Kaum entdeckt und schon gefährdet

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IUCN Rote Liste veröffentlicht

Auf der derzeit stattfindenden Vertragsstaatenkonferenz über die biologische Vielfalt in Cancún hat die Umweltorganisation IUCN ihre jährliche Aktualisierung der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten vorgestellt. Auf ihr befinden sich inzwischen 85.604 Arten, die bedroht sind, über 24.000 von ihnen stehen sogar vor dem Aussterben. Auch 742 neue Vogelarten – frisch entdeckt oder als neue Art anerkannt – gibt es nun weltweit. Davon sind 20 Prozent aber bereits vom Aussterben bedroht. 

Viele Arten würden schon verschwinden, ehe man sie überhaupt näher beschreiben kann. 13 der jüngst entdeckten Arten sind bereits ausgestorben. „Unglücklicherweise heißt die Anerkennung von über 700 neuen Vogelarten nicht, dass es den Vögeln besser geht“, sagte Ian Burfield von der Umweltorganisation BirdLife. „Je mehr wir wissen, desto größer werden unsere Sorgen. Eine Landwirtschaft, die nicht nachhaltig ist, Holzeinschlag, invasive Arten und der illegale Handel drängen immer noch viele Arten ins Aus.“

Die wohl bekannteste Spezies, die nun auf der Liste als höchst gefährdet eingestuft wurde, ist der Graupapagei. Da er die menschliche Stimme perfekt imitieren kann, ist er in Nordamerika, dem Mittleren Osten und auch in Europa sehr beliebt. Eine Studie von Birdlife International konnte nachweisen, dass die Spezies in Teilen ihrer Verbreitungsgebiete um bis zu 99 Prozent zurückgegangen ist. Zu den größten Bedrohungen der Vögel zählen Wildentnahmen durch den Menschen.

Daher entschied bereits im September das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), dass der Graupapagei nicht mehr international gehandelt werden darf. Die Vögel können nur noch aus Nachzuchten gekauft werden.

„Besonders hoch ist der Druck des Käfigvogel-Geschäfts in Südost-Asien, insbesondere auf der Insel Java. So mussten einige nur in Indonesien vorkommende Arten wie Reisfink, Bali-Allfarblori und Gelbwangen-Kakadu deswegen als global gefährdet eingestuft werden”, so Lars Lachmann, Referent für Vogelschutz beim NABU.
Experten sind sich einig, dass wir derzeit das größte globale Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier erleben. Ursache ist der Mensch. Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Wohlstand dürfen nicht weiter zulasten der natürlichen Ökosysteme und Biodiversität des Planeten gehen.
Die Vogelarten sind durch den Menschen in zweierlei Weise gefährdet. Entweder ist das Interesse zu gering oder zu hoch. Rodungen etwa zerstören den Lebensraum der Tiere, Arten wie der Graupapagei erwecken zu viel Interesse und werden als begehrte Handelsware gefangen – und damit immer konkreter gefährdet.

 

Quellen: NABU 
IUCN Rote Liste

 

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