Greenpeace will Vattenfalls Braunkohletagebaue kaufen

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Vattenfall Braunkohletagebau
Vattenfall Braunkohletagebau

Eine Umweltschutzorganisation interessiert sich für den Erwerb eines Braunkohlereviers. Was wie ein schlechter Witz klingt, ist tatsächlich Realität: Greenpeace hat sich in den Verkaufsprozess der Braunkohlesparte des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall in der Lausitz eingeschaltet. Mit dem Erwerb will die Umweltschutzorganisation eigenen Angaben zufolge sicher-stellen, dass die Braunkohle dort bleibt, wo sie nach Meinung der Aktivisten hingehört: In der Erde. Viele bezweifeln jedoch, dass es Greenpeace wirklich ernst meint. Ist möglicherweise alles nur ein medienwirksamer PR-Gag? Und was würde passieren, wenn die Umweltschutzorganisation wirklich den Zuschlag bekommt?

Die Nachricht kam überraschend: Greenpeace interessiert sich offenbar ernsthaft für den Kauf der Lausitzer Braunkohletagebaue des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall. Das teilte die Umweltschutzorganisation vergangenen Dienstag mit. Demnach will Greenpeace der schwedischen Regierung die „einzigartige Gelegenheit bieten, große Mengen fossiler Brennstoffe in der Erde zu belassen“, so heißt es in einer schwedischen Pressemeldung.

„Wir werden ein ernstzunehmendes Gespräch mit Vattenfall über den Kauf führen”, bestätigt Greenpeace-Managerin Annika Jacobson. Mit dem Erwerb der Tagebaue will Greenpeace eigenen Angaben zufolge konkrete Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen.

Vattenfall sucht bereits seit Monaten nach einem Käufer des unrentabel gewordenen Braunkohlereviers in der Lausitz. Sollte Vattenfall die Tagebaue an einen anderen Energiekonzern verkaufen, und die Kohle anschließend weiter gefördert und verbrannt werden, würde die schwedische Regierung damit nach Meinung von Greenpeace die völlig falschen Signale für die im Dezember anstehende Weltklimakonferenz in Paris senden. Dadurch könnten dann bis zu 1,2 Milliarden CO2-Äquivalente freigesetzt werden, schätzt die Umweltschutzorganisation. Vattenfall verursache mehr CO2-Emissionen als das ganze Land Schweden. Dabei sei der mit Abstand schmutzigste Teil des Vattenfall-Geschäfts die deutsche Braunkohle, schreibt Greenpeace.

„Vattenfall und Schweden als Eigentümer des Konzerns muss Verantwortung für die Verringerung der Emissionen auch außerhalb der Landesgrenzen tragen. Sollte das nicht passieren, müssen wir diese Aufgabe übernehmen“, so Jacobson.

Obwohl Greenpeace selbst beteuert, ernst gemeinte Kaufabsichten zu hegen, glauben einige, dass es sich möglicherweise nur um einen medienwirksamen PR-Gag handeln könnte. So sagte der Betriebsratsvorsitzende von Vattenfall Europe Mining, Rüdiger Siebers, der deutschen Presseagentur, Vattenfall nehme das Angebot der Umweltschutzorganisation nicht ernst.

Ähnlich kommentierte Brandenburgs Energieminister Albrecht Gerber (SPD) die Nachricht. Die Greenpeace-Aktion sei ein Aprilscherz zur falschen Jahreszeit. Er halte eine Bewerbung um die Vattenfall-Tagebaue für „völlig abwegig”. Das sächsische Wirtschaftsministerium hingegen reagierte verhaltener: „Ob dies ein ernstzunehmendes Angebot ist, wissen wir nicht”, hieß es auf Anfrage der dpa. Man erwarte, dass sich ein neuer Eigentümer an die geltenden Verträge halte.

Mit anderen Worten: Sollte Greenpeace die Tagebaue tatsächlich kaufen, erwartet Sachsens Landesregierung, dass dort auch weiter Kohle gefördert wird – sicher auch, um die rund 25.000 Stellen zu schützen, die direkt und indirekt von der Lausitzer Braunkohle abhängen. Da Greenpeace jedoch bereits angekündigt hat, die Kohle im Boden zu lassen, ist es eher unwahrscheinlich, dass die Organisation künftiger Inhaber werden wird. Auch ist unklar, wie eine Umweltschutzorganisation derart viel Geld für den Kauf eines Gebiets aufbringen will, ohne damit auf absehbare Zeit Geld zu verdienen. Bislang hat sich Greenpeace nicht dazu geäußert, wie die Tagebaue im Falle eines Kauferfolgs weiter genutzt werden sollen.

Während SPD und Vattenfall an einen schlechten Witz glauben, haben die Grünen im sächsischen Landtag die Nachricht positiv aufgenommen. Sollte Greenpeace neuer Inhaber werden, wäre das eine echte Chance für den Ausstieg aus der Kohle, sagte der energiepolitische Grünen-Sprecher in Sachsen, Gerd Lippold: „Wir halten das für eine ernst gemeinte Absichtserklärung”. Sollte daraus ein Kaufangebot resultieren, sei das ein Weg, den „Beschluss zum Verkauf mit einem klimagerechten Konzept zum Kohleausstieg zu verknüpfen.”

An wen Vattenfall die unliebsamen Tagebaue verkauft, ist bislang noch völlig offen. Bis letzten Dienstag konnten sich Interessenten schriftlich bewerben. Nun werden die eingegangenen Unterlagen geprüft und anschließend die potenziellen Käufer kontaktiert. Um im Rennen zu bleiben, müssen sie nach dem europäischen Vergaberecht eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen – zum Beispiel eine nachhaltige Finanzierung nachweisen. Spätestens an dieser letzten Hürde könnte Greenpeace scheitern. Der Verkaufsprozess wird sich laut Vattenfall noch mindestens bis ins Jahr 2016 hinziehen. Wie viele Interessenten es gibt, wollte der Energiekonzern bislang nicht mitteilen.

Quelle: Frankfurter Neue Presse

 

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