Google baut Flugdrachen zur Windstromerzeugung

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Der Internetkonzern Google gab vergangene Woche bekannt, an einem Fluggerät zu arbeiten, mit dem es künftig möglich sein soll 50 Prozent mehr Strom aus Windenergie zu erzeugen als mit konventionellen Windanlagen und dabei gleichzeitig 90 Prozent weniger Baumaterialien zu verbrauchen. Mit dem Projekt will Google Strom und Internet in bislang nicht versorgte Regionen der Erde bringen.

Makani – hawaiianisch für Wind, heißt das Projekt von Google X, der Forschungsabteilung des Internetriesen. Während eines Festivals in Texas vergangene Woche, gab Abteilungsleiter Astro Teller bekannt, an dem Projekt zu arbeiten und sogar schon erfolgreich Testflüge mit einem Prototyp absolviert zu haben. Dabei habe der Drache den starken und unberechenbaren Windverhältnissen auf dem extra deswegen ausgesuchten Testgelände in Pigeon Point in Pescadero, Kalifornien, ohne abzustürzen getrotzt, schrieb das Magazin „The Verge“.

Der Energy Kite (Energiedrache) sieht aus wie ein großes, kabinenloses Propellerflugzeug. Er ist neun Meter lang und leistet laut Google 600 Kilowatt. Er wird von einer Bodenstation mithilfe zweier von Elektromotoren angetriebenen Propeller senkrecht gestartet. In einer Höhe von 80 – 350 Metern, wo der Wind wesentlich stärker und konstanter bläst als in Bodennähe, soll der Drache künftig kreisrunde, vertikale Bahnen ziehen. Er simuliert damit die Bewegung der Rotoren herkömmlicher Windanlagen.

Sobald er seine Flughöhe erreicht hat, schalten die beiden Propeller auf Generatorbetrieb um und werden ausschließlich durch den Wind angetrieben. Die dadurch entstehende kinetische Energie wird, ähnlich wie bei der Lichtanlage von Fahrrädern, in den Generator eingespeist, der sie dann in Strom umwandelt. Mittels eines langen Kabels ist der Drache mit einer Bodenstation verbunden. Über das Kabel, die an eine Schnur für Lenkdrachen erinnert, wird der erzeugte Strom an diese Station transportiert. Sie dient außerdem als Start- und Landeplatz für den Energiedrachen.

Google erklärt, der Energiedrache habe gegenüber herkömmlichen Windkraftanlagen klare Vorteile. Zum einen könne der Drache in viel größeren Höhen operieren. Aufgrund seiner besonderen Aerodynamik und den starken Winden in dieser Höhe könne der Drache 50 Prozent mehr Windstrom erzeugen als Windräder auf dem Boden. Auch könne er in Gebieten eingesetzt werden, in denen der Bau und Betrieb konventioneller Windanlagen nicht rentabel sei, beispielsweise weil dort in Bodennähe nicht genug Wind herrsche oder der Baugrund schwer zu erschließen sei.

Weltweit seien an Land nur etwa 15 Prozent der Flächen geeignet um Windanlagen zu bauen, schreibt Google auf der Website des Makani-Projekts. Insgesamt betrage deshalb der Anteil an Windenergie am weltweiten Strommix nur etwa 5 Prozent. Das könnte sich durch den flexibel einsetzbaren und effizienten Winddrachen künftig ändern, glaubt Google. Mit ihm könne Strom und Internet in Regionen gebracht werden, die bislang darauf verzichten mussten, auch weil der Energiedrache wesentlich günstiger sei als konventionelle Windkraftanlagen. Er brauche verglichen mit konventionellen Windanlagen etwa 90 Prozent weniger Material.

Google geht es demnach wahrscheinlich nicht nur um den Ausbau der Erneuerbaren. Sie wollen mit dem Drachen auch Kundenkreise erschließen, die bislang mangels Strom und Internet nicht erreichbar waren. Dennoch ist das Konzept der Windenergie produzierenden Energiedrachen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien vielversprechend, vor allem da sie sehr effizient und vergleichweise günstig Windstrom erzeugen können. Auch andere Unternehmen haben das erkannt und bauen mittlerweile an eigenen Modellen.

So beispielsweise das brandenburgische Start-Up-Unternehmen EnerKite. Bereits vergangenen Dezember absolvierte ihr Winddrachen einen 74 – Stunden – Dauertest erfolgreich. Dabei erreichte er Spitzenleistungen bis zu 25 Kilowatt und erzeugte insgesamt 170 Kilowattstunden Energie. Auch wenn das deutlich weniger ist als Googles Makani Drache leisten kann, scheint das Konzept aufzugehen. EnerKite will ab 2017 die ersten dieser Flugwindanlagen an Kunden ausliefern. Wann Google seinen Drachen erstmals kommerziell einsetzen will, gab der Konzern bisher noch nicht bekannt.

 

Ein You-Tube Video zum Test des Makani Energiedrachen:

 

 

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