Klimaschonende Wärme am Bodensee

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Ein Hallenbad und Mehrzweckhalle in Uhlindngen-Mühlhofen werden mit Abwärme eines Gewerbebetriebes beheizt.
Ein Hallenbad und Mehrzweckhalle in Uhlindngen-Mühlhofen werden mit Abwärme eines Gewerbebetriebes beheizt.

Die Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen nutzt auf vorbildliche Art und Weise die Abwärme eines örtlichen, metallverarbeitenden Gewerbebetriebs.

Um 128 Tonnen jährlich soll der C02-Ausstoß durch eine beispielhafte Abwärmenutzung der HTU Härtetechnik für die Mehrzweckhalle und das Hallenbad der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen (Bodenseekreis) reduziert werden. Ein entsprechendes Pilotprojekt wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Klimaschutz mit System“ vom baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller ausgezeichnet. Es wird mit 212.500 Euro mit Mitteln der EU aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert und mit Landesmitteln ergänzt.

Die inhabergeführte Firma HTU ist nicht nur der größte Arbeitgeber, sondern auch der größte Einzelverbraucher an Strom- und Wärme in der Bodenseegemeinde. Ein Drittel des Stromverbrauchs und rund 12 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs Uhldingen-Mühlhofens (incl. Verkehr) gehen auf ihr Konto. Bereits seit Ende der 1990er Jahre überlegten die Gemeindeverwaltung, der Gemeinderat und das Unternehmen, einen Teil der anfallenden Abwärme einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Dies wurde jedoch aus Kostengründen immer wieder verworfen, erinnert sich Peter Gress, Sachgebietsleiter Hochbauamt. „In den Jahren 2010 – 2011 haben wir dann erste Untersuchungen vorgenommen, wie die Wärme sinnvoll für die kommunalen Liegenschaften in nahen Umfeld genutzt werden kann“, berichtet Michael Maucher von der Energieagentur Ravensburg.

Schließlich schälte sich das Konzept heraus, das nun umgesetzt wird. Hierbei werden die anfallenden, bis zu 400ᵒ C heißen Prozessgase über einen Wärmetauscher für eine zentrale Wassererhitzungsanlage genutzt. Mit einer Temperatur von 75ᵒ – 80ᵒ C wird das Wasser dann aus einem Pufferspeicher über eine Fernwärmeleitung in die circa 150 Meter Luftlinie entfernt liegende örtliche Turn- und Schwimmhalle geleitet. „So soll der jährliche Wärme-Energiebedarf in Höhe von 550 bis 600 Megawattstunden (MWh) für die Beheizung von Raumluft, Schwimmbecken und Brauchwasser zur Verfügung gestellt werden“, sagt Gress. Eine weitere Heizungsanlage sei nicht erforderlich und aufgrund der ausreichend hohen Temperatur des Heizwassers könne auf den Einbau einer Wärmepumpe verzichtet werden. Dies war in einer früheren Planungsvariante vorgesehen. Durch den Erstanschluss eines kommunalen Gebäudes wolle man auch den Grundstein für ein Wärmenetz legen, an das sich künftig Privathaushalte anschließen könnten, betont Gress.

„Die Nutzung von Abwärme aus Industrieprozessen ist eine hoch interessante, aber oft schwierig zu realisierende Effizienztechnologie“, sagt Volker Kienzlen, Geschäftsführer der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Im Unternehmen dürften Prozesse nicht gefährdet werden, gleichzeitig könne und wolle das Unternehmen keine gesicherte Wärmelieferung garantieren. Dabei sei die Nutzung von Abwärme nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, sondern spare immer wertvolle fossile Ressourcen ein. „Die neutrale und kompetente Beratung einer Energieagentur kann dazu beitragen, einen fairen Interessenausgleich zwischen Wärmelieferant und Abnehmer zu finden, auch zum wirtschaftlichen Nutzen beider Seiten“, unterstreicht Kienzlen,

 

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