Kükentötung – Oberstes Gericht entscheidet

Ein Küken in einer Geflügelfarm. Bislang werden die männlichen Tiere aus wirtschaftlichen Gründen sofort getötet.

In der Legehennen-Produktion werden männliche Küken bis heute direkt nach dem Schlüpfen getötet. Aus wirtschaftlichen Gründen. Sie legen keine Eier und eignen sich nicht für die Mast. Die Tötung der Küken geschieht daher aus „vernünftigen Gründen“. So sehen es zumindest die Brütereien. Auch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster hat das bestätigt. Dagegen haben Tierschützer Revision eingelegt. Letzten Donnerstag musste das oberste deutsche Verwaltungsgericht über die Zukunft der Tiere entscheiden. Das Verfahren könnte zum Präzedenzfall werden.

Tierschutzgesetz regelt Tötung aus „vernünftigen Gründen“

„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“. So steht es im Tierschutzgesetz. Wer ein Wirbeltier dennoch „ohne vernünftigen Grund“ verletzt oder gar tötet, dem drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. Doch wann wird ein Tier aus einem vernünftigen Grund getötet?

Ein vernünftiger Grund wäre es, wenn schwerkranke Tiere durch den Tierarzt eingeschläfert werden. Oder wenn ein angefahrenes Tier von einem ausgebildeten Jäger erlegt werden muss. Auch in der Fleischproduktion werden tagtäglich Millionen Tiere aus einem „vernünftigen“ Grund getötet. Um dann als Lebensmittel auf unseren Tischen zu enden.

Tötung männlicher Küken „vernünftig“?

Doch warum wird es als vernünftiger Grund beurteilt, Küken an dem ersten Lebenstag zu töten und anschließend zu entsorgen?  Weil die Aufzucht nicht rentabel wäre. Da es – als Legehuhn gezüchtet – nicht genug Fleisch ansetzt. Und weil es als männliches Huhn keine Eier legt. Es ist damit nicht wirtschaftlich – so die Argumentation der Brütereien – es am Leben zu lassen. Daher würden die Küken aus einem vernünftigen Grund getötet und das Tierschutzgesetz eingehalten. So haben auch deutsche Gerichte geurteilt.

Tierschützer sehen das jedoch anders. Ihnen ist die Tötung der sogenannten Eintagsküken schon lange ein Dorn im Auge. Bereits seit Jahren versuchen Tierschutzorganisationen dem Einhalt zu gebieten. Auch der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte schon 2015 angekündigt, der Tötung der männlichen Küken bis spätestens 2017 zu beenden. Doch bis heute ist das nicht geschehen. Entsprechende Verfahren, wie beispielsweise die Früherkennung des Geschlecht der Tiere noch im Ei, sind noch nicht praxistauglich.

Jedes Jahr werden 45 Millionen Küken getötet

Und so werden in Deutschland bis heute weiter jedes Jahr rund 50 Millionen männlichen Küken sofort nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert – 140.000 am Tag. Weltweit sollen es jährlich sogar unglaubliche 2,5 Milliarden Tiere sein, die aus einem „vernünftigen Grund“ sterben müssen. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen wollte das schon 2013 beenden und verbot die Praxis 2013 per Erlass. Dagegen hatten zahlreiche Brütereien jedoch Klage eingereicht. Das Oberverwaltungsgericht Münster gab dieser auch in der Berufungsverhandlung statt, da „die Tötung der Küken (…) Teil der Verfahren zur Versorgung der Bevölkerung mit Eiern und Fleisch“ sei. Und damit ein vernünftiger Grund nach dem Tierschutzgesetz.

Landesverwaltungsgericht muss Urteil fällen

Nun muss das Landesverwaltungsgericht den Fall entscheiden. Am vergangenen Donnerstag fand das Revisionsverfahren statt. Das höchste deutsche Verwaltungsgericht in Leipzig will am kommenden Donnerstag das Urteil verkünden. Viele Experten gehen davon aus, dass die Brutbetriebe recht bekommen werden. Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch sagte, die Richter würden vermutlich entscheiden, „dass das Töten der männlichen Küken in Ermangelung von Alternativen ein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes ist“. Er fordert daher eine grundlegende Überarbeitung des Gesetzes.

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