein synthetisch hergestellter „Designerkraftstoff“ und basiert auf dem Treibhausgas Kohlendioxid. Das Verfahren zu seiner Herstellung funktioniert in drei Schritten, erklärt Geschäftsführer Christian von Ohlshausen: „Im ersten Schritt, der Elektroylse, wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der zweite Schritt ist die Konvertierung. Dabei wird das CO2 in Kohlenmonoxid (CO) umgewandelt. Der dritte Schritt ist die Zusammenfügung von Wasserstoff und Kohlenmonoxid zu den Kohlenwasserstoffen, dem eigentlichen Energieträger.

„Die Anlage ist also ein Energiewandler“, so van Ohlshausen weiter. „Man nimmt Strom, vorzugsweise aus Erneuerbaren Energiequellen und Chemikalien. Diese Chemikalien lädt man dann mit dem Strom auf und heraus kommt ein Energieträger, den man eigentlich schon lange kennt, nämlich Kohlenwasserstoffe.“

Auf Kohlenwasserstoffen basieren auch die herkömmlichen Kraftstoffe wie Benzin oder Diesel. Das besondere an der Sunfire-Anlage ist also nicht, dass ein völlig neuer Kraftstoff entsteht, sondern, dass ein altbewährter Kraftstoff, der normalerweise in Raffinerien aus Erdöl hergestellt wird, völlig ohne fossile Rohstoffe synthetisch gewonnen werden kann.

Der Vorteil für die Umwelt liegt auf der Hand: Das CO2 aus der Atmosphäre, dass die globale Erwärmung beschleunigt, wird durch das Verfahren zum Rohstoff. Da zudem Strom aus erneuerbaren Energiequellen verwendet wird, ist der neue Diesel extrem Emissionsarm und somit so klimaschonend wie kein anderer Treibstoff. Außerdem enthält Blue Crude kein Schwefel oder Aromat und verbrennt somit Schwefel- und Rußfrei, erklärt von Ohlshausen. Auch das trägt mit zu seiner hohen Klimafreundlichkeit bei und reduziert außerdem die bei der Verbrennung ausgestoßenen Luftschadstoffe deutlich. Somit leistet Blue Crude auch einen Beitrag zur Verringerung der Luftverschmutzung, die gerade in den Ballungsgebieten immer besorgniserregendere Ausmaße annimmt.

In der Pilotanlage, die erst seit einigen Monaten in Betrieb ist, wurden bislang zwar erst kleinere Mengen synthetisiert, die Herstellung im industriellen Massstab sei aber kein Problem, versichert Sunfire. Das besondere an der Anlage sind dabei nicht die angewendeten Verfahren, denn die sind alle seit langem bekannt. Doch den Forschern von Sunfire ist nach eigenen Angaben die Optimierung dieser Prozesse gelungen. Daher arbeitet die Anlage besonders effizient. Von Ohlshausen sagte dazu: „Wir sind, was die Effizienz der Anlage angeht, fast an der Grenze dessen, was die Thermodynamik hergibt.“

Zwischen einem Euro und 1,50 Euro soll der synthetische Diesel, abhängig vom Strompreis, pro Liter kosten, sobald er in großen Mengen kommerziell hergestellt wird. Damit ist Blue Crude zwar etwas teurer als herkömmlicher Diesel, jedoch noch immer innerhalb eines für Normalbürger finanzierbaren Niveaus, glaubt Sunfire. Zudem sei der synthetische Kraftstoff sehr hochwertig, da er aus geraden Kohlenwasserstoffketten besteht. Das erhöhe die sogenannte Cetanzahl (Klopfzahl) und mache den Kraftstoff dadurch besser verträglich für den Motor, so von Ohlshausen.

Unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA) (pdf) „. Der Bau und Testbetrieb der sogenannten „Power-to-Liquids“-Anlage, in der der einstige Klimakiller in Blue Crude verwandelt wird, wurde aus Mitteln des FONA Programms unterstützt, so das BMBF in einer Pressemeldung. „Mit FONA werden wir die Forschung für Nachhaltige Entwicklung deutlich wirksamer fördern. Neuerungen aus der Forschung wollen wir bis zur Anwendung hin unterstützen – denn entscheidend ist nicht nur, was wir wissen, sondern was wir umsetzen“ sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung von FONA.

Wanka hat den alternativen Kraftstoff bereits getestet und ihren Dienstwagen vor versammelten Publikum mit Blue Crude betankt. Wie der Test verlief und wann der synthetische Diesel an den ersten Zapfsäulen erhältlich sein wird, ist bislang allerdings noch nicht bekannt.
 

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