ICCT: Autobauer nutzen Schlupflöcher bei Abgastests aus

,

Abgaswerte
Abgaswerte

Spätestens seit dem VW-Abgasskandal wissen wir: Die Abgaswerte vieler Fahrzeuge schneiden bei Tests deutlich besser ab als im Realbetrieb. VW benutzte eine illegale Software zur Schönung der Ergebnisse im Labor. Anderen Top-Autokonzernen konnte bisher zwar keine illegale Abschalt-einrichtung nachgewiesen werden, dennoch sind die Werte bei Abgastests auf dem Prüfstand meist viel besser als auf der Straße. Laut dem Forschungsinstitut ICCT nutzen die Hersteller dazu „systematisch“ Schlupflöcher bei Tests, mit denen sie die offiziellen Angaben zu Abgas- und Verbrauchswerte deutlich verbessern. Und das bislang völlig legal.

Eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) beweist jetzt, dass viele Autobauer Schlupflöcher bei Zulassungstests „systematisch“ ausnutzen, um die Angaben zum Kraftstoffverbrauch und den Abgaswerten von Neuwagen nach oben korrigieren zu können. Demnach sei ungefähr ein Drittel der festgestellten Abweichungen zwischen Laborergebnissen und realem Straßenverkehr auf legale Tricksereien im Rahmen der sogenannten Ausrollversuche zurückzuführen, so das ICCT.   {module Jobs}

Bei diesen Versuchen wird unter anderem der Reibungs- und Luftwiderstand eines Neufahrzeugs ermittelt. Dazu wird das Auto auf einer abgesperrten, ebenen Teststrecke zunächst beschleunigt und rollt dann aus. Dieser Test beeinflusst die Verbrauchs- und Abgaswerte der Neufahrzeuge maßgeblich, so das ICCT. Der Grund: Die ermittelten Daten werden von den Konzernen verwendet, um den Fahrtwiderstand bei den offiziellen Zulassungstests im Labor zu simulieren.

Und so funktioniert der „Trick“: Ist der Fahrtwiderstand gering, muss das Fahrzeug weniger Energie zu dessen Überwindung aufbringen. Deshalb ermitteln die Konzerne für die Neuwagen einen möglichst niedrigen Fahrtwiderstand. Dann werden die Autos mit entsprechend angepasster Motorleistung im Labor geprüft. Das Ergebnis ist ein Top-Verbrauchs- und Abgaswert. Im Straßenverkehr, wo der Fahrtwiderstand deutlich größer ist, fallen die Werte später viel schlechter aus. Das ICCT schreibt, die tatsächlichen Abgas- und Verbrauchswerte europäischer Neuwagen hätten im Jahr 2014 durchschnittlich um 40 Prozent höher gelegen als auf dem Prüfstand.

Das IPCC hat insgesamt 29 PKW der Modelljahre 2009-2012 hinsichtlich der offiziellen Fahrtwiderstände untersuchen lassen. Bei 19 Modellen lagen zudem Werte von unabhängigen Prüfstellen vor. Bei allen 19 Autos waren die von unabhängiger Stelle ermittelten Fahrtwiderstände weit größer als bei den Ausrolltests der Autobauer. Das Ergebnis: Der offizielle Kraftstoffverbrauch sowie der offizielle CO2-Wert waren aufgrund der unrealistischen Angaben zum Fahrwiderstand zwischen 0,7 % und 14,5 % niedriger als unter Realbedingungen.

Das ICCT schreibt: „Die Studie zeigt einen wichtigen Unterschied zwischen der Transparenz der Genehmigungs-verfahren in der EU und den USA. Während die Daten der Ausrolltests in den USA öffentlich zugänglich sind, werden sie in der EU als streng vertrauliche Informationen behandelt und können derzeit nur in Ausnahmefällen von Dritten eingesehen werden. Das macht es nahezu unmöglich für unabhängige Stellen, die offiziellen Angaben zu den Straßen-Fahrtwiderstände gegenzuprüfen”. Zudem zeige die Studie klare Defizite im aktuellen Prüfverfahren für Neuwagen. Diese sollten dringend behoben werden, fordert das ICCT.

Das ICCT hatte Mitte 2015 den VW-Abgasskandal ins Rollen gebracht, indem es die US-Umweltbehörde EPA über die extremen Abweichungen zwischen Labortests und Straßenverkehr informierte. Die aktuelle Studie zeigt, wie geschickt die Autobauer ganz legal Schlupflöcher ausnutzen, um die Werte zu schönen. Abschalteinrichtungen wie bei VW sind da gar nicht nötig.

Quelle: IPCC

 

Leave a Reply