Zugvögel verlieren Orientierung

Lichtverschmutzung

Die Lichtverschmutzung ist allgegenwärtig in unseren Großstädten: ausgeleuchtete Schaufenster, aufwendige Passagen- oder Alleenbeleuchtung sowie große Werbe-oder Reklamebanner. Während wir diese künstliche Beleuchtung oftmals kaum als störend wahrnehmen, wirkt sie sich umso schädlicher auf Tiere aus.

Konsequenzen sind eine Veränderung des Ernährungs- und Fortpflanzungsverhaltens, ein Rückgang und eine Isolierung der betroffenen Populationen, eine Verschiebung der Artenzusammensetzung zu ungunsten von Spezialisten oder das lokale beziehungsweise regionale Aussterben von Arten. Diese negativen Folgen haben verschiedene Ursachen, die aber immer im Zusammenhang mit Lichtemissionen stehen. So orientieren sich Tiere und Pflanzen am Wechsel zwischen Tag und Nacht und sind in ihrer Lebensweise diesem Rhythmus angepasst. Künstliche Lichtquellen stören diesen Tages-, Nachtrhythmus jedoch, indem sie den Tag verlängern, die Nacht hingegen verkürzen.

Die möglichen Folgen davon sind besonders gut am Beispiel von Zugvögeln zu beschreiben: Wird Licht von einzelnen hohen Gebäuden oder Siedlungsgebieten bei Dunst und Nebel an entstehenden Wassertröpfchen reflektiert, entsteht ein Lichtdom – ein erleuchteter Raum. Viele Zugvögel orientieren sich bei ihren Wanderungen normalerweise an den Sternen, werden nun aber von diesem Lichtdom angezogen. Sie richten ihren Flug nach der künstlichen Lichtquelle aus, werden sozusagen „eingefangen“ und finden keinen Ausweg mehr. Durch diese Fehlorientierung kreisen die Zugvögel die ganze Nacht über der Stadt und setzen ihre eigentliche Flugroute erst bei Tagesanbruch fort. Dadurch verfliegen sie ihre Energiereserven, während die Erschöpfung der Tiere zunimmt und sie zu einer leichten Beute von Räubern werden oder durch die nächtliche Desorientierung verhungern.

In Chicago und New York wird deshalb seit wenigen Jahren die nächtliche Schmuck- und Innenbeleuchtung während des Vogelzugs im Herbst ausgeschalten. Die Zahl der toten Vögel konnte damit um etwa 80 Prozent reduziert werden. Auch der Aktionsradius von nachtaktiven Großsäugetieren wird durch beleuchtete Straßen und Räume verkleinert oder zerschnitten. Dies wiederum kann eine Minderung oder Isolierung von Populationen zur Folge haben.

Die negativen Folgen von künstlichem Licht rücken immer stärker in den Fokus von Stadtplanern, Natur- und Umweltschützern sowie Bauämtern, Gemeinden und Energiekonzernen. Minderungsmaßnahmen beinhalten unter anderem eine Reduzierung der Lichtquellen und ihrer Höhe, da betroffene Tierarten aus umso größerer Entfernung angelockt werden, je höher der Lichtpunkt gelegen ist. Auch eine Änderung des Abstrahlwinkels senkt die Störwirkung von Licht: So könnte eine konkrete Minderungsmaßnahme darin bestehen, Reklame nur von oben herab zu beleuchten. Weitere Möglichkeiten liegen in der Vermeidung der Beleuchtung heller Fassaden, die Verwendung von Licht mit einem niedrigen Anteil kurzwelliger Strahlung oder eine zeitliche Verschiebung unterschiedlicher Lichtquellen.

Das Thema der Lichtverschmutzung steht damit im Spannungsfeld verschiedenster Interessen, die vertreten und innerhalb der Stadtplanung und neuer Bauvorhaben berücksichtigt werden müssen. Während die einen sich für eine stärkere Nutzung von künstlichem Licht einsetzen, entwickeln andere bereits Minderungsmaßnahmen zur Störwirkung von Licht.

Luisa Egenlauf

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