Ist der Klimawandel noch abwendbar?

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Noch könnte die Menschheit Zeit haben, den Klimawandel abzuwenden, zumindest laut des Klimaforschers Mojib Latif.

In 15 Jahren ist Deadline, so die Ansicht des renommierten Klimaforschers Mojib Latif. Gemeint ist der Klimawandel. Er glaubt, die Welt hat noch bis zum Jahr 2030 Zeit, um den globalen Treibhausgas-Ausstoß drastisch zu reduzieren, andernfalls sei der „Point of no return“ endgültig überschritten und die globale Erwärmung um mehr als zwei Grad Celsius gegenüber dem Temperaturdurchschnitt des vorindustriellen Zeitalters nicht mehr aufzuhalten. Andere Wissenschaftler allerdings befürchten, dass uns nur noch weit weniger Zeit bleibt. Die Frage ist: Wer hat Recht?

Prof. Dr. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel forscht seit Jahren im Bereich Klimadynamik. Mit seiner jetzigen Behauptung macht er allerdings das erste Mal eine konkrete Zeitangabe zu dem, was Klimatologen allgemein als „Point of no return“ bezeichnen; dem kritischen Zeitpunkt, bei dem keinerlei Maßnahmen mehr helfen, die globale Erwärmung auf ein Maß von maximal zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu beschränken, das als gerade noch vertretbar vermutet wird. Sollte dieses Maß überschritten werden, drohen der Erde und ihren Lebewesen schnelle und katastrophale klimatische Änderungen, sind sich die meisten Klimaforscher einig. Ein Leben, wie wir es heute kennen, könnte dann schon bald nicht mehr möglich sein – wahrscheinlich würden als direkte Folge Millionen Menschen, Tiere und Pflanzen sterben und ganze Weltregionen weitestgehend unbewohnbar werden.

Latif jedoch hat noch Hoffnung, dass der Erde ein solches Szenario erspart bleiben könnte. Die Kohlendioxidemissionen seien seit Beginn der Verhandlungen zum Klimaschutz Anfang der 1990er zwar um wahnsinnige 60 Prozent gestiegen, im vergangenen Jahr allerdings hätten sie nicht zugenommen, und das trotz des weltweiten Wachstums. Bisher seien die Emissionen immer nur in Zeiten einer Rezession stagniert. Das sei ein Zeichen der Hoffnung, sagte Latif. Hoffnung mache ihm auch, dass China in den vergangenen Monaten weniger Kohle verbraucht und mehr Solarenergie genutzt hat.

Vielleicht sei das ein erstes Anzeichen dafür, dass sich am Ende die bessere Technik und Rationalität durchsetzen. Amerika müsse nun nachziehen, sagte Latif, und kein Geld in Risikotechnologien wie Fracking investieren. Es gebe dort großes Potenzial für die Erneuerbaren, dieses gelte es stärker auszuschöpfen. Es sei noch nicht zu spät. Am Ende könne die Vernunft siegen. Doch dafür müsse die Welt Abstand nehmen vom rein auf Wachstum fokussierten Denken. Wir plündern den Planeten, so Latif. Das müsse aufhören, dann habe die Menschheit noch eine echte Chance, den schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu entgehen.

Doch stimmt das wirklich? Haben wir noch 15 Jahre um endlich aufzuwachen und das Ruder herumzureißen? Nicht alle Wissenschaftler denken so optimistisch wie Latif. Bereits vor Jahren verkündeten Klimatologen, der kritische Punkt stünde unmittelbar bevor. Schon Ende 2009 schrieb die Umweltschutzorganisation WWF, der Welt blieben noch fünf Jahre, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels aufzuhalten. Demnach müsse bis 2014 weltweit eine kohlenstoffarme industrielle Entwicklung eingeleitet werden, um die globale Erwärmung auf nicht mehr als zwei Grad Celsius zu beschränken.

Zwei Jahre später, im Oktober 2011, erschien im Fachmagazin „Nature Climate Change“ eine Studie einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern um den Klimatologen Joeri Rogelj, die verkündeten, die weltweiten Treibhausgas-Emissionen müssten spätestens 2020 ihren Höhepunkt erreichen und danach kontinuierlich abnehmen, um die zwei Grad Marke zu halten.

Der Weltklimarat (IPCC) geht sogar davon aus, dass eine weitere Erderwärmung und die damit verbundenen Auswirkungen bereits jetzt unvermeidlich sind – selbst wenn strikte Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. Der IPCC rechnet, sollte der heutige Trend beibehalten werden, mit einer Erwärmung von durchschnittlich vier Grad Celsius bis zum Jahr 2100, die mit „schwerwiegenden, allgegenwärtigen und unumkehrbaren“ Veränderungen einhergehen wird. Um die zwei Grad Grenze noch zu halten, müsste die Treibhausgaskonzentration nach Ansicht des IPCC bis 2050 weltweit um 40 bis 70 Prozent reduziert werden – ein Ziel, dass bei den meisten Experten als extrem unrealistisch gilt.

Die vielen verschiedenen Prognosen zeigen: Wann es genau so weit sein wird mit der unumkehrbaren globalen Erwärmung um mehr als zwei Grad Celsius, darüber kann anscheinend nur spekuliert werden. In einem sind sich die meisten Klimaexperten jedoch mittlerweile einig: Die menschengemachte globale Erwärmung findet statt und es müssen dringend weltweite Maßnahmen getroffen werden, um ihr entgegenzuwirken und so das schlimmste vielleicht doch noch zu verhindern.

 

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