Nie mehr Eintags-Küken?

Männliche Küken leben meist nicht lang. Sie sind für die Industrie nutzlos und werden getötet

Jährlich werden allein in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken an ihrem ersten Lebenstag ermordet. Die sogenannten „Eintagsküken“ sind für die Geflügelwirtschaft wertlos. Nun soll ein neues Verfahren endlich das sinnlose Töten der Tiere beenden, so heißt es. „Eier mit gutem Gewissen kommen in deutsche Supermärkte“, so eine Schlagzeile. Doch was genau passiert bei diesem Verfahren? Und reicht das allein aus, damit Eier künftig wirklich mit gutem Gewissen verzehrt werden können?

Nie mehr Eintagsküken?

Die neue Methode wurde von der Universität Leipzig entwickelt. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) betonte, mit dem Verfahren gebe es für das massenweise Töten männlicher Küken bald keinen Grund mehr. Bisher werden diese aus ökonomischen Gründen direkt nach der Geburt aussortiert und anschließend entweder vergast oder geschreddert (CEP berichtete). Sie legen keine Eier und sind auch für die Aufzucht und spätere Schlachtung nicht geeignet, da sie aufgrund ihrer Genetik zu wenig Fleisch ansetzen.

Mit dem neuen Verfahren soll künftig bereits kurz nach der Befruchtung der Eier das Geschlecht der Tiere bestimmt werden. Eier mit männlichen Küken würden dann gar nicht erst ausgebrütet. Wann die Methode zum Einsatz kommt, ist allerdings noch unklar. Außerdem steht noch nicht fest, ob die Brütereien dazu verpflichtet werden, die Methode auch wirklich zu nutzen. Zunächst soll das freigestellt werden. „Wenn Brütereien sagen, das ist uns egal, kommen wir in eine andere rechtliche Bewertung der Sache,“ so Klöckner.

Nur die Verbraucher müssten mehr zahlen

Ein größerer finanzieller Aufwand bestehe für die Brütereien nicht, sagen die Entwickler des Verfahrens. Sie wollen stattdessen auf eine Lizenzgebühr für den Handel setzen. Das würde bedeuten, die so gezüchteten Eier werden in der Zucht zwar nicht teurer, dafür aber für den Endverbraucher.

Das 6er-Pack koste dann rund zehn Cent mehr als ein 6er-Pack Freilandeier. Das seien Preissprünge, die die Verbraucher akzeptieren würden, glaubt der stellvertretende Vorstandschef der Rewe-Gruppe, Jan Kunath. Die Eier werden zunächst in 223 Berliner Supermärkten von Rewe und Penny angeboten. Ende 2019 soll es sie dann in sämtlichen Filialen der beiden Supermarktketten geben.

Eier mit gutem Gewissen?

Die deutschen Medien schreiben zu der Nachricht: „Eier mit gutem Gewissen kommen in deutsche Supermärkte“. Tierschützer glauben dagegen, das sei keine Lösung im Sinne einer verantwortungsvollen Tierzucht. Hennen müssten so immer noch Höchstleistung erbringen, betont der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Sie fordern stattdessen, Hühner müssten künftig sowohl für die Eier-, als auch für die Fleischproduktion geeignet sein. So könnten männliche Küken aufgezogen und später ihr Fleisch verkauft werden. Tatsächlich haben einige Landwirte schon solche sogenannte Zweinutzungshühner gezüchtet. (CEP berichtete)

Ob Eier künftig mit gutem Gewissen verzehrt werden können, wenn die neue Methode sich tatsächlich durchsetzt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Es ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung und könnte Millionen Küken unnötiges Leid ersparen. Falls das Verfahren tatsächlich kommt. Bereits 2015 wurde etwas ähnliches angekündigt. Tatsächlich geändert hat sich aber auch drei Jahre später nichts.