Klimawandel könnte 100 Millionen in Armut stürzen

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Weltbank warnt vor Scheitern in Paris
Weltbank warnt vor Scheitern in Paris

Kurz vor der Weltklimakonferenz in Paris verdeutlicht ein neuer Report der Weltbank, was passieren kann, wenn der mit Spannung erwartete Gipfel scheitert. Werde der Klimawandel nicht auf zwei Grad Celsius begrenzt, könne sich die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen bis zum Jahr 2030 um rund 100 Millionen erhöhen, so das Fazit des Berichts. Betroffen wären vor allem Afrika und Asien. Die steigenden Temperaturen würden dort vielen Menschen die Lebensgrundlage entziehen.

Unter die Definition „extrem arm“ fallen heute Menschen, die 1,90 US-Dollar oder weniger am Tag zur Verfügung haben. In Deutschland wäre ein Leben mit so wenig Geld gar nicht vorstellbar, in anderen Teilen der Welt ist es an der Tages-ordnung. In den letzten Jahren lässt sich jedoch zumindest ein Trend in die richtige Richtung erkennen:

Vor einigen Wochen erst teilte die Weltbank mit, dass die Zahl der besonders armen Menschen deutlich zurückgegangen sei. Von ehemals 902 Millionen im Jahr 2012 auf „nur“ noch 702 Millionen weltweit. Eine gute Nachricht. Dennoch leben damit noch immer etwa 10 Prozent der Weltbevölkerung in starker Armut.

Und diese Zahl könnte in naher Zukunft erneut deutlich steigen, prognostiziert die Weltbank in ihrem neuesten Report zum Klimawandel. Der Bericht „Shock Waves: Managing the Impacts of Climate Change on Poverty (pdf)“ verdeutlicht, wie wichtig es sein wird, in Paris ein verbindliches Klimaschutzabkommen abzuschließen. Das oberste Ziel der Konferenz ist es, für jedes Land individuell zugeschnittene Maßnahmen zu vereinbaren, mit denen die Emissionen so weit gesenkt werden können, dass sich die Erde um maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem Zeitalter vor der Industrialisierung erwärmt.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Auswirkungen einer Temperaturerhöhung von maximal zwei Grad gerade noch vertretbar sind. Blasen wir jedoch weiterhin so viele Treibhausgase in die Atmosphäre, könnte sich die Erde um rund vier Grad erwärmen. Die Folgen wären dramatisch – vor allem für die ärmeren Länder und Menschen. Die haben weder das Geld noch die Technologie, um sich an die steigenden Temperaturen anzupassen. Durch die globale Erwärmung ausgelöste Dürren, Überschwemmungen und Hungersnöte werden dazu führen, dass die Menschen in ihrer Heimat nur noch sehr schwer überleben können.

Der neue Weltbank-Report verdeutlicht: Scheitern die Verhandlungen, und die Erderwärmung geht ungebremst weiter, werden vor allem die Menschen in ohnehin bereits armen Regionen wie Afrika und Asien vor gravierende Probleme gestellt. Die Weltbank prophezeit dann einen deutlichen Anstieg der Lebensmittelpreise. Besonders in Afrika, einem Kontinent, wo die armen Menschen rund 60 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aufbringen müssen, bedeute das „einen sehr harten Schlag.“ Auch in Indien würden laut Schätzungen rund 45 Millionen Menschen verarmen. Insgesamt wird eine gescheiterte Klimapolitik voraussichtlich zu weiteren 100 Millionen sehr armen Menschen führen, so das Fazit des Berichts.

Die Weltbank fordert die Politik daher zu engagiertem und schnellen Handeln auf: „Wir können die extreme Armut selbst im Angesicht des Klimawandels beenden“, sagt John Rome, der Geschäftsführer für Klimawandel bei der Weltbank-Gruppe. „Aber um das zu erreichen, müssen der Kampf gegen den Klimawandel und Entwicklungsarbeit enger verbunden werden. Und wir müssen schnell handeln, denn wenn die Auswirkungen des Klimawandels zunehmen, steigen auch die Schwierigkeiten und Kosten“.

Die Weltbank unterstreicht, wie wichtig der anstehende Weltklimagipfel im Hinblick auf die Bekämpfung der Armut ist. „Der Bericht zeigt, dass die Armutsbekämpfung und der Kampf gegen den Klimawandel nicht einzeln gekämpft werden können“, sagte Stephane Hallegatte, eine Chef-Ökonomin der Weltbank. Viel eher müsse man beide Ziele gemeinsam angehen. Die Chance, die sich in Paris bietet, muss daher dringend genutzt werden.

Zumal es vielleicht die letzte sein wird, wie viele Experten prophezeien. Sollte es in Paris nicht gelingen, ein wirksames Klimaschutzabkommen zu treffen, wird das Zwei-Grad-Ziel mit Sicherheit scheitern. Dieses gilt schon im Vorfeld der Konferenz als stark gefährdet. Zu wenig ambitioniert sind viele der bereits bekannten Klimaschutzmaßnahmen der einzelnen Länder. Diese können nach Berechnungen unabhängiger Experten lediglich zu einer Begrenzung der Erderwärmung auf 2,7 Grad beitragen. Klimatologen glauben, dass das bereits zu viel ist. Und auch die Weltbank kommt zu dem Schluss, dass schon eine weltweite Erwärmung zwischen zwei und drei Grad dazu führen wird, dass die Zahl der Menschen, die in Temperaturzonen leben, in denen sich Malaria verbreitet, um 150 Millionen steigen wird. Durchfallerkrankungen kämen weit häufiger vor und Wasserknappheit hätte Auswirkungen auf Hygiene und Wasserqualität. Das würde bis 2030 rund 48.000 weitere Opfer fordern.

Quelle: Weltbank 

 

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