Great Barrier Reef: Korallenbleiche so schlimm wie nie

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Umweltschutz - Great Barrier Reef
Umweltschutz - Great Barrier Reef

Bereits vor einem Monat haben wir vom Korallensterben am australischen Great Barrier Reef berichtet. Leider hat sich die Lage seitdem extrem verschlechtert. Mittlerweile sind rund 93 Prozent aller Korallenbestände betroffen. Der Grund ist die mit bis zu 33 Grad viel zu hohe Wassertemperatur – ausgelöst durch die Erderwärmung und das Klimaphänomen El Niño.

Noch nie zuvor war das Great Barrier Reef so gefährdet wie in diesen Wochen. Aufnahmen zeigen fast nur ausgebleichte, weiße Korallen, wo eigentlich eine bunte Farbenpracht zu sehen sein sollte. Der Grund für das als Korallenbleiche bekannte Phänomen: Die Korallen, die zu den Nesseltieren gehören, sterben.

Die meisten der Tiere leben in Symbiose mit winzigen Algen, von denen sie ihre lebenswichtigen Nährstoffe beziehen. Den Algen haben die Korallen auch ihre außergewöhnliche Farbvielfalt zu verdanken. Doch ausgerechnet diese überlebenswichtigen Partner können für die Korallen auch zum Verhängnis werden. Dann nämlich, wenn das Meerwasser über längere Zeit zu warm ist.

Dann sondern die Algen aufgrund von „Wärmestress“ Giftstoffe ab. Die Korallen müssen die Algen abstoßen. Die Folge: Es fehlt den Korallen an Nährstoffen und sie verlieren ihre Farben. Das Phänomen nennt man Korallenbleiche. Grundsätzlich gilt: Je schlimmer die Bleiche, desto geringer die Chance, dass ein Riff sich erholt. Kühlt das Wasser in den nächsten Wochen und Monaten nicht rechtzeitig ab, sterben die Korallen aufgrund von Nährstoffmangel – sie verhungern.

Genau das ereignet sich seit Wochen am Great Barrier Reef. Noch vor etwa einem Monat berichteten wir, dass örtlich bereits 50 Prozent der Bestände ausgebleicht seien. Der australische Umweltminister Greg Hunt kommentierte damals, die Zustände am Riff würden ihm „Sorge“ bereiten. So schlimm wie 1996 sei es jedoch nicht. Dennoch verhängte die australischen Behörden den Ausnahmezustand.

Leider hat sich die Lage seitdem nicht gebessert. Im Gegenteil – mittlerweile hat das Korallensterben beispiellose Ausmaße angenommen. Örtlich sind bereits 93 Prozent der Bestände ausgebleicht und im Begriff zu sterben. Besonders extrem sei die Lage nördlich von Port Douglas, sagt der Meeresbiologe Terry Hughes. „In diesem Ausmaß haben wir so etwas noch nie erlebt“.

Hughes hat sich den Schaden in den vergangenen Wochen per Flugzeug angesehen. „Im nördlichen Teil des Riffs ist es, als wären zehn Zyklone gleichzeitig an Land gekommen.“ Nur im Süden des 2 300 Kilometer langen Naturwunders halte sich die Bleiche in Grenzen. „Dort sollten sich die Riffe bald wieder erholen“, hofft der Meeresbiologe.

Bis zu 33 Grad warm war das Wasser am Riff – und das wochenlang. Der Grund für die außergewöhnlich hohen Temperaturen ist neben der globalen Erwärmung auch das alle paar Jahre auftretende Klimaphänomen El Niño. Glücklicherweise steht in Australien der Herbst und der Winter vor der Tür. Dann wird die Temperatur deutlich sinken. Dennoch dürften viele der Korallen den diesjährigen australischen Sommer nicht überleben.

Massive Korallenbleiche gab es am Barrier Reef schon früher: Erstmals 1998, dann 2002. Nie aber waren die Folgen so verheerend wie dieses Mal. Der australische Klimarat warnte bereits im März: „Wahrscheinlich werden in den nächsten 30 bis 40 Jahren fast alle Korallenbestände weltweit sterben, wenn wir weiter fossile Rohstoffe verbrennen und damit das Klima immer mehr aufheizen“.

Quelle: Focus Online

 

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