Helsinki: Staubsaugersystem ersetzt Müllabfuhr

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Green Lifestyle
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In einem Stadtteil der finnischen Hauptstadt Helsinki hat die Müllabfuhr ausgedient. Dort wird der Müll der Einwohner durch ein ausgeklügeltes System von Rohren vollautomatisch zu Sammelstationen „gesaugt“. Das habe eine ganze Reihe von Vorteilen gegenüber herkömmlicher Müllentsorgung, sagen die Verantwortlichen. Außerdem soll der angesaugte Restmüll künftig sogar die Häuser in der Umgebung mit Energie versorgen. Green Lifestyle mal anders: Der Mega-Sauger „Rööri“.

Ohne die Müllabfuhr würde es fast überall auf der Welt bald zum Himmel stinken. Gerade im Sommer sind wir auf die Männer und Frauen in Orange und ihre Arbeit dringend angewiesen. Stinkender Bio- und Restmüll in den Straßen und überquellende Mülltonnen – bei 30 Grad im Schatten ein nicht zu übersehendes und riechendes Ärgernis, das Ungeziefer anzieht wie Motten das Licht. Die städtischen Müllentsorgung ist, auch wenn der Job bei vielen Menschen nicht sehr beliebt ist, demnach ein zwingend notwendiges und sehr wichtiges Berufsfeld.

Ein Berufsfeld jedoch, dass zumindest in einem Stadtteil Helsinkis der Vergangenheit angehört. Dort hat die Stadt ein Müllentsorgungssystem installiert, das es in dieser Größenordnung so nicht nicht gibt. Durch ein System von Rohren wird der Müll der Einwohner des Stadtteils Kalasatama jetzt mit rund 70 km/h direkt von den öffentlichen Mülltonnen zu Sammelstellen gesaugt. Der Riesenstaubsauger mit dem niedlich klingenden Namen „Rööri“ bietet dabei eine ganze von Vorteilen gegenüber der herkömmlichen Müllentsorgung:

Vorbei die Zeiten, in denen man morgens um 6 Uhr von lauten Müllwagen geweckt wird. Keine üblen Gerüche in der Nachbarschaft mehr, wo der Müll seit Tagen auf seine Abholung wartet. Auch Schädlinge, Insekten und Ratten, die Müllsäcke anknabbern um an den für sie so verlockend duftenden Abfall zu kommen, sind mit Rööri Geschichte. Stattdessen wird der Müll einfach in Säcke verpackt, in die passende Tonne geschmissen und kurze Zeit später erledigen sich die Probleme mit Geruch und Ungeziefer wie von selbst.

Das Müllentsorgungssystem ist dabei nicht nur für die Einwohner, sondern auch für die Umwelt sinnvoll. Darauf legten die Städteplaner Kalasatamas besonderen Wert. Bis 2030 sollen dort rund 20.000 neue Wohnungen entstehen – auf ein grünes Image soll dabei nicht verzichtet werden. Den Bewohnern wurden vorab Infobroschüren ausgehändigt. Zu achten sei besonders auf die korrekte Mülltrennung: Biomüll, Restmüll, Papier und Pappe. Denn vor allem mit dem Restmüll hat die Stadt große Pläne:

Der soll künftig dazu verwendet werden, die Häuser der Einwohner zu heizen. Dazu wird er, so zumindest sieht es die Planung vor, künftig nicht mehr an die Sammelstationen gehen, sondern direkt in die Deponie. Dort wird er verheizt und die so erzeugte Energie in Form von Elektrizität wieder an die Wohnungen im Stadtteil verteilt. Damit Rööri außerdem nicht zu viel Strom verbraucht, wird der Müll nur zweimal täglich abgesaugt. So wird insgesamt deutlich weniger Energie verbraucht als mit der herkömmlichen Müllabfuhr. Auch vorbei sind die Zeiten von stinkenden Abgasen der Müllwagen, die die Luft verpesten. 

Rööri ist das bisher größte derartige Müllentsorgungssystem der Welt. 15 Millionen Euro hat es die Stadt Helsinki bisher gekostet, schätzt Jarmo Mattila, der Projektleiter von Rööri beim Umweltunternehmen IMU. Kosten, die künftig noch deutlich höher ausfallen werden, denn das System soll auch in anderen Stadtteilen zum Einsatz kommen. In den nächsten Jahren sollen weitere ehemalige Hafenviertel ausgebaut werden, um den knappen Wohnraum in der finnischen Hauptstadt zu erweitern. Insgesamt, so schätzt Mattila, wird das neue System Helsinki rund 45 Millionen Euro kosten.

Doch er ist überzeugt, dass sich die Investition für die Stadt lohnt, nicht nur wegen der Vorteile für Umwelt und Einwohner. Er glaubt, dass „das System nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch viel günstiger ist. Wir brauchen in Zukunft keine Müllabfuhr mehr und auch keine Müllwagen, die die engen Straßen von Kalasatama verstopfen und dadurch Verkehrslärm verursachen.“

Obwohl das System bereits weltweit Anwendung findet und deutliche Vorteile gegenüber herkömmlicher Müllentsorgung aufweist, wird es in Deutschland wahrscheinlich erst mal keinen Mega-Sauger geben. Hier herrschen weiter die Männer und Frauen in Orange und ihre Müllabfuhr. Doch wer weiß, vielleicht erkennen die Verantwortlichen auch hier irgendwann einmal die Vorteile des Systems. Die Umbaukosten wären jedoch wahrscheinlich astronomisch. Außerdem würden tausende Arbeitsplätze wegfallen – es wäre das Ende der traditionellen Müllabfuhr.

Quelle: Die Welt

 

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