Kastration ohne Betäubung noch zwei weitere Jahre?

Ferkel werden in Deutschland bisher ohne Betäubung kastriert. Das sollte sich eigentlich ändern.

Männliche Ferkel werden nach der Geburt kastriert. Die Tiere müssen diese schmerzhafte Prozedur bislang ohne Betäubung über sich ergehen lassen. Das sollte 2019 verboten werden. Jetzt will die Bundesregierung das Verbot um zwei Jahre verschieben. Die Grünen-Agrarexpertin Renate Künast sagte, damit werde  die Große Koalition zum Alptraum aller Tiere.

Im deutschen Tierschutzgesetz steht, ein schmerzhafter Eingriff bei Wirbeltieren ist nur erlaubt, wenn diese davor betäubt werden. Mit einer Ausnahme: Ferkel dürfen bis zu ihrem siebten Lebenstag ohne Betäubung kastriert werden. (Tierschutzgesetz, Paragraph 5, vierter Abschnitt „Eingriff an Tieren“)

Warum werden Ferkel kastriert?

Der Grund für die Kastration der Tiere: Uns schmeckt das Fleisch von kastrierten Schweinen besser. Die Hoden von Ebern produzieren männliche Geschlechtshormone und geschlechtsspezifische Geruchsstoffe. Diese verteilen sich im Fleisch. Erhitzt riecht und schmeckt es anders als das Fleisch kastrierter Tiere. Da einige Menschen das als unangenehm empfinden, werden den Tiere nach der Geburt die Hoden entfernt. Derzeit ohne jede Betäubung.

Für die Ferkel ist das eine Qual. Tierschützer fordern seit langem bessere Standards in der Tierhaltung und ein Verbot der betäubungslosen Kastration. Am 1. Januar 2019 sollte es eigentlich soweit sein. Dann sollten die Tiere nur noch mit einem Verfahren kastriert werden, „das Schmerzen wirksam ausschaltet“. Eine entsprechende Reform des Tierschutzgesetzes gab es schon 2013. Dazu waren verschiedene Optionen im Gespräch:

Was gibt es für Alternativen?

Die für die Tiere beste Möglichkeit wäre, die Schweine ohne Kastration zu mästen. Doch dieses Fleisch schmeckt manchen Menschen eben nicht so gut und würde sich dementsprechend schlechter verkaufen.

Die Tiere könnten auch gegen den Ebergeruch geimpft werden. Dabei wird die Hormonproduktion der Eber durch die Impfung unterdrückt. Die Methode ist im Vergleich zur Kastration sehr tierfreundlich. In vielen Ländern ist sie bereits gängige Praxis.

Hierzulande scheinen die Menschen demgegenüber leider skeptisch zu sein. Der deutsche Tierschutzbund schreibt dazu: „Dieser Methode gegenüber herrscht in der deutschen Branche eine nicht nachvollziehbare Skepsis, weswegen sie bisher nur von wenigen Landwirten umgesetzt wird.“

Die Landwirte und der deutsche Bauernverband wollen stattdessen die Kastration unter Lokalanästhesie durchdrücken. Der deutsche Tierschutzbund nannte diese Methode einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass „die Injektion von Lokalanästhetika einen zusätzlichen Stress- und Schmerzfaktor vor der Kastration darstellt und die Betäubung ungenügend ist, um den Kastrationsschmerz vollständig auszuschalten“.

Der Verband schreibt, eine Übergangslösung könnte die chirurgische Kastration unter Vollnarkose und Schmerzmittelgabe sein. Das sei „ein effektives und tierschonendes Verfahren“. Wegen möglicher Nebenwirkungen und Wundheilungsstörungen sollte mittelfristig jedoch komplett auf den chirurgischen Eingriff verzichtet werden.

Zwei weitere Jahre betäubungslose Kastration?

Aktuell sieht es allerdings so aus, als würde sich erst mal gar nichts ändern. Der deutsche Bauernverband hatte angesichts der „schwierigen wirtschaftlichen Lage“ der deutschen Landwirte auf eine Verschiebung der Gesetzesreform gedrängt. Mit Erfolg. Die große Koalition will laut
Medienberichten die Übergangsfrist um zwei Jahre verlängern. Das würde zwei weitere Jahre Qualen für die Ferkel bedeuten, nur damit uns deren Fleisch besser schmeckt.