Greenpeace: Gewässer sind so gut wie leergefischt

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Meere so gut wie leergefischt
Meere so gut wie leergefischt

Fisch essen gilt als gesund. Viele Deutsche essen ihn zumindest einmal die Woche. Doch bald könnte es vorbei sein mit dem vermeidlichen Genuss. Laut dem aktuellen Fischratgeber der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind die Meere so gut wie leergefischt. Fast zwei Drittel der weltweiten Speisefischbestände sind bis an die Grenzen ausgebeutet, ein Drittel sogar bereits darüber hinaus. Laut Greenpeace gibt es nur wenige Fischarten, die noch „vertretbar“ sind. Alaska-Seelachs, aus dem Fischstächen und Schlemmerfilets gemacht werden, gehört nicht dazu, und sollte möglichst nicht mehr gekauft werden.

„Fische gibt es wie Sand am Meer“. Das galt früher einmal. Doch damit ist es vorbei. Fischfang ist schon lange zu einer Massenindustrie geworden. Riesige schwimmende Fabriken fangen die Fische mit kilometerlangen Schleppnetzen. Dabei wird alles, was sich darin verfängt, mit sich gerissen. Die Fischbestände werden weit über ihre Belastungsgrenze ausgebeutet. Ist ein Schwarm gefangen, geht es weiter zum nächsten. Obwohl jeder Person mit gesundem Menschenverstand klar sein muss, dass das nicht auf ewig so weitergehen kann, wird genau diese Methode Tag für Tag praktiziert. Möglich gemacht durch die riesige Nachfrage der Milliarden von Fischessern an Land. Jedes Jahr essen wir Menschen rund 130 Millionen Tonnen Fisch. Das sind 18,4 Kilogramm pro Kopf. (Daten aus 2009).

Doch damit könnte es in naher Zukunft vorbei sein. Dann nämlich, wenn auch der letzte Fisch gefangen ist. Schon heute sind die Meere bis an die Grenze hinaus leergefischt. „Vielen Fischbeständen steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals. Auch wenn sich einzelne Bestände gerade wieder erholen, stecken unsere Meere aufgrund von Überfischung in einer tiefen Krise“, sagt Sandra Schöttner, Meeresexpertin von Greenpeace.

61,3 Prozent der weltweiten Speisefischbestände sind laut Welternährungsorganisation (FAO) bis an die Grenze genutzt, 28,8 Prozent sind bereits überfischt oder erschöpft. Das tatsächliche Ausmaß der Überfischung gehe jedoch sogar noch über die offiziellen Zahlen der FAO hinaus, schreibt Greenpeace. Das habe eine kürzlich im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichte Studie von Pauly & Zeller gezeigt. Zudem zerstören viele Fangmethoden sensible Ökosysteme und unzählige Meerestiere landen als unerwünschter Beifang im Netz.

Doch welchen Fisch kann man überhaupt noch essen, ohne zu dessen Ausrottung beizutragen? Und auf was sollten Fischesser beim Kauf achten? Um diese Fragen zu beantworten, hat Greenpeace am gestrigen Mittwoch einen aktualisierten Einkaufsratgeber herausgegeben. Dort kann man sich informieren, welche Fische man besser nicht mehr kaufen sollte. Dabei geht es neben bedrohten Arten auch um die jeweilige Fang- und Zuchtmethode.

„Zahlreiche Fang- und Zuchtmethoden schaden der Umwelt erheblich. Viele Bestände sind überfischt. Um eine umweltbewusste Wahl zu treffen, reicht der Blick auf die Fischart allein deshalb nicht aus – ausschlaggebend ist, wo und wie der Fisch gefangen oder gezüchtet wurde“, so Schöttner. Die Greenpeace-Bewertung berücksichtigt deshalb bei Wildfischereien neben dem Zustand des jeweiligen Fischbestands unter anderem auch die Umweltauswirkungen der Fangmethode. Bei Aquakulturen wiederum spielen etwa die Herkunft der Eier und Jungtiere sowie die Zusammensetzung des Futters eine Rolle. Insgesamt hat Greenpeace auf Basis einer mit Wissenschaftlern erarbeiteten Methode rund 115 Arten bewertet, unterteilt in 550 Wildfischbestände und 120 Herkunftsländer von Aquakultur-Fisch.

Laut Fischratgeber können wir zumindest beim Karpfen noch ohne schlechtes Gewissen zugreifen. Hering und Wels sind ebenfalls noch überwiegend vertretbar, hier gebe es jedoch Ausnahmen. Auf den am meisten gekauften Fisch in Deutschland sollten wir künftig jedoch besser verzichten. Der Alaska-Seelachs (enthalten in Fischstäbchen und Schlemmerfilets) wurde von Greenpeace als „Rot“ eingestuft. Das heißt, die Bestände sind teils überfischt und die Fangmethode mit kilometerlangen Schleppnetzen zerstören die Umwelt erheblich. Ebenfalls als „Rot“ bewertet wurden Aal, Makrele und Rotbarsch.

Bei anderen beliebten, aber problematischen Speisefischen, wie Lachs und Thunfisch, hilft der Fischratgeber, vertretbare Ausnahmen zu finden. Eine davon ist zum Beispiel Pazifischer Lachs aus dem Nordostpazifik, der im Golf von Alaska mit Ringwaden, Schleppangeln oder Stellnetzen gefangen wurde.

„Jeder kann zum Schutz der Meere beizutragen, betont Schöttner. „Selten Fisch und Meeresfrüchte essen, mithilfe des Greenpeace-Ratgebers bewusst Fisch aus nachhaltiger Herkunft kaufen sowie den Handel auf ‚Rot‘ bewerteten Fisch und Produkte mit mangelnder Kennzeichnung hinweisen“. Von Fischindustrie und Einzelhandel fordert Greenpeace ein durchgängig nachhaltiges und transparentes Vorgehen bei Produktion, Ein- und Verkauf.

Der Fischratgeber im Taschenformat ist kostenlos zu bestellen unter www.greenpeace.de/fischratgeber. Die App gibt es kostenlos im Apple App- oder Google Playstore.

Quelle: Greenpeace

 

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