„Klimasünder“ Indien beschließt Klimaschutzmaßnahmen

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Indien - Klimaschutz
Indien - Klimaschutz

Indien, der drittgrößte Emittent klimaschädlicher Gase, stellte vergangenen Donnerstag Pläne vor, mit denen die Intensität der CO2-Emissionen bis 2030 um 33 bis 35 Prozent, verglichen mit dem Jahr 2005, verringert werden soll. Da jedoch die Wirtschaft in Indien weiter wachsen wird, bedeutet dies keine tatsächliche Verringerung der Emissionen. Im Gegenteil: Sie werden weiter steigen, wenn auch deutlich langsamer als heute. Dennoch ist es ein erster Schritt und für viele eine überraschende Nachricht. Die indische Regierung zeigte bislang wenig Ambitionen überhaupt Klimaschutz betreiben zu wollen, die Bekämpfung der Armut steht im Vordergrund.

Die beiden größten Verursacher von Treibhausgasen, die USA an erster Stelle und China knapp dahinter, haben bereits Maßnahmen versprochen, nun folgt der drittgrößte „Klimasünder“ auf dem Fuß:

Gut zwei Monate vor der Weltklimakonferenz in Paris verkündete jetzt auch Indien, den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen zu wollen. Das nach China bevölkerungsreichste Land der Erde (1,3 Milliarden Menschen) will durch umfassende Klimaschutzmaßnahmen den CO2-Ausstoß des Landes im Vergleich zum Wirtschaftswachstum bis 2030 um 33 bis 35 Prozent gegenüber 2005 verringern. Erreicht werden soll dies vor allem durch den massiven Ausbau von Solarenergie sowie Wind- und Wasserkraft. Insgesamt sollen 2030 40 Prozent der indischen Stroms durch nicht-fossile Energieträger erzeugt werden, so hieß es in einem am Donnerstagabend bei den Vereinten Nationen (UN) eingereichten Plan.

Eine für viele überraschende Nachricht. Wie die indische Regierung immer wieder betonte, hat die Bekämpfung der extremen Armut im Land oberste Priorität. Dieser Kampf könne ohne den schnellen Ausbau billiger Kohlekraft nicht gewonnen werden. Zudem wurde argumentiert, Indien als armes Land trage nicht die Hauptverantwortung an der globalen Erwärmung. Die falle Nationen wie den USA und Europa zu, die bereits seit vielen Jahren große Mengen Treibhausgase ausstoßen, und mit der Verbrennung fossiler Rohstoffe reich geworden sind.

Selbst heute steht Indien zwar beim Gesamtausstoß auf Platz drei, pro Person aber emittiert das Land lediglich 1,7 Tonnen CO2 im Jahr. Zum Vergleich: In den USA sind es 16,6 und in China 7,4 Tonnen. Diese Länder könnten Indien nicht das Recht verwehren, das Wirtschaftswachstum durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe anzukurbeln, wie es in den USA und Europa seit vielen Jahren getan werde, so die Argumentation.

Dennoch scheint sich nun auch Indien dem steigenden Druck der Weltgemeinschaft gebeugt zu haben, dem Kampf gegen den Klimawandel beizutreten. Ein Ende des fossilen Zeitalters, wie es unlängst Deutschland, die USA und die anderen G7-Nationen beschlossen haben, ist in Indien jedoch nicht in Sicht. Man will auf die finanziell rentable Kohleverstromung nicht verzichten – neben den Erneuerbaren soll auch die Kohlekraft weiter ausgebaut werden. Auch von einer Verpflichtung die CO2-Emissionen des Landes langfristig tatsächlich zu verringern, wie es Barack Obama in den USA oder sogar Chinas Staatspräsident Xi Jinping versprochen hat, konnte in dem Papier keine Rede sein.

Lediglich die Intensität der Treibhausgasemissionen soll verringert werden. Damit ist gemeint, die Menge an Treibhausgasen, die für ein gewisses Wirtschaftswachstum aufgewendet werden muss, soll bis 2030 um 33 – 35 Prozent reduziert werden. Tatsächlich bedeutet dies jedoch, dass der Ausstoß klimaschädlicher Gase in Indien weiter zunehmen wird – wenn auch langsamer als bislang:

Das indische Wirtschaftswachstum wird sich, im Vergleich zu 2005, bis 2030 wahrscheinlich versiebenfachen. Wird der vorgestellte Klimaschutzplan umgesetzt, wird sich der Treibhausgas-Ausstoß des Landes im gleichen Zeitraum verdreifachen. Würde Indien jedoch so weitermachen wie bisher, würde sich auch der CO2-Ausstoß bis 2030 versiebenfachen. Der Klimaschutzplan setzt also zumindest die richtigen Signale für die Zukunft.

Dennoch ist der Plan deutlich weniger ambitioniert als der anderer Hauptverursacher klimaschädlicher Gase. So hat sich neben den USA und China jetzt auch ein wichtiges Schwellenland zur Verringerung der Treibhausgasemissionen verpflichtet. Brasilien, das fünftgrößte Land der Welt, will seine Emissionen bis 2030 um 43 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern. Bereits bis 2025 sollen die Emissionen um 37 Prozent fallen.

Doch auch wenn der vorgestellt Plan Indiens deutlich hinter den Klimaschutzmaßnahmen der meisten anderen Nationen zurückbleibt, glauben einige Umweltaktivisten, dass er langfristig die richtigen Weichen für den Klimaschutz im Land stellen wird:

„Das ist ein sehr bedeutender Schritt für Indien, sagte Anjani Jaiswal vom Natural Resources Defense Council (NRDC), einer bekannten Organisation für Umweltrechte in New York. „Der Plan fokussiert sich auf den Ausbau Erneuerbarer Energien und legt den Grundstein, langfristig tatsächlich Emissionen zu verringern. Das ist eine deutliche Veränderung zu dem was wir aus der Vergangenheit aus Indien kennen.“

Quelle: New York Times / Spiegel Online

 

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