IEA-Bericht: 60 Prozent Erneuerbare bis 2030

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Bis 2030 könnte der Anteil der Erneuerbaren am weltweiten Strommix 60 Prozent erreicht haben, so die Prognose der IEA.
Bis 2030 könnte der Anteil der Erneuerbaren am weltweiten Strommix 60 Prozent erreicht haben, so die Prognose der IEA.

Laut des am Montag von der Internationalen Energieagentur (IEA) veröffentlichten „World Energy Outlook Special Report on Energy and Climate Change“ könnte der Höhepunkt der energiebedingten Treibhausgas-Emissionen bereits 2020 erreicht werden und die Erneuerbaren Energien innerhalb der nächsten 15 Jahre die fossile Energieerzeugung als weltweit wichtigste Stromquelle ablösen. Bis 2030 könnte Ökostrom sogar einen Anteil von 60 Prozent am globalen Strommix erreichen. Nur so sei das beim G7-Gipfel erneut untermauerte Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. Der Weltklimagipfel in Paris müsse deshalb unbedingt ein Erfolg werden, denn den Klimawandel können die Nationen nur gemeinsam bekämpfen, so die IEA.

Das Zwei-Grad-Ziel wird mit den bisher geplanten Maßnahmen verfehlt werden. Zu diesem Urteil kommt nun auch die IEA. Zwar seien die aktuelle geplanten Schritte der internationalen Staatengemeinschaft zumindest „hilfreich“, jedoch werde sich die Erde so bis zum Ende des Jahrhunderts um mindestens 2,6 Grad erwärmen und die Temperatur anschließend weiter steigen. Das dürfte nach Ansicht vieler Experten bereits zu viel sein, um weitreichende Auswirkungen auf das Leben auf dem Planeten zu verhindern. Neuesten Studien zufolge könnte es sogar bei einem Anstieg von „nur“ zwei Grad, wie aktuell von den G7-Nationen erneut verbindlich beschlossen, bereits deutlich häufiger mit Wetterextremen wie ausgeprägten Hitzewellen und heftigen Niederschlägen kommen. Extreme Folgen, die bei einer globalen Erwärmung von rund vier Grad wahrscheinlich zu erwarten wären, würde jedoch wahrscheinlich ausbleiben. Umso wichtiger, dass zumindest das Zwei-Grad-Ziel erreicht wird.

Das ist sogar noch durchaus noch Realistisch, verkündete die IEA in ihren am Montag erschienenen Bericht. Doch dazu bedürfe es jedoch ambitionierter zusätzlicher Maßnahmen, auf die sich die internationale Staatengemeinschaft im Dezember in Paris einigen müsse. Wie diese Maßnahmen zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels aussehen müssten, hat die IEA errechnet. Demnach hänge alles davon ab, dass sich die Länder beim Weltklimagipfel darauf einigen, bei Ausstoß von Treibhausgasen im Jahr 2020 den Höhepunkt zu erreichen. Das könne möglich sein, sogar ohne wirtschaftliche Kosten zu verursachen oder die entwicklungspolitischen Aussichten einer Region zu verändern, schrieb die IEA. Zur Realisation dieses Ziels müsse vor allem im Energiesektor angesetzt werden. Dort werde doppelt so viel Treibhausgas produziert wie in allen anderen Sektoren zusammen. „Jedes Abkommen, das in Paris erzielt wird, muss sich auf den Energiesektor konzentrieren, andernfalls könnte der Weltklimagipfel als Fehlschlag angesehen werden, sagt auch IEA-Chef-Ökonom Fatih Birolin seiner Rede zur Veröffentlichung der IEA-Berichts am Montag.

Nach Ansicht der IEA bedarf es also einer globalen Energiewende, weg von fossiler Energieerzeugung, um das Zwei-Grad-Ziel zu halten. Und die ist durchaus im Bereich des Möglichen. Zum ersten Mal hätten die weltweiten Emissionen 2014 nicht zugenommen, obwohl die Weltwirtschaft um drei Prozent gewachsen sei, so die IEA. Das sei ein gutes Zeichen. „2030 können 60 Prozent der Stromerzeugung aus Erneuerbaren kommen“, sagte Birolin. Auch die G7-Nationen haben sich letzte Woche in den bayerischen Alpen auf diese globale Energiewende geeinigt (CEP berichtete). Dabei war von einer Dekarbonisierung der Energiewirtschaft die Rede. Allerdings erst im Laufe dieses Jahrhunderts. Nach Ansicht der IEA ist es jedoch wichtig, diese weltweite Wende möglichst schnell vollzogen wird, auch aus wirtschaftlicher Sicht. IEA Executive Director Maria van der Hoeven sagte dazu:

„Wie die IEA Analysen wiederholt gezeigt haben, wird es von Jahr zu Jahr schwieriger und teurer, die Treibhausgas-Emissionen zu verringern. Zeit ist hier der entscheidende Faktor. Klar ist, dass der Energiesektor der Bereich ist, der künftig über den Erfolg oder Misserfolg dieser Emissions-Minderung entscheiden wird. Immer mehr Nationen kommen darin überein, dass es Zeit ist zu handeln. Es muss jedoch ebenfalls sichergestellt werden, dass die beschlossenen Maßnahmen zielführend sind und vor allem auch eingehalten werden“.

Doch was könnten diese zielführenden Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen im Energiesektor sein? Auch mit dieser Frage hat sich die IEA in ihrem aktuellen Bericht befasst. Grundlegend gehe es um die Einhaltung bzw. Umsetzung von fünf Schlüsselfaktoren, schreibt die IEA. Zum einen müsse die besonders schmutzige Stromerzeugung mit Kohle deutlich reduziert und keine neuen Anlagen mehr errichtet werden. Außerdem sei es wichtig, die Energieeffizienz sowohl in der Industrie, als auch im Gebäude- und Transportsektor maßgeblich zu verbessern. Die Investitionen den Ausbau der Erneuerbaren müsse von 270 Milliarden Dollar im Jahr 2014 auf 400 Milliarden Dollar im Jahr 2030 steigen. Subventionen im Bereich fossile Energien für Verbraucher müssen bis 2030 langsam abgeschafft werden und Methan-Emissionen in der Öl-und Gas-Industrie deutlich reduziert werden.

„Die grundlegende Veränderung des globalen Energiesystems muss eine gemeinsame Vision werden, wenn das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden soll. Diese große Herausforderung ist einschüchternd, doch die IEA-Analyse hat gezeigt, auf welche Weise diese Veränderung gestaltet werden kann. Die Dekabonisierung der Energiewirtschaft kann letztendlich nur gemeinsam erreicht werden“, sagte Maria van der Hoeven abschließend.
 

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