Keine Mehrheit für Glyphosat-Neuzulassung

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Herbizid Glyphosat
Herbizid Glyphosat

Deutsches Bier mit Herbiziden verunreinigt – diese Schlagzeile ging Anfang des Jahres durch die Medien. Gefunden wurde das Pflanzengift Glyphosat, wenn auch in vergleichsweise geringen Mengen. Schnell entbrannte eine Debatte, ob das Herbizid weiter verwendet werden dürfe. Darüber stimmte jetzt die EU-Kommission ab. Es wurde jedoch keine Einigung erzielt. Nun steht die Neuzulassung des umstrittenes Giftes mehr denn je auf der Kippe. Umweltschützer sprachen von einer herben Niederlage für die Glyphosat-Hersteller.

Am Montag wurde bei der Abstimmung der EU-Mitgliedsstaaten keine eindeutige Mehrheit erzielt. Medienberichten zufolge haben zwar 20 Staaten für eine Verlängerung gestimmt, sieben Staaten enthielten sich jedoch, darunter auch Deutschland. Als einziges Land gegen die Neuzulassung stimmte laut einer spanischen Zeitschrift Malta. Da diese acht Mitgliedsstaaten zusammen mehr als 35 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren, konnte somit keine qualifizierte Mehrheit erreicht werden.

Der Grund für die Enthaltung der deutschen Abgeordneten ist offenbar Uneinigkeit zwischen dem Bundeslandwirtschaftsministerium und dem Bundesumweltministerium. Der Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) kritisierte, nur tatsächliche Forschungsergebnisse sollten die Zulassungsverlängerung beeinflussen dürfen – „und nicht etwa politische Taktik oder Ideologie“. Auch der Industrieverband Agrar e. V. zeigte sich enttäuscht.

„Es ist erschreckend, in welchem Maße politische Erwägungen bei der erneuten Genehmigung des Wirkstoffs Glyphosat eine Rolle spielen. Die Planbarkeit, die Verlässlichkeit und die Wissenschaftlichkeit der Genehmigungs- und Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel und ihrer Wirkstoffe in Europa stehen auf dem Spiel, und das Vertrauen unserer Branche in den Standort Europa hat schon heute Schaden genommen“, kommentiert IVA-Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hingegen sprach von einer „herben Niederlage für die Glyphosat-Hersteller“. Auch andere Umweltschützer zeigten sich zufrieden. So teilte die Organisation Foodwatch mit, solange es wissenschaftliche Zweifel an der Unbedenklichkeit des Mittels gebe, dürfe Glyphosat keine neue Zulassung erteilt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte das umstrittene Pflanzengift vergangenes Jahr als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Die EU-Kommission will heute eine Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen. Wahrscheinlich wird sich nun der EU-Berufungsausschuss mit der Angelegenheit befassen. Dieser besteht ebenfalls aus Vertretern aller Mitgliedsstaaten. Vom Tisch ist die Neuzulassung also noch lange nicht.

Quelle: http://unternehmen-heute.de/news.php?newsid=361414 / http://www.presseportal.de/pm/16070/3346101

 

 

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