Ikea will eine Milliarde in Klimaschutz investieren

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Ikea plant im Zuge seiner neuen Nachhaltigkeitsstrategie eine Eine-Milliarde-Investition in verschiedene Klimaschutzprogramme.

Die schwedische Möbelhauskette Ikea will offenbar eine Milliarde Euro in Klimaschutzprojekte investieren. Davon sollen 400 Millionen Euro an Entwicklungsländer gehen, um dort die Menschen, die bereits heute unter den Folgen des Klimawandels leiden, zu unterstützen, teilte die Stiftung Ikea Foundation vergangene Woche mit. Weitere 600 Millionen Euro will Ikea in Erneuerbare Energien stecken, das meiste davon in Windkraftanlagen. 

Ikea will investieren, und das nicht zu knapp. Vergangene Woche teilte der Möbelgigant auf der Website seiner Stiftung „Ikea Foundation“ mit, insgesamt eine Milliarde in Klimaschutzprogramme stecken zu wollen. Die Ikea Foundation engagiert sich seit Jahren für sozial schwache Regionen und unterstützt dort vor allem notleidende Kinder immer wieder mit großen Summen. Die Stiftung selbst gibt an, seit 2009 mehr als 170 Millionen Kindern weltweit geholfen zu haben.

Im Zuge der neuen Nachhaltigkeitsstrategie der Ikea-Group wird nun offenbar der Klimaschutz ins Visier genommen. 400 Millionen Euro fließen demnach bis 2020 in Gemeinden in den Ländern, die bereits heute von den Folgen der rasch voranschreitenden globalen Erwärmung betroffen sind. Ikea schrieb, der Klimawandel und dessen Folgen sei von vielen armen Familien auf der Welt alleine nicht zu bewältigen. Genau diesen Menschen wolle die Ikea Foundation mit der großen Summe helfen. Wie genau die Menschen ausgewählt werden, die Hilfen aus dem Millionenpaket bekommen, und wie das Geld letztendlich zu den Hilfsbedürftigen kommt, gab der Konzern bislang allerdings noch nicht bekannt. Medienberichten zufolge sollen Teile der Summe in den Ausbau von Technologien zur sauberen Energieerzeugung in Schulen, Häusern und Büros in den betreffenden Gemeinden fließen.

Der Präsident und CEO der Ikea-Group Peter Agnefjäll sagte zu der geplanten Milliardeninvestition: „Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen der heutigen Welt. Wir brauchen mutiges Engagement und Handeln, um eine Lösung zu finden.“ Ikea wolle sein Geschäft wandeln, um sicherzustellen, dass es zukunftsträchtig sei und der Konzern etwas gutes bewirken könne, sagte er weiter. Dazu sollen nicht nur Gelder in arme Regionen fließen, sondern auch große Summen in den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Bereits seit 2009 habe Ikea 1.5 Milliarden Euro in den Ausbau von Windparks und Solarfarmen gesteckt, so hieß es. Nun sollen weitere 600 Millionen Euro folgen.

Das Ziel der Möbelhauskette ist es, völlig energieautark zu werden und sämtliche mit dem Konzern in Verbindung stehenden Gebäude und Anlagen mit 100 Prozent regenerativer Energie zu betreiben. Schon heute besitzt und betreibt Ikea eigenen Angaben zufolge 314 Windkraftanlagen und hat 700.000 Solarmodule auf den Dächern seiner Gebäude installiert. Von den 600 Millionen Euro werde der Großteil (500 Millionen Euro) in Windenergie investiert und 100 Millionen in den Bau weiterer Solaranlagen, schrieb die Ikea Foundation. Außerdem wolle Ikea ab sofort nur noch sparsame LED Lichter verkaufen, sagte Konzernchef Agnefjäll.

Eine Milliarde Euro – eine große Summe selbst für einen Weltkonzern wie Ikea. Auf den Preis seiner Möbel wirke sich das künftige Engagement und die damit verbundenen Millioneninvestitionen allerdings nicht aus, versichert Agnefjall. Im Gegenteil, die Investitionen werde „gut für die Kunden, gut für das Klima und gut für Ikea sein“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Gut für Ikea? Viele große Konzerne verfolgen in den letzten Jahren eine besonders „grüne“ Strategie. Mit Sicherheit nicht nur aus Uneigennützigkeit. Oft sind es gerade Imagegründe, die Unternehmen zu diesem Konzept bewegen. Diesen Gedanken hatte wahrscheinlich auch Ikea. Eine interne Umfrage im vergangenen Jahr ergab, dass nur 41 Prozent der Ikea-Kunden finden, der Konzern übernehme soziale und ökologische Verantwortung. Das Ziel Ikeas bis 2015 ist es jedoch, 70 Prozent der Kunden zu dieser Meinung zu bewegen – dazu muss offenbar noch einiges getan werden.

Zwar war die schwedische Möbelhauskette eine der ersten, die günstige LED- und CFL-Leuchten angeboten hat, und mit der Ikea Foundation wird in der Tat viel für sozial schwache Gruppen getan, allerdings gab es in der Vergangenheit einige Aufreger, was die Versorgungskette des Konzerns anbelangt. So wurde Anfang 2014 bekannt, dass einige der Hölzer der Ikea-Möbel von Bäumen aus russischen Schutzzonen stammten, die eigentlich nicht hätten gefällt werden dürfen. Außerdem wurden unter anderem bei Ikea verkaufte indische Teppiche offensichtlich in Kinderarbeit hergestellt, so zumindest das Ergebnis der Studie „Tainted Carpets“ der Harvard School of Public Health vom Mai 2014.

Doch was auch immer die Beweggründe für die Milliardeninvestition sein mögen, das Engagement und die Investitionsfreude der Ikea-Group ist ein wichtiger Schritt für mehr Klimaschutz, eine vorbildliche Hilfemaßnahme für die bereits heute stark vom Klimawandel betroffenen Menschen und auch ein klares Zeichen in Richtung Weltpolitik. Denn immer mehr Konzerne fordern mittlerweile von den Nationen die Verringerung der Treibhausgas-Emissionen. So haben sich laut einer Pressemeldung 106 Konzerne aus allen Branchen der Initiative „We Mean Business“ angeschlossen. Dazu zählen neben Ikea beispielsweise der japanische Autohersteller Nissan, der Versicherungskonzern Axa und der französische Energiekonzern EDF. Aus Deutschland sind unter anderem die Commerzbank, die Tui-Group und SAP dabei.

„Wir wollen ein weltweites Klimaabkommen, das erreicht, dass der Ausstoß von Treibhausgasen deutlich vor Ende des Jahrhunderts auf Null reduziert wird“, sagte Nigel Topping, Vorstandschef der Initiative „We Mean Business“ am Sonntag. Es müsse bei der UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember ein starkes Abkommen geben. Darin sollten alle Länder aufgefordert werden, Wege für einen Verzicht auf fossile Energieträger bis 2050 aufzuzeigen. Ikea und die anderen Konzerne könnten demnach der Wegweiser für eine Zukunft mit einer 100 Prozent Erneuerbaren Energieversorgung sein. Ob die Weltpolitik diesem Weg auch folgt, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen.

 

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