Die weltweit ersten Lagunen-Gezeitenkraftwerke

,



Das britische Unternehmen Tidal Lagoon Power will an der Westküste Großbritanniens die weltweit ersten Gezeiten – Lagunenkraftwerke bauen, um nur durch den Wechsel von Ebbe und Flut künftig Millionen Haushalte im ganzen Land mit sauberer Energie zu versorgen. Insgesamt acht der innovativen Gezeitenkraftwerke plant Tidal Lagoon Power (TLP) derzeit und hofft, dadurch die Kohlendioxid-Emissionen Großbritanniens deutlich zu verringern. Könnten derartige Anlagen künftig wirklich eine sinnvolle Ergänzung zu den konventionellen Erneuerbaren Energien wie Wind-oder Solarenergie sein oder gibt es einen Haken an der Sache?

Gezeitenkraftwerke haben gegenüber anderen regenerativen Energieformen einen entscheidenden Vorteil: Anders als Windkraftwerke oder Solaranlagen, die stark abhängig von Umwelteinflüssen wie Windstärke und Sonneneinstrahlung Strom erzeugen, können sie konstant betrieben werden – denn die Gezeiten treten in regelmäßigen Abständen zuverlässig viermal am Tag auf.

Doch herkömmliche Gezeitenkraftwerke haben verglichen mit anderen Erneuerbaren Energien auch einige Nachteile. Denn die bisher gebauten Anlagen funktionieren nach dem Staudamm-Prinzip. Um sie zu errichten und in Betrieb zu nehmen, muss zunächst ein Staudamm oder Deich gebaut werden. Das erfordert zumeist starke Eingriffe ins Landschaftsbild und in die Ökosysteme. Außerdem ist der Bau sehr kostenintensiv – das schlägt sich auch auf den Strompreis nieder und macht Gezeitenstrom vergleichsweise teuer. Aus diesen Gründen gibt es bislang weltweit nur sehr wenige dieser Kraftwerke.

Die Anlagen, die Tidal Lagoon Power (TLP) derzeit plant, benötigen jedoch keinen Staudamm, sondern die Turbinen werden direkt im Meer positioniert. Dazu werden Lagunen genutzt – entweder natürliche oder künstlich geschaffene. Dadurch muss weit weniger in die Natur eingegriffen werden als beim Bau konventioneller Gezeitenkraftwerke.

TLP will für die erste der acht Anlagen, die im englischen Swansea an der Nordküste des Bristolkanals entstehen soll, eine künstliche Lagune schaffen. Durch die Meeresströmungen, die in der Lagune bei Ebbe und Flut entstehen, werden die Turbinen angetrieben und so bis zu 14 Stunden am Tag Strom erzeugt. TLP gab bekannt, diese erste Anlage diene vor allem als Machbarkeitsstudie für die darauffolgenden, weit größeren Kraftwerke.

Dennoch ist bereits das erste Kraftwerk ein Projekt der Superlative: Der Bau wird etwa 1,4 Milliarden Euro kosten. Allein die Mauer, die die künstliche Lagune umschließt, wird nach Fertigstellung etwa neun Kilometer lang. Im 550 Meter großen Turbinenhaus erzeugen 26 Turbinen mit einem Durchmesser von sechs Meter bis zu 320 Megawatt Strom – das ist laut TLP genug um 155.000 britische Haushalte mit Energie zu versorgen. Sollte der Bau wie geplant diesen Juni genehmigt werden, könnte das Kraftwerk bereits 2018 in Betrieb gehen.

Doch bislang ist fraglich, ob die Lagunen-Gezeitenkraftwerke langfristig eine echte Alternative zu den herkömmlichen Erneuerbaren Energien darstellen können. Denn die Auswirkungen auf die Ökosysteme und Lebewesen im Meer sind noch nicht ausreichend untersucht und bergen möglicherweise Risiken. Außerdem ist auch der Strom aus den neuen Anlagen verglichen mit Solar- oder Windkraft sehr teuer. Für Strom aus dem Swansea-Kraftwerk müssen Verbraucher künftig 168 Britische Pfund (230 Euro bei aktuellem Wechselkurs) für eine Megawattstunde zahlen (also etwa 23 Cent pro Kilowattstunde). Der Strompreis aus dem zweiten geplanten Kraftwerk vor der Küste Cardiffs soll allerdings günstiger werden. Diese Anlage soll wesentlich größer werden und könnte im Jahr 2022 erstmals Strom erzeugen.

 

Trotz der vergleichsweise hohen Stromkosten ist TLP überzeugt von dem Vorhaben. Die acht Kraftwerke sollen nach Fertigstellung zusammen acht Prozent des britischen Strombedarfs decken – und das über die nächsten 120 Jahre, schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Außerdem würden durch die Kraftwerke Millionen Tonnen CO2 eingespart. Allein durch das Swansea-Projekt über 236.000 Tonnen im Jahr, prognostiziert TLP. Damit wären die Lagunen-Gezeitenkraftwerke zumindest für den Klimaschutz ähnlich erfolgreich wie die konventionellen Erneuerbaren Energien.

 

Leave a Reply