Klimaschutzkampagne: Tübingen macht blau

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Klimaschutzkampagne: Stadt Tübingen
Logo der städtischen Klimaschutzkampagne. Bild: Stadt Tübingen

Unter dem Motto „Tübingen macht blau“, wirbt die Stadt nicht nur für die Installation von Photovoltaikmodulen. Die städtische Klimaschutzkampagne ist breit angelegt und versucht möglichst viele mitzunehmen.

„Wir glauben nicht, dass für die gesamte Stadtgesellschaft die gleichen und die umfassenden Klimaschutzmaßnahmen passend sind. Deshalb bieten wir für ganz verschiedene Zielgruppen viele kleine Schritte an“, sagt Bernd Schott, Klimaschutzbeauftragter von Tübingen. Vor neun Jahren wurde die städtische Klimaschutzkampagne „Tübingen macht blau“ vom grünen Oberbürgermeister Boris Palmer ins Leben gerufen. Längst ist dies zu einem geflügelten Wort in der Universitätsstadt geworden, das in vielen Zusammenhängen rund um den Klimaschutz und darüber hinaus benutzt wird. Blau macht mittlerweile die wachsende Schar von Ökostrom-Kunden der Stadtwerke. Blau machen auch immer mehr Menschen, indem sie das Auto teilen, Rad fahren oder den Bus benutzen. Blau leuchten die Wärmebilder sanierter Wohnungen und Bürgersolaranlagen machen die Dächer blau.

Die tübinger Klimaschutzkampagne

Mit dem fröhlichen Slogan setzt erfolgreich auf einen Mix von Beratung, Dialog, Motivation, finanzieller Förderung und nachhaltigem Infrastrukturausbau. „Wir versuchen hierbei auch besondere Zielgruppen mitzunehmen“, unterstreicht Schott. So werden beispielsweise Fahrradsicherheitstrainings für Flüchtlinge angeboten, die Radfahren oftmals in ihrer Heimat nicht gelernt haben. Neue Wege geht die Stadt auch mit einer Abwrackprämie für konventionell motorisierte Zweiräder. Bis zu 500 Euro erhalten Privatpersonen und Unternehmen, die ein Kraftrad mit Zweitaktmotor abwracken und zugleich ein E-Zweirad neu anschaffen. „Wir liegen gut im Rennen“, berichtet Schott. 36 „Stinker“ wurden bisher auf diese Weise ausrangiert, die Zielmarke bis Ende kommenden Jahres liegt bei 50.

Stadtwerke und Klimaschutz

Auch die Stadtwerke (SWT) setzen auf Anreize für den Klimaschutz. Mit je 100 Euro belohnen sie den Kauf von Pedelecs und E-Bikes von Ökostromkunden. Bisher wurde auf diese Weise die Anschaffung von 350 E-Zweirädern gefördert. Die Zahl der Kunden, die Ökostrom von dem kommunalen Unternehmen beziehen, knackte bereits die 10.000er Marke. Schon mehr als die Hälfte des Tübinger Stromverbrauchs wird von den SWT erneuerbar erzeugt, über 200 Gigawattstunden jährlich. 938 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von über 12 Megawatt (MW) sind schon auf den Dächern der Stadt montiert. Vor zehn Jahren waren es nur 180 Anlagen mit 1,2 MW.

Stromverbrauch pro Einwohner deutlich gesunken

Besonders stolz ist Schott auf den sparsameren Umgang mit Strom. Lag der Stromverbrauch (Haushalte, Gewerbe und Industrie) im Jahr 2006 bei 5.204 Kilowattstunden pro Einwohner (kWh/EW), so sank er im Jahr 2016 auf 4.554.  In diesem Zeitraum nahm die Einwohnerzahl um mehr als 10.000 zu und es entstanden rund 9.000 zusätzliche Arbeitsplätze, die heutzutage meist mit Stromverbrauchern ausgestattet sind. „Die Stadtgesellschaft als Ganzes macht beim Stromsparen mit“, freut er sich.

Trotzdem bleibt auch in der Universitätsstadt noch etliches in punkto Klimaschutz zu tun. Im November 2015 beschloss der Gemeinderat deshalb die Fortsetzung von „Tübingen macht blau“. Ziel ist es, die energiebedingten CO2-Emissionen pro Kopf in Tübingen bis 2022 um 25 Prozent gegenüber dem Wert von 2014 zu reduzieren.