Das leise Artensterben

Artensterben
Artensterben

Verschwindet irgendwo irgendeine Tier- oder Insektenart, sei das doch nicht schlimm, hört man zuweilen. Denn ähnliche Lebewesen können die Lücke füllen. Und Veränderung gehört zur Natur dazu. Keine Angst also vorm immer häufiger thematisierten Artensterben?

Ganz so einfach ist es nicht. Bereits 2017 wurden die Zahlen einer Langzeitstudie zum Insektensterben in Deutschland bekannt: Seit 1989 hat die Anzahl der Insekten um 76 Prozent abgenommen. Nun wissen wir, es betrifft Vogelarten gleichermaßen. 75% sind laut Roter Liste gefährdet. Neu sind unter anderem die Rauchschwalbe, der Trauerschnäpper und der Star. Gleichzeitig haben sich Arten wie der Fischadler, der Schwarzstorch, der Seeadler und der Wanderfalke erholt.

Rote Liste: Artensterben schreitet voran

Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion über die vom Aussterben bedrohten Arten wird immer länger. Mittlerweile lassen sich dort weltweit 80.000 finden. Laut Greenpeace Magazin sind inzwischen „etwa 20 Prozent aller Fische, 600 Pflanzenarten und mindestens 170 Vogelarten […] in den vergangenen Jahrhunderten ausgestorben“. Doch meist werden von der Roten Liste lediglich Vögel- und Säugetierarten erfasst. Viele Wirbellose Tiere, die 99% der Biodiversität ausmachen, haben nicht einmal einen wissenschaftlichen Namen und verschwinden vom Menschen unbemerkt.

Das grüne Beispiel: Berlin

Mit jeder verschwundenen Art geht uns nicht nur ein biologisch einmaliger Schatz verloren. Es besteht irgendwann auch die Gefahr, dass eine Schlüsselart ausstirbt, die für einen gesamten Lebensraum entscheidend sein kann. Doch es könnte auch anders gehen. Berlin beispielsweise gilt als artenreichste Stadt Europas. 20.600 Tier- und Pflanzenarten sind hier zu Hause. 44%  Grün- und Wasserflächen,  18,3% Waldflächen. Grund für die Artenvielfalt sind unter anderem die jahrzehntelange Teilung der Stadt, sodass der Natur viel Raum blieb. In Berlin wohnen somit nicht nur dreieinhalb Millionen Menschen, sondern auch etwa 1000 Füchse, 30.000 Mauersegler und 40 Biberfamilien.

Bauern benötigen Anreize

Vor allem aber spielt die Landwirtschaft eine wichtige Rolle für die Artenvielfalt. Bauern benötigen Anreize, um diese Artenvielfalt zu schaffen oder zu unterstützen. Auf Basis von Fernerkundungsdaten könnte die biologische Vielfalt gemessen werden: Wie viele Hecken, Teiche oder andere Minibiotope lässt der Bauer auf seinem Land zu? Wie hoch ist der biologische Wert der Fläche? Mithilfe von Landschaftsvielfaltsprämien könnte das Verhalten der Bauern hin zu einer ökologischeren Bewirtschaftung gelenkt werden. Doch der Weg der Politik, dem Artensterben entgegenzuwirken, ist lang.

Aus diesem Grund muss das Thema stärker in öffentlichen Diskussionen auftreten. Wir müssen uns der Sache stärker bewusst werden: Mit dem menschengemachten Artensterben zerstören wir unser Naturkapital. Und damit die Voraussetzung für unser eigenes Überleben.