Hanf als Nutzpflanze wiederentdecken

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Hanf, ein zukunftsträchtiger Rohstoff mit Tradition
Nutzhanf in Südtirol © Malchus Kern

“Gebt das Hanf frei!” klingt nach einem Spruch aus den 60er Jahren, doch hört man diesen Spruch immer öfter auch aus ganz anderen Bereichen. Denn der Anbau von Nutzhanf ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Es gibt kaum etwas, was an dieser Pflanze nicht verwendet werden kann.

Als Nahrungsmittel können Samen, Hanföl oder Blätter als Tee verwendet werden, die Fasern können zu Papier, Dämmstoffen, Formpressteilen in der Automobilindustrie und Stoffen verarbeitet werden. Nicht zuletzt findet Hanf Nutzen in der Landwirtschaft als Futtermittel für Schweine, Fische und Vögel, und als Einstreu, Mulch oder Gründüngung. Doch damit nicht genug. Als einjährige Pflanze liefert Hanf auf derselben Fläche nicht nur 4-5 mal soviel Papier wie Wald. Außerdem kann Hanfpapier wegen der hohen Reißfestigkeit auch öfters recycelt werden. Hanf wächst extrem stark und robust, benötigt keine Pflanzenschutzmittel, kaum Unkrautbekämpfung und verbessert die Böden durch sein tiefes Wurzelsystem.

In Deutschland führt Hanf mit einer geschätzten Anbaufläche von 500 Hektar ein Schattendasein. Anders sieht es in unseren Nachbarländern aus. Weil das Interesse an Hanfsamen so groß ist, wird das Österreichische Unternehmen “Hanfland” seinen Auszahlungspreis an die Landwirte um 20% erhöhen. In Brixen (Südtirol) hat die Stadt ein “Hanflabyrinth” anlegen lassen. Zum einen, um über diese Pflanze aufzuklären, zum anderen als Ort der Entspannung und Ruhe – ganz ohne Rausch. Und die Dorfgemeinschaft “Hanfthal” im nördlichen Weinviertel Österreichs hat sich ihren Namen zur Vermarktung eigen gemacht; im Hanfmuseum und auf dem Hanflehrpfad lässt sich Hanf erkunden, beim Hanfwirt gibt es Wein, der mit Hanfblüten aromatisiert ist und beim Dorfbäcker kann man Hanfspezialitäten verkosten.

Hanf – eine nachhaltige Nutzpflanze

Hanf ist nachhaltig, auch für Insekten
Nutzhanf: Auch für Insekten nützlich © Malchus Kern

Als Rauschmittel verschrien, ist der Anbau von Hanf in Deutschland Landwirten nur nach vorheriger Genehmigung und unter strengen Auflagen erlaubt. Landwirte müssen den Anbau beim Landwirtschaftsamt melden. Außerdem müssen sie die Herkunft des Saatguts und die gesäte Menge pro Hektar angeben. Auch die Blüten werden von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung auf Tetrahydrocannabinol untersucht. Werden die Grenzwerte nicht überschritten, darf geerntet werden. Immer mehr Landwirte lassen sich davon nicht abschrecken, ist Hanf doch eine der vielseitigsten und nachhaltigsten Nutzpflanzen, die auch in Europa gut gedeiht. Und weil die Nachfrage nach Produkten aus heimischer Produktion steigt, steigen auch die Preise.

Malchus Kern schreibt als Freier Autor über Nachhaltigkeit, insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und digitale Innovationen. Auf seinem Balkon versucht er sich an Selbstversorgung.

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