Großbritannien legalisiert Fracking in Naturschutzgebieten

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Großbritannien will Fracking auch in Naturschutzgebieten

Die Regierung Großbritanniens konnte sich lange nicht entscheiden. Während die Minister erst Ende Januar von einem generellen Frackingverbot in Nationalparks sprachen und sich damit die hinter die Öffentlichkeit stellten, fand nun zum wiederholten Mal ein völliger Kurswechsel statt. Plötzlich heißt es: Auch unter Nationalparks und anderen Schutzgebieten soll die umstrittene Methode zur Schiefergasgewinnung künftig erlaubt sein – solange die Bohrungen außerhalb der jeweiligen Gebiete beginnen. Die englische „Grünen“ Politikerin Caroline Lucas sagte, die Verantwortlichen würden damit die Drecksarbeit für die Fracking – Industrie erledigen. Die Entscheidung verhöhne das öffentliche Interesse und mache die Demokratie zur Farce. Erst im Januar waren tausende Fracking – Gegner in Großbritannien auf die Straße gegangen, um für ein generelles Verbot zu demonstrieren – leider bislang ohne Erfolg.

Dabei bekamen der britische Premierminister und Fracking – Befürworter David Cameron und seine Regierung Anfang des Jahres einen deutlichen Dämpfer bezüglich ihrer Fracking – Pläne verpasst. Denn die sahen es eigentlich vor, Fracking überall im Vereinigten Königreich zu erlauben – und damit auch in Nationalparks. Cameron sagte dazu, er werde mit allem Mitteln versuchen, der Fördermethode den Boden zu eben. Die Regierung verspricht sich dadurch einen deutlichen Schub für die britische Wirtschaft und die Schaffung tausender Arbeitsplätze.

Doch das „Environmental Audit Committee“ (EAC), die Umweltkommission des Parlaments, zeigte sich mit den Plänen nicht einverstanden und machte unmissverständlich klar, dass Fracking mit „signifikanten“ Risiken für die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung verbunden sei. Vor allem in Nationalparks und anderen besonderen Schutzgebieten dürfe Fracking deshalb keinesfalls zur Anwendung kommen. Außerdem sei die umstrittene Fördermethode unvereinbar mit den Klimaschutzzielen Großbritanniens.

Die Chefin der Umweltkommission, Joan Walley sagte, die Kommission könne es keinesfalls gestatten, dass Nationalparks und andere Naturschönheiten Großbritanniens in Öl- und Gasfelder verwandelt würden. Auch der Großteil der Öffentlichkeit zeigte sich entsetzt über die Pläne der Regierung. Tausende Menschen demonstrierten deshalb öffentlich gegen die Technik zur Förderung schwer erreichbarer Öl- und Gasvorkommen. Daraufhin hatte die Labor Partei Fracking in den Nationalparks, in Gebieten von außergewöhnlicher natürlicher Schönheit, von besonderem wissenschaftlichen Interesse und in Grundwasser- Schutzzonen zunächst grundsätzlich ausgeschlossen. Einen Analyse des „Guardian“ ergab, dass durch das Verbot 40 Prozent der potenziell für Fracking geeigneten Gebiete in Großbritannien entfallen würden.

Doch nun will die Labor Partei allem Anschein nach ihr eigenes Verbot durch ein Schlupfloch umgehen, um diese Gebiete doch zur Förderung freizugeben. Fracking in Schutzgebieten soll demnach erlaubt sein, solange die Oberflächenbohrungen etwas außerhalb der Schutzgebiete beginnen. Die Unternehmen dürfen künftig demnach „fracken“, solange sie erst senkrecht in die Erde bohren und dann horizontal in das Schutzgebiet hinein. Ein entsprechendes Gesetz verabschiedeten die Abgeordneten vergangenen Mittwoch.

Die britische Energieministerin und Ministerin für den Klimawandel Amber Rudd verteidigte das Gesetz. Sie sagte zu den Fracking – Gegnern im Parlament, betrachte man die Größe der Nationalparks und anderer Schutzzonen, könnte es schwer zu realisieren sein, Fracking in diesen Gebieten völlig auszuschließen, ohne dabei die (Fracking) Industrie zu sehr einzuschränken. Man dürfe keine übereilten Entscheidungen treffen und das potenzielle Wachstum der Schiefergas – Industrie unnötig gefährden.

Experten gehen davon aus, dass die Schiefergasvorräte Großbritanniens für etwa 40 Jahre reichen werden. Die Zerstörungen der Umwelt und die Auswirkungen auf den Klimawandel dürfte länger anhalten als diese 40 Jahre. 

 

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