Grüne Hauptstadt 2017: Essen

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Green Capital Essen
Essen 2017. Europas grünste Stadt ©Johannes Kassenberg

Die Stadt Essen ist seit dem Wochenende offiziell „Grüne Hauptstadt Europas“.  Der beeindruckende Wandel von der Kohle- und Stahlindustriestadt zur grünsten Stadt Nordrhein-Westfalens zeigt einen erfolgreichen Strukturwandel in Essen und Umland. 

Mehr als zwei Drittel der europäischen Bevölkerung leben in städtischen Gebieten. Daher ist die Bewältigung ökologischer  Herausforderungen für die Gesundheit und das Wohlergehen der Bewohner ein wichtiges Thema. Städte „grün und gesund“ zu machen, erfordert dabei weit mehr als eine Verringerung der CO2-Emissionen. Gefragt sind ganzheitliche umwelt- und energiepolitische Konzepte, da das städtische Ökosystem mit Komponenten des sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Städtesystems verknüpft sind. Der European Green Capital Award belohnt die Bemühungen und das Engagement für die Verbesserung der städtischen Umwelt und fördert das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Umweltveränderungen auf städtischer Ebene.

Essen wurde als Vorbild für eine nachhaltige Stadtentwicklung ausgezeichnet und soll durch den Austausch und die Förderung bewährter Praktiken, die in dieser deutschen Stadt erfolgreich erprobt wurden, andere Städte unterstützen. Bereits heute leben 95% der Bewohner Essens in einem 300m Umkreis von grünen Stadtgebieten.

Neben solchen Erfolgen bei der nachhaltigen grünen Entwicklung präsentierte die Stadt auch ehrgeizige Ziele für die Zukunft, darunter:

Mehr Fahrradfahren bis 2035
Bis 2035 will Essen den Radverkehr um 25% steigern © Jochen Tack
  • Das Senken der CO2-Emissionen bis 2020 um 40%
  • 128.000 m² Fahrbahn mit geräuschoptimiertem Asphalt
  • Ein Wassermanagementsystem mit multifunktionalen Grünflächen für die Regenwasserbewirtschaftung, Hochwasserschutz und Grundwasserneubildung. Es soll verhindern, dass in mindestens 15% des von den Abwasserkanälen bedienten Gebietes Regenwasser in das gemeinsame Kanalnetz gelangt
  • 376 km Radwege: Steigerung des Radverkehrs um 25% bis 2035
  • Die Schaffung von 20.000 Arbeitsplätzen im Umweltbereich bis 2025
  • Ein Recyclingziel von 65% bis 2020.

„Erlebe dein Grünes Wunder“

Im Rahmen des Europäischen Green-Capital-Programms 2017 plant Essen über 300 Bürgerprojekte und -veranstaltungen, welche die Lebensqualität der Stadt weiter verbessern und die Nachhaltigkeit ins Zentrum der Entwicklungsprogramme der Stadt setzen.

So zum Beispiel in der Ausstellung „von grün zu grau zu grün +“, die zeigt, dass nicht nur Essens Zukunft, sondern auch ihre DNA grün ist. In drei Überseecontainern ist die Geschichte Essens von der Ära des Äbtissinnen-Stifts um 1620 über die Zeit der Industrialisierung um 1920 bis in die Gegenwart und Zukunft in Scherenschnittkulissen zu sehen – begleitet durch originalgetreue Klanginstallationen.

“Unser Motto für 2017 lautet ‚Erlebe dein Grünes Wunder‘. Wir möchten die Menschen aus Europa und der Welt einladen, uns 2017 zu besuchen und ihr ganz persönliches Grünes Wunder zu erleben. Unsere Stadt hat viel Überraschendes zu bieten […]“, betonte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen.

Die beiden Flüsse, die durch Essen fließen, sind wichtige Bestandteile des Grünen Hauptstadt-Jahres: Die Emscher, einst Abwasserfluss des Ruhrgebiets, wird derzeit von der Emschergenossenschaft im Rahmen eines Jahrhundertprojektes noch bis 2020 renaturiert, in der Ruhr darf ab Mai wieder offiziell an einer Badestelle am Baldeneysee geschwommen werden.

Die Mobilität der Zukunft steht in 2017 vielfach im Mittelpunkt – zum Beispiel der Fahrradverkehr. „Bike Beats“ verlieh am Wochenende genau diesem Verkehrsmittel Gehör: ein ganzes Fahrradorchester erzeugte Töne mit Sätteln, Speichen, Luftpumpen und Klingeln.

Auch die Themen Klima- und Energiewandel, nachhaltiges Essen und Gärtnern in der Stadt spielen im Grünen Hauptstadt-Jahr eine Rolle. Die Aktion ‘Mein Grün und ich’ zeigt, wie sich die Menschen in Essen mit ihrer Grünen Hauptstadt identifizieren: Einem Aufruf der Stadt, Fotos ihrer persönlichen grünen Orte in Essen einzureichen, folgten zahlreiche Hobbyfotografen sodass eine Ausstellung mit 155 Bildern entstand.

Grüne Hauptstadt Europas

Der European Green Capital Award zeichnet jedes Jahr eine Stadt für besonders umweltfreundliches urbanes Leben aus. Eine Gruppe unabhängiger Experten bewertet die Leistungsfähigkeit der konkurrierenden Städte anhand von 12 Umweltkriterien: Klimawandel, Emissionssenkung und Anpassung; lokales Verkehrswesen; städtische Grünflächen unter Berücksichtigung nachhaltiger Landnutzung; Natur und biologische Vielfalt; Luftqualität; Qualität des Lärmschutzes; Abfallerzeugung und -bewirtschaftung; Wasserbewirtschaftung; Abwasserbehandlung; Öko-Innovation und nachhaltige Beschäftigung; Energieeffizienz; und integriertes Umweltmanagement. Hinzu kommen das generelle Engagement bei der laufenden Verbesserung der Umwelt, die nachhaltige Entwicklung sowie die Kommunikationsfähigkeiten und Vorbildfunktion der Stadt, indem sie bewährte Praktiken für den Einsatz präsentiert. Bisher wurden neun Städte mit dem Titel “Europäische Grüne Hauptstadt” ausgezeichnet. Stockholm (Schweden) gewann den ersten Titel, gefolgt von Hamburg im Jahr 2011, Vitoria-Gasteiz (Spanien) 2012, Nantes (Frankreich) 2013, Kopenhagen (Dänemark) 2014, Bristol (UK) 2015, Ljubljana (Slowenien) 2016 und 2017 geht der Titel nach Essen.

Quelle und weitere Informationen: https://www.essengreen.capital

 

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