Orcas vor Seattle werden weniger

Bedrohte Orcas vor der Küste Washingtons
Bedrohte Orcas vor der Küste Washingtons

Die Orcas vor der Westküste der USA werden weniger. Die Wale finden nicht mehr genug Beute und werden zudem von der Schifffahrt belastet. Die Ursachen sind nicht vollständig erforscht. Umweltschützer fürchte gar um die Stabilität des marinen Ökosystems.

Während der letzten drei Jahre wurde vor den Küsten des pazifischen Nordwesten kein einziges Kalb in die dort einst üppig vorkommenden Orca-Schulen geboren. Die besonderen Tiere werden oft auch Schwert- oder „Killerwale“ genannt. Den Spitznamen „Killerwal“ verdanken sie den Walfängern vergangener Zeiten. Die wurden dabei von den oft brutal anmutenden Jagdmethoden der Wale inspiriert .

Normalerweise wurden nahe der Küstenstadt Seattle in einem Jahr vier bis fünf Kälber geboren, doch die Zahl der Orcas ist nun bis auf nur 75 Tiere gesunken – ein 30-Jahres-Tief. Schwertwale sind seit 2005 auf der Liste gefährdeter Spezies. Nun verhungern sie. Und wie so viele Effekte des Klimawandels ist es eine Kettenreaktion. Der Königslachs, die primäre Beute der Wale vor der Nordwestküste der Vereinigten Staaten, stirbt ebenso.

Sorge über Kollabieren des marinen Ökosystems

Umweltschützer äußern sich sehr besorgt über diese Entwicklung, nicht nur der Wale willens, auch bezüglich der Ursachen ihres Aussterbens. Der Rückgang sowohl der Wale als auch ihrer Beute könnte die unmittelbare Folge eines beginnenden Zusammenbruchs des dortigen marinen Ökosystems sein. Das würde die gesamte marine Nahrungskette und somit auch Verbraucher stark betreffen.

Ein Königslachs in einem Fischernetz ®Bickstock
Toter Königslachs in einem Fischernetz ®Bickstock

Merkwürdige Phänomene wie „der Blob“ oder „Klumpen“, eine riesige Masse nährstoffarmen und sehr warmen Wassers, das seit 2013 den Pazifik von Mexiko bis nach Alaska stark erwärmt hat, sind weitere Anzeichen für die Veränderung des Ökosystems. Ein weiteres Merkmal ist die wachsende Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll. Zumindest in Deutschland ist das mittlerweile auch teilweise in der Bevölkerung angekommen.

Neue Pipeline als zusätzliche Belastung für die Orcas

Nun sehen sich die Schwertwale einer weiteren Gefahr gegenüber. Die kanadische Regierung ist sich mit Kinder Morgan einig, die Trans Mountain Pipeline auszubauen. Sie befördert Erdöl vom kanadischen Alberta bis an die Westküste British Columbias. Die Erweiterung würde den Verkehr von Öltankern durch den natürlichen Lebensraum der Orcas schätzungsweise um bis zu das Siebenfache erhöhen.

Der verursachte Unterwasserlärm, der den Orientierungssinn der Tiere beeinträchtigen kann und die Gefahr von Lecks würde die Population weiter belasten. Dennoch sollen die Arbeiten bereits im August beginnen, trotz des Widerstands von Washington-Gouverneur Inslee sowie zahlreicher Umweltorganisationen.

Gouverneur Inslee, ein Verteidiger der Orcas, unterzeichnete im März eine Verfügung, die die Staatsämter beauftragt, mehr zum Schutz der Wale beizutragen. Im Mai berief er zudem die „Southern Resident Orca Task Force“ ein, eine gemischte Gruppe verschiedener staatlicher und bundesstaatlicher sowie städtischer Beamter. Sie sollen endlich einen Weg zur Rettung der Schwertwale finden. „Ich glaube daran, dass der Orca Teil der Seele dieses Bundesstaates ist“, so Inslee, „die Wirkung des Aussterbens dieser Spezies würde über Generation deutlich gespürt werden.“

 

Quelle: NYT