Ausgebrummt – Wo sind die Insekten geblieben?

,

Insektensterben in Deutschland
Insektensterben: Bestäuberin auf einem Birnbaum in Sichuan @ZDF/Norbert Porta

Weltweit gibt es über eine Million Insektenarten, die abgesehen von Polargebieten und offenen Meeren alle Regionen der Erde bewohnen. Doch während eine Autofahrt in den 80ern in Deutschland noch eine Insekten-verschmutzte Windschutzscheibe für die Autofahrer bedeutete, bleibt es heute sauber. Das Insektensterben ist in vollem Gange. Und trägt weitreichende Konsequenzen mit sich.

Das Insektensterben löst eine Art Kettenreaktion aus, die vor allem auch die Vögel bedroht. Diese finden immer weniger Nahrung und können dadurch weniger Jungvögel großziehen. Nach Angaben der Bundesregierung hat sich die Zahl der Feld- und Wiesenvögel seit 1980 um 57 Prozent verringert. Professor Peter Berthold, ein bekannter Ornithologe empfiehlt der Bevölkerung deswegen: „Hängen Sie das ganze Jahr über Meisenknödel auf, da sonst viele Vögel verhungern. Gerade im Frühling, wenn es auch noch den Nachwuchs zu versorgen gilt.“

Was bedeutet das Insektensterben für den Menschen?

Die Zahl der fliegenden Insekten ist in den letzten fünfzehn Jahren um achtzig Prozenzt gefallen. Fast alle Hummelarten sind in Deutschland bedroht.(Greenpeace Magazin: Klüger essen) Doch nicht nur für Vögel, auch für den Menschen ist der Rückgang der Insekten ein Problem. Denn Bienen und andere Insektenarten bestäuben die Pflanzen, von denen wir uns ernähren. Ein Drittel der Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen, wachsen nur durch Bestäubung. Honigbienen tragen schätzungsweise 80 Prozent zu dieser Bestäubung bei. Damit ist die Ernährung von einer Millionen Menschen in Gefahr. Der Prozess des Insektensterbens entwickelt sich langsam, doch eine Autobahnfahrt macht uns die Ausmaße deutlich.

Gewöhnliches Blutströpfchen (Zygaena filipendula) ©imago/blickwinkel

Was sind die Hauptursachen für das Insektensterben?

Es gibt viele Gründe, die zu dem Rückgang der Insekten beitragen. Am meisten Schuld trägt wohl unsere Art und Weise, Landwirtschaft zu betreiben. Denn sie wird immer intensiver und immer einseitiger. Strukturreiche Landschaften wandeln wir in immer größer werdende Monokulturen um. Biotope und Biodiversitätsinseln gehen verloren. Auch der Einsatz von Pestiziden spielt eine große Rolle. Inzwischen ist es bewiesen, dass Pestizide auf das Gehirn der Insekten Einfluss haben und diese die Orientierung verlieren können. Honigbienen können dann ihren Bienenstock nicht mehr finden und fallen schließlich entkräftet und orientierungslos auf den Boden. Manche fallen dabei auch dem sogenannten Europäischen Bienenwolf Philantus triangulum zum Opfer, der die Bienen für seine Larven jagt.

Europäischer Bienenwolf (Philantus triangulum) ©imago/blickwinkel

Insbesondere die spezialisierten Insekten können sich aufgrund des raschen Klimawandels nicht an die neuen Bedingungen anpassen und sterben aus. Weitere Gründe sind die zunehmende Lichtverschmutzung insbesondere in Städten und das stetig größer werdende Verkehrsaufkommen.

Taubenschwänzchen (Macroglossum Stellatarum) © imago/lackovic

Wie sieht es mit dem Insektensterben in China aus?

In einer Reportage von planet e (ZDF) wird gezeigt, wie die Menschen in der chinesischen Provinz Sichuan fast gänzlich ohne Insekten leben. Bienen gibt es dort nicht mehr. Und daher bestäuben die Menschen dort für einen Hungerlohn mit Hand und Pinsel. In einem Gering-Verdiener Land wie China ist diese Methode durchaus möglich. Die Bauern zeigen sogar einen gewissen Stolz für ihren „innovativen Lösungsansatz“.

Doch wie wird es in ein paar Jahren in Deutschland aussehen? Wenn wir irgendwann zu wenig Bienen und andere bestäubenden Insekten haben, müssen auch wir erfinderisch werden. Die Handbestäubung ist in einem entwickelten Land wie Deutschland allerdings wahrscheinlich zu teuer.

Schachbrettfalter (Melanargia galathea) ©imago/blickwinkel

Weitere Bilder von selten gewordenen Insektenarten in Deutschland findest Du hier.

Hinweis zum Thema Insektensterben:
Auch viele Pflanzenarten sind bedroht und es droht ein Massenaussterben vieler Nutzpflanzen.